26.05.2026

Zur aktuellen Lage im Sudan

Seit April 2023 herrscht im Sudan Krieg zwischen den Sudanese Armed Forces und den Rapid Support Forces. Die Kämpfe haben das Land in eine katastrophale humanitäre Lage gestürzt. Nach Angaben des Welternährungsprogramms benötigen fast 34 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe; rund 19 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit. Mehr als 11,5 Millionen Menschen wurden durch den Konflikt aus ihren Heimatorten vertrieben.

Besonders dramatisch ist die Situation in Darfur, Kordofan und weiteren umkämpften Regionen. Humanitäre Hilfe wird durch Kämpfe, bürokratische Hürden, blockierte Zugänge und Angriffe auf zivile Infrastruktur massiv erschwert. Ärzte ohne Grenzen berichtet von zerstörten oder kaum funktionsfähigen Gesundheitseinrichtungen, Angriffen auf medizinisches Personal und einer Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera, Masern und Diphtherie. Human Rights Watch dokumentiert schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht durch alle Konfliktparteien, darunter Kriegsverbrechen, Angriffe auf Zivilisten und die Behinderung von Hilfslieferungen.

Blick auf den Hof des Grabungshauses in Naga - die Türen sind herausgerissen und fehlen, die Wände beschädigt, das Dach fehlt.© Karla Kroeper

Blick auf den Hof des Grabungshauses in Naga - die Türen sind herausgerissen und fehlen, die Wände beschädigt, das Dach fehlt. Links steht ein Auto, dessen Reifen fehlen.© Karla Kroeper

Der Krieg ist längst auch Teil regionaler und internationaler Machtinteressen geworden. Analysen von CSIS und CFR beschreiben den Konflikt als zunehmend internationalisiert: Verschiedene Staaten verfolgen im Sudan strategische, militärische und wirtschaftliche Interessen, darunter Zugang zu Rohstoffen, Einfluss im Gebiet um das Rote Meer und regionale Machtprojektionen.

Zu dem unermesslichen menschlichen Leid kommt die Sorge um das kulturelle Erbe des Sudan. Auch das Antikenareal von Naga ist betroffen. Uns liegen Berichte und Fotos vor, nach denen das Grabungshaus in Naga und die Infrastruktur geplündert wurden; auch die vor Ort befindlichen Funde sind teilweise in Mitleidenschaft gezogen. Das Antikengelände selbst scheint nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch weitgehend verschont geblieben zu sein. Naga bleibt damit nicht nur ein bedeutender Ort der sudanesischen und antiken Geschichte, sondern auch ein Symbol dafür, wie eng humanitäre Verantwortung und der Schutz kulturellen Erbes miteinander verbunden sind.