01.03.2026
Vergänglichkeit
Das Sargensemble des verstorbenen Mädchens Nefretiri kann aufgrund der Inschriften einer Familie aus Deir el-Medine – der Arbeitersiedlung vom Tal der Könige (Theben) – zugewiesen werden.
Der Vater Benqenentuef war dort „Diener im Ort der Wahrheit“, eine Bezeichnung für die dort lebenden
Arbeiter. Die Mutter und „Hausherrin“ Mutemwija ist wahrscheinlich bei der Geburt von Nefretiri oder kurze Zeit danach gestorben, denn sowohl Mutter als auch Tochter werden auf dem Kastensarg ÄS 23 b als Verstorbene dargestellt.
Die Szenen auf beiden Seiten sind ähnlich aufgebaut: Die linke Seite zeigt den aufgerichteten anthropomorphen Innensarg des Kindes, der mit Salbkegel auf dem Kopf ausgestattet ist. Vor dem Sarg befindet sich ein reicher Opferaufbau u. a. mit Broten, Gefäßen und Früchten. Ein Erwachsener bringt Weihrauch und eine Wasserspende dar. Dahinter werden die trauernden Familienmitglieder gezeigt: Der Vater Benqenentuef, die ältere Tochter Nai und der Sohn Anmiseba werden im Trauergestus und mit Tränen im Gesicht wiedergegeben.

© SMÄK, Foto: M. FrankeDie rechte Seite ist ähnlich gestaltet: Vor dem aufgerichteten Sarg der Mutter, ebenfalls mit Salbkegel,
befinden sich die Opfergaben, ein mit Pantherfell bekleideter Sempriester bringt eine Wasserspende
dar. Dahinter stehen erneut der Ehemann und die beiden älteren Kinder von Mutemwija.
Als Fundort des Ensembles wird der „kleine Tempel der Isis“ in Theben angegeben, womit das
Areal des Hathor-Tempels von Deir el-Medine gemeint ist. Ältere Inventarlisten und Archivunterlagen
sowie Zeichnungen (Visconti 1828, Tf. XII–XIV) belegen, dass neben dem Kastensarg (ÄS 23 b) und dem
heute verlorenen anthropomorphen Kindersarg (ÄS 23 a) auch drei Körbe mit Deckel sowie gebratenes
Geflügel, Brote, Feigen, Datteln und Doumpalmnüsse zur Bestattung gehörten.
Der anthropomorphe Innensarg der Nefretiri, der zwischen den beiden Weltkriegen verloren
gegangen ist und 1987 bei Sotheby’s in London für kurze Zeit wieder auftauchte, zeigt das Kind mit dreigeteilter Perücke, einem Blütenkragen sowie einer Darstellung der geflügelten Göttin Mut. Mehrere Inschriftenbänder verlaufen horizontal und vertikal über den Sargkörper. An den Seiten werden zwischen den Bändern verschiedene Gottheiten, darunter die vier Horus-Söhne, abgebildet.
Anthropomorpher Innensarg
ÄS 23 a (ehemals SMÄK, heute verloren)
Ca. 62 x 20 cm
Holz, bemalt
Kastensarg mit Schlittenkufen (b)
ÄS 23 b (SMÄK)
39 x 36 x 84 cm
Sykomore (Ficus sycomorus), stuckiert und bemalt
Neues Reich, 19. Dynastie, um 1292–1191 v. Chr.
Aus Deir el-Medine; Entdeckung G. d’Athanasi „Yanni“ (vor 1828); Händler D. Papandriopulos, Rom (1828)
