02.02.2026

Tragende Rolle

Figur einer nackten Frau, die ihr Kind auf der Hüfte trägt

Kalkstein-Statuette einer Frau, die ein kleines Kind auf der Hüfte trägt© SMB Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Foto: S. Steiß

Diese Figur gehört zu einem seit der Ersten Zwischenzeit verbreiteten Typus von Frauendarstellungen mit Kind, entweder auf dem Arm getragen oder an ihrer Brust gestillt. Bei den stehenden Figuren fehlen in der Regel die Füße, sodass die Figuren am Ort ihrer Bestimmung abgelegt worden sind. Die Bedeutung ist noch nicht abschließend geklärt, da derartige Figuren – auch der Nachfolgetypus der auf einem Bett liegenden nackten Frau – sowohl in Männer- als auch Frauengräbern gefunden wurden.

Diese Figur hat auffällige Tattoos: eine doppelte Punktreihe, die vom Genick quer über die Brust verläuft, jeweils ein doppelreihiges Perlenband an jedem Oberarm, der mit Punkten umrandete Schambereich sowie jeweils vorne und hinten drei Kreuze nebeneinander auf Höhe der Hüfte. Ungewöhnlich ist ihre Frisur. Von vorne betrachtet trägt sie eine breite, bis zum Kinn reichende Strähnenperücke. Am kahl rasierten Hinterkopf hängen drei lange geflochtene Strähnen herab, die vermutlich Echthaar andeuten
sollen und an die Wöchnerinnenfrisur erinnern. Beide Teile der unterschiedlichen Haartracht sind auf der Schädeldecke mit einer tiefen Rille voneinander abgesetzt. Das Kind, bei dem es sich aufgrund seiner braunen Hautfarbe um einen Jungen handelt, sitzt auf ihrer linken Hüfte auf und hält sich mit beiden
Armen am Körper der Mutter fest.

Eine Besonderheit zeichnet diese Figur im Gegensatz zu vielen anderen dieses Typus aus. Auf ihrem rechten Bein ist eine hieroglyphische Inschriftenspalte eingraviert: „Möge deiner Tochter Seh eine Geburt gegeben werden.“
Es wird dabei nicht die Frau selber angesprochen bzw. diese bittet nicht selbst um die Erhörung ihres Wunsches, sondern dieser ist an den Vater der – vielleicht zu früh verstorbenen – Frau gerichtet, der nun nachträglich im Jenseits ein Kind geschenkt werden soll.
Es kann aber auch eine Grabbeigabe für den Vater sein, der damit aus dem Jenseits für seine noch lebende Tochter Nachwuchs erbittet. Aufgrund des fehlenden Fundkontextes ist keine finale Entscheidung möglich.

ÄM 14517 (Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Berlin)
11,7 x 4 x 2,7 cm
Kalkstein, bemalt
Mittleres Reich, Mitte 12. bis 13. Dynastie, um 1850–1750 v. Chr.

Vom 28.10.2025 bis 21.6.2026 zu sehen in der Sonderausstellung „Kindheit am Nil – Aufwachsen im Alten Ägypten“