01.10.2026
Statue eines falkenköpfigen Gottes
Die lebensgroße Statue eines falkenköpfigen Gottes gehört zu den frühesten altägyptischen Erwerbungen für die Münchner Sammlung. Die aus Assuan-Granit gefertigte Statue wird aufgrund stilistischer Merkmale in die Regierungszeit Amenophis’ III. datiert. Dargestellt ist eine stehende männliche Gottheit mit Falkenkopf und Strähnenperücke in der für die ägyptische Kunst typischen Form einer anthropomorphen Mischgestalt. Die Figur stellt das linke Bein voran, trägt einen kurzen Schurz sowie einen breiten Halskragen. Die Arme liegen eng am Körper an, die linke Hand hält ein Anchzeichen.
© SMÄK, M. Franke
© SMÄK, Rekonstruktion: Carl Elkins
© © SMÄK, Rekonstruktion: Carl Elkins.Die Statue war ursprünglich bemalt, wovon sich geringe Farbreste erhalten haben. Neuere Untersuchungen und Rekonstruktionen zeigen, dass insbesondere Perücke, Halskragen, Schurz und Details des Falkenkopfes farbig gefasst waren.
Eine eindeutige Identifizierung der dargestellten Gottheit ist nicht möglich, da die Statue keine Inschrift trägt. Aufgrund der ikonographischen Gestaltung wurden verschiedene Deutungen vorgeschlagen, darunter Horus, Re-Harachte oder Montu. Neuere Vergleiche mit Parallelfunden aus dem Tempel Amenophis’ III. in Theben-West (Kom el-Hettan) sprechen dafür, dass die Statue möglicherweise zu einer Gruppe von Falkengöttern gehörte, die mit den sogenannten Seelen von Pe und Nechen in Verbindung standen.
Die moderne Objektgeschichte ist gut dokumentiert. Bereits in römischer Zeit gelangte sie nach Rom und befand sich dort vermutlich im Iseum Campense auf dem Marsfeld. 1635 wurde die Statue beim Bau eines Dominikanerklosters nahe Santa Maria sopra Minerva wiederentdeckt und gelangte in die Sammlung Kardinal Barberinis. Athanasius Kircher publizierte sie 1664 in seinem Werk Oedipus Aegyptiacus als „Osiris“, wodurch sie teilweise unter der irreführenden Bezeichnung „Barberinischer Osiris“ zu einem der frühesten bekannten altägyptischen Monumente der europäischen Gelehrtenwelt wurde.

© Stadtarchiv München, Nachlass Pettendorfer,
Signatur DE-1992-FS-NL-PETT2-0155Johann Joachim Winckelmann beschrieb sie als eines der seltenen gut erhaltenen Beispiele ägyptischer Götter mit Tierköpfen. Vermutlich wurden in dieser Zeit die fehlenden Füße und die Basis unter Verwendung eines ursprünglich nicht zugehörigen antiken Fußpaares aus schwarzem Granit ergänzt. 1814 erwarb Kronprinz Ludwig von Bayern die Statue durch seinen Kunstagenten Johann Martin von Wagner für die geplante Glyptothek in München. Dort wurde sie im „Aegyptischen Saal“ präsentiert. Heute befindet sich die Statue als Dauerleihgabe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst. (Arnulf Schlüter)
Statue eines falkenköpfigen Gottes
Quarzdiorit
Höhe x Breite x Tiefe: 168,0 x 50,0 x 68,0 cm
um 1390–1353 v. Chr., Amenophis III., 18. Dynastie, Neues Reich, Ägypten
Ausgestellt im Raum „Kunst und Form“
Das Objekt in der Sammlung Online
Artikel in unserer Museumszeitschrift MAAT: MAAT 30