03.09.2026

Sitzstatue des Netia und seiner Mutter Mutnofret

Die bemalte Kalksteingruppe zeigt Netia und seine Mutter Mutnofret, die annähernd gleich groß dargestellt nebeneinander auf einer Bank mit hoher Rückenlehne und Löwenfüßen sitzen. Beide haben jeweils einen Arm um die Schulter des anderen gelegt. Sie tragen festliche Gewänder, breite Schmuckkragen und aufwendig gegliederte Perücken. Mutnofrets fein plissiertes Kleid liegt eng am Körper an, während Netia mit einem langen Schurz mit Vorbau bekleidet ist. Reste der ursprünglichen Bemalung haben sich erhalten. In einigen Teilen und auch bei der Vergoldung ist von einer modernen Überarbeitung und Ergänzung der Farbfassung auszugehen.
Gesichter und Körper entsprechen dem Idealbild der ramessidischen Zeit. Obwohl Mutter und Sohn verschiedenen Generationen angehören, erscheinen sie annähernd gleichaltrig. Erst die Inschriften weisen ihr Verwandtschaftsverhältnis aus. Die gleichrangige Darstellung und die gegenseitige Umarmung betonen ihre enge familiäre Bindung und ihre dauerhafte Gemeinschaft im Jenseits.

Schrägansicht auf eine altägyptische Gruppenstatue, rechts sitzt ein Mann mit langem Gewand und einer Perücke, deren Haare über seine Schultern fallen, neben ihm eine Frau in einem langen, enganliegenden Kleid, deren Perückenhaare bis auf ihre Brüste fallen. Die Statue ist aus hellem Stein, Reste von Bemalung haben sich erhalten, die Haare sind schwarz, die Gesichter rötlich-braun.© SMÄK, Foto: R. Hessing

Netia trägt die Titel „Wab-Priester“ und „Türhüter von Amun-der-die-Gebete-erhört“. Dieser Beiname bezeichnet eine Erscheinungsform des Amun, an die sich Personen mit persönlichen Bitten wenden konnten. Netia war vermutlich an dem entsprechenden Heiligtum im östlichen Bereich des Amuntempels von Karnak tätig. Seine Mutter Mutnofret wird als „Sängerin des Amun“ bezeichnet und war damit ebenfalls in den Tempelkult eingebunden.

Die Gruppe war wahrscheinlich für Netias Grab in der thebanischen Nekropole bestimmt. Ihre Inschriften sichern Mutter und Sohn die Versorgung mit Opfergaben und ihre fortdauernde Gegenwart im Jenseits. Weitere Denkmäler Netias befinden sich heute im Museo Egizio in Turin, darunter eine Stele, ein Opfertisch und ein Uschebti. Auch ein Kanopenkasten und ein Pektoral werden ihm möglicherweise zugerechnet.

Sitzstatue des Netia (Neje), Wab-Priester und Türhüter von Amun-der-die-Gebete-erhört, und seiner Mutter Mutnofret, Sängerin des Amun
Kalkstein
Höhe x Breite x Tiefe: 53,4 x 25,6 x 32,0 cm
um 1292–1191 v. Chr., 19. Dynastie, Neues Reich

Ausgestellt im Raum „Kunst und Zeit“, noch bis 4. Oktober 2026 in der Ausstellung „Haar – Macht – Lust“ in der Hypo-Kunsthalle München

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