05.05.2026

Ballspiele

Ein Ball aus Fayence mit dunkelblau-hellblauer Musterung© SMÄK, Foto: M. Franke

Zahlreiche Bälle haben sich aus dem Alten Ägypten bis heute erhalten. Ihre Füllung besteht meist aus Pflanzenmaterial wie verwobenen Papyrusstreifen. Die Umhüllung bestand aus genähten, manchmal farbigen Lederstücken oder Leinen. Die Leinenumhüllung konnte mit einer Stuckschicht und Bemalung versehen sein. Alle Bälle sind klein und haben einen Durchmesser von nicht mehr als zehn Zentimetern.

Einige Exemplare – wie die Bälle aus der Münchner Sammlung ÄS 2009 und ÄS 5762 – bestehen
aus Fayence und dienten möglicherweise zum Jonglieren. Um einen Hohlkörper herzustellen, wurden sie um einen Kern aus organischem Material wie Stroh gefertigt. Die Existenz dieser Reste ist heute noch als leichtes Rascheln wahrnehmbar, wenn man den Ball schüttelt. In ihrer Farbgebung und Musterung imitieren sie die Lederbälle.

Im Grab des Cheti in Beni Hassan (11. Dynastie) finden sich Darstellungen ballspielender Mädchen. Zu den bekannten Ballspielen aus dem Alten Ägypten gehört das Jonglieren mit bis zu drei Bällen, das vielleicht auch paarweise und mit überkreuzten Armen ausgeführt wurde. Weiterhin werden Fangspiele gezeigt, bei denen zu einem geklatschten Rhythmus der Ball einander zugeworfen und gefangen werden muss.

Bei einer Art Reitballspiel, das zu viert gespielt wurde, sitzt je ein Mädchen auf dem Rücken eines anderen, sie werfen sich Bälle zu. Der Vergleich mit griechischem Spiel ephedrismos lässt darauf schließen, dass beim Fehlwurf die Position gewechselt wurde.

Diese Ballspiele sind nur durch Mädchen belegt – auffällig ist ihre besondere Frisur mit unten beschwerten Kugelzöpfen, die möglicherweise einen Hinweis auf ihre Ausbildung als Tänzerinnen gibt.

Das Ballschlagen ist nur in königlichem Kontext belegt. Darstellungen finden sich im Neuen Reich unter Thutmosis III. (18. Dynastie) und vor allem in ptolemäischer Zeit. Der König tritt auf mit Stab und Ball, die Beischrift spricht vom „Fangen (der Bälle) seitens des Gottesdieners, nachdem er (der König) sie weggeschlagen hat“.

Dies geht vielleicht auf ein älteres Spiel zurück, so heißt es im Pyramidentext 254: „Den Ball auf das
Feld des Apis schlagen“, und/oder auf ein Kinderspiel, so Ptolemaios XIII., „der sich vergnügt wie ein
Kind“. Dieses rituelle Ballschlagen der Könige steht aber wohl im Zusammenhang mit der Vernichtung
des Götterfeindes Apophis, wo der Ball das göttliche Auge darstellt.

Ball aus Fayence
ÄS 2009 (SMÄK)
4,7 x 3,5 cm
Fayence
Neues Reich, 18. Dynastie (?), um 1539–1292 v. Chr.