Hauptwerke der Sammlung

Kunst und Form

Stand-Schreit-Figur des Gottes Horus© SMÄK, M. Franke

Stand-Schreitfigur des Gottes Horus
Unnahbar ist der Blick dieser Statue, die als erste den Besucher des Museums empfängt. In der Mischgestalt ägyptischer Götter, die einen Menschenleib mit einem Tierkopf verbindet, ist hier der Himmelsgott Horus dargestellt. Bereits in der Antike nach Rom gekommen, war sie die erste Erwerbung von Ludwig I. im Jahr 1818.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1360 v. Chr. | Granodiorit | Theben-West, Totentempel Amenophis III. (?) | Gl.WAF 22a

Torso einer Stand-Schreit-Statue© SMÄK, M. Franke

Torso einer Stand-Schreitfigur eines hohen Würdenträgers
Überlebensgroß ist dieser Statuentorso (um 350 v.Chr.), der in seinem spannungsgeladenen Aufbau die Antwort Ägyptens auf Griechenland darstellt. Rund 200 Jahre zuvor hatten sich die Griechen in Ägypten zur Großplastik anregen lassen, nun verarbeiten die Ägypter ihrerseits griechische Einflüsse.

Spätzeit, 30. Dynastie, um 360 v. Chr. | Grauwacke | Tell Baklija | ÄS 7100

Würfelstatue des Bekenchons© SMÄK

Würfelfigur des Bekenchons, Hohepriester des Amun
Gelassen hockt ein Mann am Boden, die Arme über den Knien verschränkt,: In dieser Würfelstatue des Bekenchons ist der Hohepriester des Amun zur Zeit Ramses’ II. dargestellt, gewissermaßen der Papst seiner Epoche. In einer berühmten biographischen Inschrift schildert er seinen Werdegang vom Stallburschen zum höchsten Priesteramt Ägyptens.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1320 v. Chr. wieder verwendet: 19. Dynastie, um 1220 v. Chr. | Kalkstein | Theben, Karnak | Gl.WAF 38

Sphinxkopf des Sesostris© SMÄK, M. Franke

Kopf einer Sphinxfigur des Pharao Sesostris III. mit jugendlichen Zügen
Selbstbewusst überblickt dieser Herrscher sein Reich – typisch für die Herrscherporträts des Mittleren Reiches. Dieser Kopf stammt von einer Sphinxfigur Sesostris’ III., einer typisch ägyptischen Darstellung des Königs mit Löwenleib und Menschenkopf. Sie symbolisiert die Göttlichkeit des Pharao.

Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1870 v. Chr. | Granit | ÄS 7110

Porträtkopf eines alten Mannes© SMÄK, M. Franke

Porträtkopf eines alten Mannes von einer Gruppenstatue
Beunruhigend wirkt dieses Porträt eines älteren Mannes mit seinen deutlich asymmetrischen Gesichtszügen. Er war ein Zeitgenosse des jungen Königs Tutanchmun und muss aufgrund dieses überaus qualitätvollen Bildnisses eine wichtige Persönlichkeit gewesen sein: Wahrscheinlich ist hier der spätere König Eje dargestellt.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1330 v. Chr. | Gabbro | Saft el-Henna | ÄS 6296

Kunst und Zeit

Statuenköpfchen des Pharao Cheops© SMÄK

Statuenköpfchen des Pharao Cheops
Winzig klein ist dieses Köpfchen mit weißer Krone, das wohl den Erbauer eines der größten Bauwerke überhaupt zeigt: Cheops, der die große Pyramide von Giza als sein Grab errichten ließ.

Altes Reich, 4. Dynastie, um 2600 v. Chr. | Kalkstein | ÄS 7086

Doppelstatue des Pharao Niuserre© SMÄK

Doppelstatue des Pharao Niuserre
Weltweit einzigartig ist diese Doppelstatue des Königs Niuserre aus der Pyramidenzeit. Sie zeigt denselben Herrscher zweimal: rechts als jungen, links als altgewordenen Mann. Damit wird auf die Doppelnatur des ägyptischen Pharao als Gott und Mensch zugleich angespielt.

Altes Reich, 5. Dynastie, um 2390 v. Chr. | Kalzit | ÄS 6794

Stand-Schreitfigur eines hohen Beamten© SMÄK

Stand-Schreitfigur eines hohen Beamten
Außergewöhnlich ist diese wohlbeleibte Statue eines hohen Beamten, der aufgrund seiner Tracht ein Vezir oder Vorsteher des Schatzhauses gewesen sein muß. Im späten Mittleren Reich entstanden (um 1800 v.Chr.), zählt diese Figur aus Kupfer zu den ältesten aus Metall gegossenen Statuen aus Ägypten.

Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1800 v. Chr. | Kupfer, Silber | Fayum (?) | ÄS 7105

Kultstatue eines Krokodils© SMÄK

Kultstatue eines Krokodils
Golden glitzern die Schuppen des kleinen Krokodils, das ursprünglich im Allerheiligsten eines Tempels in einem Schrein aufbewahrt wurde. Nur wenige dieser Kultstatuen sind überliefert worden, in denen sich nach dem Glauben der Ägypter der Gott niederließ, wenn beim täglichen Ritual die Gebete gesprochen und die Opfergaben dargebracht wurden.

Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1800 v. Chr. | Kupfer, Silber | Fayum (?) | ÄS 6080

Kniefigur des Architekten Senenmut mit Symbol der Göttin Hathor© SMÄK

Kniefigur des Architekten Senenmut mit Symbol der Göttin Hathor
Zierlich wirkt diese Kniefigur des Senenmut, die zu den schönsten der über 25 bislang bekannten Statuen dieses Mannes zählt. Als Architekt und Baumeister des Terrassentempels der Hatschepsut gehörte er zur geistigen Elite Ägyptens, als Erzieher und Vermögensverwalter der Prinzessin Nofrure verfügte er auch über politischen Einfluss.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1470 v. Chr. | Granit | Armant | ÄS 6265

Gesichtsfragment einer Kolossalstatue des Pharao Echnaton© SMÄK

Gesichtsfragment einer Kolossalstatue des Pharao Echnaton
Unverkennbar zeigt dieses Fragment eines Gesichtes die Züge des Echnaton, der die erste monotheistische Religion der Weltgeschichte verkündete. Das Bruchstück stammt von einer der Kolossalfiguren des Königs aus Karnak, die ebenso radikal mit den angestammten Formen der ägyptischen Kunst brechen wie dieser Pharao mit den Traditionen der Religion.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1350 v. Chr. | Sandstein | Karnak, Aton-Tempel | ÄS 6290

Amun mit Federkrone© SMÄK

Amun mit Federkrone
Athletisch ist die Figur des Gottes, mit breiten Schultern, schlanker Taille und muskulösen Waden. Die außergewöhnlich großen Bronzestatue steht stilistisch in der Tradition der vorangegangenen 25. Dynastie, als die „schwarzen Pharaonen“ aus dem Lande Kusch Ägypten beherrschten; in ihr ist der Götterkönig Amun dargestellt, kenntlich an der hohen Federkrone.

Spätzeit, 26. Dynastie, um 600 v. Chr. | Bronze | ÄS 6978

Ägyptisierende Stand-Schreitfigur des Antinoos, Günstling Kaiser Hadrians© SMÄK, M. Franke

Ägyptisierende Stand-Schreitfigur des Antinoos, Günstling Kaiser Hadrians
Untröstlich war der römische Kaiser Hadrian über den Tod seines jungen Freundes Antinous, so dass er ihm nicht nur ein Heiligtum in Ägypten, sondern auch zahlreiche Statuen in Rom weihte. Dieser Torso des Antinous zählt zu einer Gruppe ägyptisierender Statuen in München, die außerhalb der ewigen Stadt einmalig ist.

Römische Zeit, um 135 n. Chr. | Marmor | Villa Hadriana (Tivoli) | Gl.WAF 24

Obelisk

Obelisk des Titus Sextius Africanus© SMÄK, M. Franke

Obelisk des Titus Sextius Africanus
Hoch aufragend steht dieser Obelisk in einem eigenen Raum – sein Material Rosengranit stammt zwar aus Ägypten, doch das Stück selbst wurde im antiken Rom geschaffen und aufgestellt. Dort war das Interesse am Alten Ägypten, seinen Götter und Denkmälern groß, und als der Nachschub versiegte, begann man selbst Statuen und Obelisken „à l’egyptienne“ herzustellen.

Römische Zeit, um 50 n. Chr. | Römische Zeit, um 50 n. Chr. | Rom | Gl.WAF 39

Pharao

Grenzstele des Pharao Ramses II., der  die Feinde vor dem Gott Seth erschlägt© SMÄK, M. Franke

Grenzstele des Pharao Ramses II., der die Feinde vor dem Gott Seth erschlägt
Einsam stand diese Steinplatte einst in der Wüste und bewachte in der Ostwüste die Grenze Ägyptens. Das Bildfeld zeigt Ramses II. beim Erschlagen eines Feindes angesichts des Gottes Seth. In diesem uralten Motiv wird der König als „Herr der Welt“ gezeigt.

Neues Reich, 19. Dynastie, um 1250 v. Chr. | Neues Reich, 19. Dynastie, um 1250 v. Chr. | Wadi Sannur | Gl. 29

Oberteil einer Sitzfigur des Königs Ramses II. mit Krummstab und Wedel© SMÄK

Oberteil einer Sitzfigur des Königs Ramses II. mit Krummstab und Wedel
Hoheitsvoll blickt Pharao in dieser Statue, die zu einer Sitzfigur zu ergänzen ist. Als einzigem Herrscher der langen Reihe altägyptischer Könige hat ihm die moderne Geschichtswissenschaft den Beinamen „der Große“ verliehen.

Neues Reich, 19. Dynastie, um 1240 v. Chr. | Sandstein | Nubien | Gl. 89

Tempelrelief mit Szenen aus dem Sed-Fest© SMÄK, M. Franke

Tempelrelief mit Szenen aus dem Sed-Fest
Rätselhaft sind die Rituale, die der König beim Sed-Fest vollziehen musste, das zum Anlass der 30. Wiederkehr seiner Thronbesteigung gefeiert wurde. Die Münchner Reliefs aus dem Sonnenheiligtum des Niuserre gehören zu den wenigen überlieferten Darstellungen dieses Thronjubiläums.

Altes Reich, 5. Dynastie, um 2390 v. Chr. | Kalkstein | Abu Gurob, Sonnenheiligtum des Niuserre | Gl. 181a-b

Fünf Jahrtausende

Modellboot in Gestalt eines Krokodils© SMÄK, M. Franke

Modellboot in Gestalt eines Krokodils
Blitzschnell bewegt sich ein Krokodil im Wasser, was durch die eng an den Leib angelegten Gliedmaße des Tieres angedeutet wird. Im echten Leben gefährlich für den Menschen, wurde es hier schon vor mehr als 5000 Jahren umgedeutet zu einem Beschützer des Verstorbenen, der ihn sicher ins Jenseits geleitet.

Vorgeschichte, Negade II, um 3300 v. Chr. | Keramik | ÄS 6759

Vase in Gestalt des Gottes Bes© SMÄK

Bes-Gefäß
Grimmig ist der Blick des Bes, dessen Aussehen alles Unheil von Mutter und Kind abwenden sollte. Der zwergengestaltige Gott, der ursprünglich wohl aus Afrika stammte, gehörte auch zum Gefolge der Himmelsgöttin Hathor, in deren Kult Trunkenheit eine Rolle spielte: Dieses großformatige Gefäß wurde zum Mischen von Wein und Wasser verwendet.

Neues Reich, 18.-19. Dynastie, 1360-1250 v. Chr. | Keramik | ÄS 7145

Porträt Ptolemaios' X.© SMÄK, M. Franke

Porträt Ptolemaios‘ X.
Weich, fast schwammig wirkt die Struktur des Gesichtes, dass aufgrund des Vergleichs mit Münzbildern Ptolemäus X. zugeordnet werden kann, dessen Dynastie in der Nachfolge Alexander des Großen Ägypten regierte. Der Kopf ist ein antiker Abguss und sollte vermutlich als Bildhauermodell dienen.

Ptolemäische Zeit, um 100 v. Chr. | Gips | ÄS 5339

Jenseitsglaube

Grabnische mit Scheintür und Seitenwände© SMÄK, M. Franke

Grabnische mit Scheintür und Seitenwände
Verschlossen sind die Flügel dieser Modelltür, wie sie zur Ausstattung jeden Grabes gehörte. Sie bildete den Übergang vom Diesseits zum Jenseits, den die Seele des Verstorbenen in Gestalt des Ba-Vogels jederzeit in beide Richtungen passieren konnte.

Altes Reich, 6. Dynastie, um 2200 v. Chr. | Kalkstein | Sakkara, Grab der Chnumit | ÄS 6288

Modell: Rinderherde mit Hirten© SMÄK

Modell: Rinderherde mit Hirten
Lebendig wirken die Tiere dieser Rinderherde, die sich teils unter einem Schutzdach zum Fressen hingelegt haben, teils ihrem Hirten folgen. Solche kleinformatigen Modelle aus Holzfiguren ersetzten im Mittleren Reich die langen Bilderzyklen an den Wänden der Gräber, vor allem Schiffe, Kornspeicher und Handwerksszenen wurden en miniature nachgeformt.

Mittleres Reich, 12. Dynastie, um 1950 v. Chr. | Holz | ÄS 7144

Oberteil des Sarges der Königstochter und Königsschwester Sat-DjehutiOberteil des Sarges der Königstochter und Königsschwester Sat-Djehuti© SMÄK

Oberteil des Sarges der Königstochter und Königsschwester Sat-Djehuti
Magisch anziehend ist der Blick dieser Sargmaske der Königin Sat-djehutj, die kurz vor dem Neuen Reich in den unruhigen Zeiten der Fremdherrschaft der Hyksos lebte. Die Särge der Königinnen jener Epoche übertreffen die ihrer königlichen Ehemänner an Qualität und Format, was sicher einen Rückschluss auf ihre politische Bedeutung zulässt.

Zweite Zwischenzeit, 17. Dynastie, um 1575 v. Chr. | Sykomorenholz, stuckiert, vergoldet | Theben-West | ÄS 7163

Religion

Kultbild des Gottes Horus als Falke mit Doppelkrone© SMÄK

Kultbild des Gottes Horus als Falke mit Doppelkrone
Selten nur wurde in Ägypten das Material Silber verwendet, das in manchen Epochen wertvoller aus Gold war. Diese Figur eines Falken war ursprünglich die Kultstatue eines Gottes und stand verborgen in einem Schrein im Allerheiligsten eines Tempels.

Spätzeit, 27. Dynastie, um 500 v. Chr. | Silber, Elektron | Leihgabe der Bayrischen Landesbank

Tempelrelief: Pharao Ramses II. beim Gebet© SMÄK, M. Franke

Tempelrelief: Pharao Ramses II. beim Gebet
Raffiniert ist diese Darstellung des betenden Ramses‘ II., die zahlreiche Überschneidungen von versenktem und erhabenem Relief mit zahlreichen Details in der Tracht des Königs zeigt: das Plissee der Nackenbänder, die Innenzeichnung von Schmuckkragen und Schärpe, den spiralförmig aufgerollten Leib der Uräusschlange.

Neues Reich, 19. Dynastie, um 1250 v. Chr. | Sandstein | Memphis | Gl. 124

Ägypten in Rom

Oberteil einer Statue des Serapis© SMÄK
Oberteil einer Statue der Isis© SMÄK

Oberteil von Statuen des Serapis und der Isis
Unaufhaltsam war der Siegeszug der ägyptischen Götter, allen voran Isis und Serapis, denen nach der Eroberung Ägyptens durch die Römer in alle Länder des Imperiums Heiligtümer errichtet wurden. In ihnen wurden Statuen aufgestellt, die zunächst aus Ägypten importiert, später dann im Land gefertigt wurden.

Römische Zeit, 3.-4. Jh. n. Chr. | Kalkstein | Alexandria (?) | ÄS 6059 | ÄS 6060

Situla (Kultgefäß)© SMÄK, M. Franke

Situla (Kultgefäß)
Kostbar ist dieses Kultgefäß aus Silber, das aus dem Isis-Heiligtum in Pompeji stammt. Es wurde für Trankspenden verwendet und trägt umlaufend einen Fries mit Darstellungen der Göttin Isis und verschiedenen Motiven aus ihrem Kult.

Römische Zeit, 1. Jh. n. Chr. | Silber, Gold | Pompeji | Ant.WAF 512

Nach den Pharaonen

Statue der thronenden Isis mit Horusknaben (Isis lactans)© SMÄK, M. Franke

Statue der thronenden Isis mit Horusknaben (Isis lactans)
Vorbildhaft wirkte die Darstellung der altägyptischen Isis mit dem Horuskind in der frühchristlichen Kunst: Aus der stillenden Muttergöttin wurde die Muttergottes, die dem Jesusknaben die Brust reicht. Diese um die Zeitenwende entstandene Figur zeigt Isis in hellenistischer Gewandung, vom Horuskind ist nur noch ein Beinchen erhalten.

Frührömische Zeit, um die Zeitenwende | Serpentinit, Kalkstein | Matana el-Asfun | ÄS 4201

Relieffries mit christlichen Motiven© SMÄK, M. Franke
Relieffries mit christlichen Motiven© SMÄK, M. Franke
Relieffries mit christlichen Motiven© SMÄK, M. Franke
Relieffries mit christlichen Motiven© SMÄK, M. Franke

Relieffries mit christlichen Motiven
Allmählich entwickeln sich aus Motiven der antiken Kunst erste frühchristliche Bilder: Das Motiv eines Mannes hinter der Balustrade stammt, ebenso wie der Adler, aus der kaiserlichen Ikonographie der spätrömischen Kaiserzeit. Er hält in beiden Händen ein Henkelkreuz mit langem Stiel, abgeleitet von der altägyptischen Hieroglyphe Anch, dem Lebenszeichen – eine der ältesten Darstellungen der Figur Christi, der seinen Anhängern das (ewige) Leben verheißt. Der Fries könnte Teil der Ausstattung einer (heute nicht mehr existierenden) Kirche gewesen sein.

Koptische Zeit, 4.-5. Jh. n. Chr. | Kalkstein | Deir Abu Hennis | ÄS 6086-6089

Schubladen mit koptischen Stoffen im Raum Nach den Pharaonen

Kleinteilig sind die Motive der Webereien, die wertvolle Gewänder der Spätantike verzierten: Ornamente, Pflanzen und Tiere, aber auch mythologische Themen der Antike und biblische Erzählungen liefern die Bilder für die Besatzstücke. Aus keiner anderen antiken Kultur sind, dank des trockenen Klimas, so viele Textilien überliefert wie aus Ägypten.

Grabstele mit koptischem Kreuz© SMÄK, M. Franke

Grabstele mit koptischem Kreuz
Wohlvertraut erscheint das Zeichen in der Mitte dieser Grabstele: Das Kreuz, zentrales Symbol der christlichen Religion, geht ursprünglich auf die altägyptische Hieroglyphe „Anch“, das Schriftzeichen für „Leben“, zurück. Ausgehend von Ägypten war es zunächst ein Zeichen für die Überwindung des Todes, bevor es stellvertretend für das Leiden Christi verstanden wurde.

Koptische Zeit, 7. Jh. n. Chr. | Kalkstein | Gl. 134

Schrift und Text

Stele des Gaufürsten Upuautaa© SMÄK, M. Franke

Stele des Gaufürsten Upuautaa
Großformatig ist diese Stele des Gaufürsten Upwaut-aa, die er in Abydos aufstellen ließ, dem Wallfahrtsort für Osiris im Mittleren Reich. An diese Gott der Auferstehung und des Jenseits ist ein Gebet gerichtet, außerdem enthält dieser Text eine Liste von Festen und zahlreichen anderen Gottheiten. Er endet mit der biographischen Schilderung der Amtseinsetzung des Fürsten durch den König Amenemhet II.

Mittleres Reich, 12. Dynastie, 1865 v. Chr. | Kalkstein | Abydos | Gl. WAF 35

Liebeszauber: Gefäß, Wachsfiguren,  Papyrus (koptisch)© SMÄK, M. Franke

Liebeszauber: Gefäß, Wachsfiguren, Papyrus (koptisch)
Zauber-haft sollte die Wirkung der beiden engumschlungenen Wachspüppchen sein, die von einem Papyrus umhüllt in einem kleinen Tonkrug steckten. Auf den Papyrus ist in heute verblassten Schriftzeichen in koptischer Sprache als Liebeszauber ein Text geschrieben, der verschiedene Dämonen beschwört: Damit versuchte ein Mann namens Priskos die Liebe einer gewissen Isis mit magischen Mitteln zu erzwingen.

Koptische Zeit, 3.-5. Jh. n. Chr. | Ton, Wachs, Papyrus | ÄS 6791-3

Kunst-Handwerk

Kelch in Gestalt einer Lotusblüte mit dem Thronnamen des Pharao Thutmosis III.© SMÄK, M. Franke

Kelch in Gestalt einer Lotusblüte mit dem Thronnamen des Pharao Thutmosis III.
Einmalig ist dieser Kelch mit der Namensaufschrift Thutmosis’ III.: Es ist das älteste sicher zu datierende Gefäß aus Glas und vermutlich das am häufigsten abgebildete Objekt des Museums: Jede Geschichte dieses Materials beginnt mit dem Münchner Kelch.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1450 v. Chr. | Glas | Theben | ÄS 630

Figur einer nubischen Amme mit einem Kind im Tuch auf dem Rücken© SMÄK, M. Franke

Figur einer nubischen Amme mit einem Kind im Tuch auf dem Rücken
Schlank ist die Statuette einer jungen Frau, die an ihrer Frisur als Nubierin zu erkennen ist. Auf dem Rücken trägt sie, eingehüllt in ein Wickeltuch, ein kleines Kind, ihren Schützling. Nubische Frauen wurden als Ammen in vornehmen ägyptischen Familien hoch geschätzt.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1350 v. Chr. | Akazienholz | ÄS 2955

Gefäß in Gestalt eines Steinbocks© SMÄK, M. Franke

Gefäß in Gestalt eines Steinbocks
Rar sind die Beispiele figürlicher Keramik aus dem Neuen Reich, die Tiere oder stillende Frauen zeigen. Wie dieses Gefäß in Gestalt eines Steinbocks dienten sie zur Aufbewahrung von Salböl zur Pflege der Haut: kostbare Verpackung für einen kostbaren Inhalt.

Neues Reich, 18. Dynastie, um 1400 v. Chr. | Keramik | ÄS 2729

Ägypten (er)fassen

Entwicklung einer altägyptischen Statue© SMÄK, M. Franke

Nachvollziehbar wird die Entstehung einer ägyptischen Statue aus dem Steinblock anhand dieser Reihe. Zunächst wird ein Gitternetz von Hilfslinien mit Farbe aufgetragen, dann werden die Formen zunächst grob abgetragen und schließlich die Details Schicht für Schicht herausgearbeitet. Am Ende wird das fertige Werkstück poliert und/oder bemalt.

Steintisch Ägypten erfassen© SMÄK, M. Franke

Glatt poliert ist jeweils eine Seite zahlreicher Proben aus altägyptischen Steinbrüchen, wobei es sich um jene Gesteine handelt, die als Material für die verschiedenen Objekte im Museum verwendet wurden – Kalk- und Sandstein, verschiedene Granitarten, Basalt und Porphyr. Die verschiedenen Strukturen der Oberflächen zu ertasten, ist für Sehbehinderte, aber auch für jeden anderen Museumsbesucher interessant und eine haptische Erfahrung.

Nubien und Sudan

Standfigur der Göttin Isis© SMÄK, M. Franke

Standfigur der Göttin Isis
Fremdartig wirkt die Statue der Göttin Isis aus der Grabung des Museums in der Wüstenstadt Naga, eine Dauerleihgabe der sudanesischen Altertümerverwaltung. Sie zeigt Elemente dreier Kulturen: Der formale Aufbau – Frontalität, Schrittstellung, Basis und Rückenpfeiler – ist altägyptisch, die Ikonographie – Korkenzieherlocken, Stola und plissiertes Gewand – greift hellenistische Details auf, und der Stil – die kräftigen Körperformen – ist typisch meroitisch: ein perfektes Beispiel für die einheimische Kunstproduktion im Reich von Meroe.

Meroitische Zeit, 1. Jh. n. Chr. | Fayence | Naga | Leihgabe des National Museum of Sudan, Khartoum

Standfigur einer Frau („Meroitische Venus“)© SMÄK, M. Franke

Standfigur einer Frau („Meroitische Venus“)
Weltberühmt war das Vorbild dieser Statue in der Antike, die Aphrodite von Knidos, die um 350 v. Chr. von dem griechischen Bildhauer Praxiteles geschaffen wurde. Rund 50 Repliken sind von dieser Statue bekannt, da viele Städte der hellenistisch-römischen Welt „ihre“ Venus/Aphrodite haben wollten. In Meroe, der Hauptstadt eines bedeutenden Reiches, schuf ein einheimischer Bildhauer nach dem hellenistischen Prototyp eine „Venus à la Méroitique“, orientiert am afrikanischen Schönheitsideal mit fülligen Proportionen.

Meroitische Zeit, 2.-3. Jh. n. Chr. | Sandstein, stuckiert, bemalt | Meroe, königliche Bäder | ÄS 1334

Schildring mit Widderkopf© SMÄK, M. Franke

Schildring mit Widderkopf des Gottes Amun
Unschätzbar wertvoll sind die Schmuckstücke aus dem Schatz der meroitischen Königin Amanishakheto. Dieses Stirnstück eines Diadems verbindet ägyptische Motive (Widderkopf des Gottes Amun) mit hellenistischer Goldschmiedetechnik und afrikanischen Schmuckformen.

Meroitische Zeit, 1. Jh. n. Chr. | Gold, Glaspaste | Meroe, Pyramide N6 | Ant. 2446a

Alter Orient

Geflügelte bärtige Genien mit verschiedenen Attributen© SMÄK, M. Franke

Geflügelte bärtige Genien mit verschiedenen Attributen
Würdevoll schreiten die geflügelten bärtigen Genien aus dem Palast des assyrischen Königs Assurnasipals II. in Nimrud; sie begleiteten die ausländischen Gesandten auf deren Weg in den Thronsaal. Die Kalksteinplatten mit den Reliefs dienten als Verkleidung der aus Lehmziegeln errichteten Wände. Die Keilschrifttexte, die jeweils in halber Höhe über den Figuren stehen, sind alle gleichlautend, die Standardinschrift enthält neben Namen und Titulatur des Königs einen Bericht über seine Besitzungen und Eroberungen.

Neuassyrische Zeit, um 870 v. Chr. | Mossulalabaster | Nimrud, Nordwest-Palast des Königs Assurnasirpal II. | Gl. WAF 3, 4, 6, 8, 9

Schreitender Löwe, heiliges Tier  der Göttin Ischtar© SMÄK

Schreitender Löwe, heiliges Tier der Göttin Ischtar
Erhobenen Hauptes schreitet der Löwe auf dem Relief aus glasierten Ziegeln, das aus der Prozessionsstraße des Ischtar-Tores in Babylon stammt, wo neben Löwen auch Stiere und ein Fabelwesen, ein Schlangenhalspanther, in langen Reihen dargestellt sind. Nach München kam der Löwe 1930 als Geschenk der Staatlichen Museen in Berlin, wo das Tor im Pergamon-Museum wiedererrichtet wurde.

Neubabylonische Zeit, um 580 v. Chr. | Glasierte Ziegel | Babylon, Prozessionsstraße | Gl. 306