Der umgestürzte Obelisk

Eine Kunstinstallation

Auf der großen Außentreppe des Museums liegen über mehrere Stufen verteilt einzelne Bruchstücke eines Obelisken aus rötlichem Stein. Es macht den Anschein, als sei der Obelisk die Treppe hinabgestürzt.© SMÄK, A. Schlüter

Auf der großen Außentreppe des Museums liegt ein zerbrochener Obelisk. Wie ist er dahingekommen? Ist es etwa ein Original? Oder eine Kopie?
Was macht ein Original aus und woran erkenne ich es? Welchen Wert hat ein Original gegenüber einer perfekten Kopie?

Die Kunstinstallation mit einer 1:1-Kopie des Münchner Obelisken verweist darauf, wie die Antiken meist gefunden werden – umgestürzt und in Teile zerbrochen. Sie soll neugierig machen und Fragen aufwerfen.

Zur neuzeitlichen Faszination an der Antike gehört untrennbar die Lust am Fragment, das Wohlgefallen am Versehrten, Zerfallenen und Unvollendeten.

Der Obelisk im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst ist der einzige antike Obelisk auf deutschen Boden. Er entstand vermutlich um 50 n. Chr. in Rom aus ägyptischem „Rosen“-Granit und ist ein Dokument für die Ägyptenbegeisterung, die bereits im antiken Rom existierte. Die Inschrift ehrt den römischen Magistraten Titus Sextius Africanus.

Mit einer Gesamthöhe von knapp sechs Metern kam er auf ein Gewicht von über 3.000 Kilo. Als Fragment wurde der Obelisk um 1770 von Kardinal Alessandro Albani erworben und durch den Bildhauer Paolo Cavaceppi wieder zu einem Ganzen ergänzt. Zum Zeitpunkt der Rekonstruktion waren die Hieroglyphen noch nicht entziffert, so dass der Bildhauer ägyptisierende Zeichen kopierte.

Von den napoleonischen Truppen zunächst nach Frankreich verschleppt, wurde der Obelisk 1815 durch Ludwig I. angekauft und nach München gebracht.

Dort stand der Obelisk bis zum 2. Weltkrieg im Mittelpunkt des „Ägyptischen Saals“ der Glyptothek, um dann mit der Eröffnung der Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst 1970 vor der Münchner Residenz aufgestellt zu werden. Aus konservatorischen Gründen ist eine Aufstellung im Freien heute nicht mehr zu verantworten, der Obelisk hat daher im neuen Museum einen eigenen Raum erhalten.

Der Münchner Obelisk in seinem Ausstellungsraum im Museum© SMÄK, Foto: Claus Rammel
Gl. WAF 39, Leihgabe Wittelsbacher Ausgleichsfonds

Der umfallende Obelisk auf dem Gelände der Firma Pfanner. Vor einer Lagerhalle stehen Menschen und schauen zu dem umstürzenden Obelisken.© SMÄK, Foto: Roy Hessing

Durch die Kunstinstallation wird der Obelisk gleichsam wieder in seinen fragmentarischen Zustand vor 1770 zurückversetzt. Ein bisschen Arkadien am Eingang des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst. Die Installation ist eine Idee der Dr. Pfanner GmbH unter Leitung von Prof. Michael Pfanner, die das Museum seit langer Zeit restauratorisch betreut. Das Projekt wurde größtenteils von der Dr. Pfanner GmbH sowie vom Freundeskreis des Ägyptischen Museums München e.V. finanziert sowie vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds unterstützt.

Weitere Informationen

Podcastfolge „Die Nadel auf der Treppe“ | auf YouTube mit Bildern und Film vom Umsturz (ab 28.6.2024)

Die Obelisken-Doku zur Restaurierung des Obelisken mit Informationen zu altägyptischen und römischen Obelisken