„Zeichen und Wunder“

08.04.–27.06.2021

Ugo Dossi, dessen Installationen zweimal auf der Documenta, zweimal auf der Biennale von Venedig sowie in zahlreichen internationalen Museen gezeigt wurden, demonstriert mit diesem Projekt seine Faszination für die altägyptischem Kunst, für ihren universellen Horizont und ihre inhaltliche Tiefe.

In sein Werk, das um Weltmodelle, in denen sich Kunst und Wissenschaft begegnen, und um Sinnliches und Übersinnliches kreist, sind früh Elemente aus der altägyptischen Kunst eingeflossen. Ein Antlitz der Nofretete spielt in seiner Werkgruppe NEFER seit 1990 eine zentrale Rolle als Bild-Metapher für Vollkommenheit. Über diese Bild-Metapher setzt Dossi als zweite Bedeutungsebene streng reduzierte graphische Elemente und erstellt damit monumentale Bilderrätsel.

2002 entstand mit solchen Arbeiten eine Ausstellung im Berliner Ägyptischen Museum in Charlottenburg. Für die Ausstellung in München konzentriert sich Ugo Dossi auf das Phänomen der hieroglyphischen Zeichen, in denen er pictographische Wissensspeicher erkennt, die in die Tiefe der Denkwelt der Pharaonischen weisen. Damit bringt er altägyptische Bildallegorien in die Gegenwartskunst ein und setzt, umgekehrt, aktuelle Welt-Bilder in altägyptische Bilder-Welten.

Schon im Ausstellungstitel erscheinen als Ideogramme drei zentrale Motive der altägyptischem Weltsicht: Ba: die Seele. Ra: die göttliche Sonne. Ka: die in allen Wesen pulsierende vitale Kraft.

Zu dieser erstmals ausgestellten Serie kommen die neuen plastischen Ausarbeitungen CALIX, mit denen Dossi berühmte ägyptische Skulpturen neu interpretiert. Auf der Basis von Vexierbildern entstehen symmetrische Gestaltungen, deren Wahrnehmung zwischen dem Erkennen eines Kelches und dem eines Gesichtes vexiert.

Typisch für Dossis Kunst, oszillieren alle seine Objekte in einem Spannungsfeld zwischen Materiellem und Immateriellen. Der Einsatz holographischer Materialien verstärkt diesen Eindruck. Seine Gefäß-Skulpturen von Nofretete, Echnaton, Horus und Sachmet aus Granit und Marmor verkörpern irdische Materie, ihre Ausformung macht gleichzeitig immateriell das Profil der jeweiligen Vorlage sichtbar. Das Dargestellte selbst, für das Dossis Gestaltungen materiell die Schattenform vorgeben, ist körperlos gegenwärtig, – Licht – und somit unvergänglich.