03.04.2025

Schwungvoll

Bronzenes Krummschweret mit gemusterter Mittelrippe© SMÄK, Foto: R. Hessing

Auch wenn seine Dekoration einen ägyptischen Ursprung vermuten lässt, so wurde das Münchner Krummschwert nicht in Ägypten gefunden, sondern in der antiken Stadt Sichem im heutigen Palästina. Das Schwert datiert in die Mittlere Bronzezeit um 1750–1650 v. Chr. In Ägypten herrschten zu dieser Zeit die Könige des Mittleren Reiches und der 2. Zwischenzeit. Das Schwert gehört somit zu den frühesten Belegen von „schwarzem Kupfer“ aus dem Vorderen Orient.

Das Krummschwert, das in einem Stück aus Bronze gegossen wurde, weist auf beiden Seiten in einer Vertiefung eine halbrunde Mittelrippe aus dunkel patiniertem „schwarzem Kupfer“ auf: Werfen Sie doch mal einen Blick auf die herausragenden Verzierungen, die mit Elektron – einer Gold-Silber-Legierung – tauschiert, also eingelegt wurden: Die Spitze der Waffe ist mit einer stilisierten Lotusblüte aus Elektronfolie verziert, die Klinge und der Griff weisen Doppelspiralen und geometrische Blüten- bzw. Kreuzblättchenmuster aus feinem Elektrondraht auf. Der Griff, der separat am unteren Teil befestigt war, hat sich nicht erhalten.

Das Schwert wurde vermutlich nicht als Kampfwaffe verwendet: Die Zusammensetzung der Bronze mit hohem Zinnanteil, die nur einseitig geschärfte Klinge sowie die feinen Tauschierungen sprechen dafür, dass es zu repräsentativen Zwecken eingesetzt wurde. Das aufwendig dekorierte Krummschwert stammt aus einem Waffen- und Gerätefund aus dem antiken Sichem. Seine ursprüngliche Funktion, bevor es in der Erde deponiert wurde, lässt sich mit einem Blick weiter nördlich nach Byblos, im heutigen Libanon, erahnen: Dort wurden drei weitere Krummschwerter mit einer vergleichbaren Mittelrippe und Dekoration in drei Fürstengräbern in Byblos gefunden. Sie datieren ebenfalls in die Mittlere Bronzezeit, um 1830–1730 v. Chr. Das Münchner Schwert könnte also die Prunkwaffe eines lokalen Herrschers gewesen sein.

Die Waffen aus den Fürstengräbern und das Münchner Prunkschwert belegen nicht nur die Existenz von „schwarzem Kupfer“ zu dieser Zeit im Vorderen Orient, sondern auch eine frühe außerordentliche Beherrschung von Technik und Material. Betrachtet man die feine Ausarbeitung des Schwertes, so wird deutlich, dass die Herstellung von „schwarzem Kupfer“ zu diesem Zeitpunkt bereits eine längere Vorgeschichte gehabt haben muss. Die Herkunft der Materialtechnik wird allgemein im Vorderasiatischen Raum angesetzt – die Dekorationsvorlage für das Krummschwert aus Sichem stammt jedoch aus Ägypten.

Der Waffentyp ist zwar vorderasiatischen Ursprungs, über die engen Kulturkontakte mit dem Vorderen Orient entwickelte sich das Krummschwert jedoch sehr schnell im Neuen Reich zu einer Zeremonial- bzw. Repräsentationswaffe des ägyptischen Königs. Dieser konnte z. B. beim „Erschlagen der Feinde“ mit dem Krummschwert ausgestattet sein.

Vom 18. März bis 14. September 2025 zu sehen in der Ausstellung Corinthium Aes.

Krummschwert
Sichem, Palästina, um 1750–1650 v. Chr.
Bronze, schwarzes Kupfer mit Elektron-Tauschierung
SMÄK, München, ÄS 2907