Rundgang durch die Dauerausstellung

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© SMÄK, M. Franke

Raum „Kunst und Form“

Die thematische Gliederung der Raumfolge beginnt mit der bereits im Museumsnamen programmatisch angesprochenen Kunst in den beiden ersten großen Hallen. Hier finden sich demzufolge auch viele Hauptwerke des Museums. Da die dreidimensionale Darstellung, die Rundplastik, im alten Ägypten das vornehmste Medium künstlerischen Schaffens bildet, folgt die Auswahl der Statuen im ersten Raum den Prinzipien einer kunsthistorischen Beschreibung einer Skulptur. An deren Anfang steht der formale Aufbau oder anders formuliert, die Benennung des Statuentyps. Die beiden wichtigsten Statuentypen sind die Stand-Schreitfigur und die Sitzfigur, die dementsprechend den Auftakt bilden, gefolgt von Würfelstatue, Hock- und Kniefigur.

Zwei Gruppenstatuen von Mann und Frau bilden den Übergang zur Ikonographie, der Angabe verschiedener Elemente in Kleidung, Haartracht und sonstigen Attributen. Hier wird auch der Unterschied königlicher und nichtköniglicher Darstellung deutlich und der Sphinx als Erscheinungsform des göttlichen Aspekts des Königs vorgestellt.

Es folgen stilistische Merkmale wie etwa die Unterscheidung von Alters- und Jugendbildnis, die Spannung zwischen Tradition und Innovation oder der Wechsel von idealisierender zu porträthafter Darstellung – große Themen der ägyptischen Kunst.

Am Ende schließlich steht das Tierbildnis, das als Erscheinungsform des Göttlichen in Ägypten über die Jahrtausende hinweg eine wichtige Rolle gespielt hat.

Als Auftakt wurde die lebensgroße Stand-Schreitfigur des Gottes Horus gewählt. Sie zeigt nicht nur den bekanntesten Statuentyp, der auch Eingang in die Popmusik gefunden hat („Walk like an Egyptian“), sondern als Mischwesen aus Menschenkörper und Tier- (hier Vogel-)Kopf auch für den Laien „typisch ägyptisch“ wirkt: So ist der Besucher mit dem allerersten Objekt des Rundgangs bereits angekommen im alten Ägypten.

Stand-Schreit-Figur des Horus© SMÄK, M. Franke

Blick in Raum Kunst und Zeit© SMÄK, M. Franke

Raum „Kunst und Zeit“

Nachdem der Besucher im ersten Raum die Grundlagen der altägyptischen Kunst kennengelernt hat, folgt im zweiten Raum, dem größten des Museums, ein chronologischer Gang durch die ägyptische Kunstgeschichte, beginnend in der Vorgeschichte bis in die römische Kaiserzeit, also über einen Zeitraum von rund vier Jahrtausenden.

Bei der Präsentation der rundplastischen Werke wurde, wie schon im ersten Raum, besonders darauf geachtet, dass sie nach Möglichkeit von allen vier Seiten zugänglich und auch entsprechend ausgeleuchtet sind.

Raum „Obelisk“

Der Münchner Obelisk stammt aus dem kaiserzeitlichen Rom, schließt also historisch unmittelbar an die ägyptisierende Statuengruppe aus der Hadriansvilla an, die den Abschluss des Raumes „Kunst und Zeit“ bildet. Augustus hatte die ersten Obelisken aus Ägypten kommen und als Monumente des Sieges über das unterworfene Land im Circus Maximus aufstellen lassen. Später wurden die Obelisken zur Ausstattung ägyptischer Heiligtümer verwendet, und als der Nachschub aus Ägypten stockte, begann man, in Rom selbst Obelisken herzustellen.

Die Inschrift dieses Obelisken nennt einen Titus Sextius Africanus, der im Jahr 59 n. Chr.  Präfekt in Ägypten war; sein genauer Aufstellungsort im antiken Rom ist nicht bekannt. Um 1775 war er in der Villa Albani aufgestellt, nachdem zuvor der Bildhauer Paolo Cavaceppi das antike Mittelstück oben und unten ergänzt hatte. Von Napoleon als Beute seines Italienfeldzuges 1797 nach Paris gebracht, wurde er dort Teil eines Denkmales auf der Place des Victoires für General Desaix. 1815 erwarb der spätere bayerische König Ludwig I. noch als Kronprinz den Obelisken, der dann im Ägyptischen Saal der Glyptothek ab 1830 bis zum 2. Weltkrieg eine neue Aufstellung fand; von 1972 bis 2007 markierte er den Eingang zum früheren Standort des Museums in der Münchner Residenz.

Münchner Obelisk© SMÄK, M. Franke

Ursprünglich sollte er auch am neuen Standort vor dem Museum stehen, doch eine Untersuchung seines Materials führte zu dem Ergebnis, dass ihm ein weiterer Verbleib im Freien nicht zugemutet werden kann, zu stark hatte die Oberfläche unter Witterungs- und Umwelteinflüssen gelitten.

So musste noch ein wenig umgeplant werden – glücklicherweise passt der Obelisk von der Höhe her in die Museumsräume, und so wurde er über eine offen belassene „Luke“ im Dach des Gebäudes als erstes Objekt in die noch im Ausbau befindlichen Museumsräume eingebracht.

Ansicht Raum "Pharao"© SMÄK, M. Franke

Raum „Pharao“

Nachdem der Besucher in den beiden größten Räumen des Museums die altägyptische Kunst – und damit gleichzeitig eine große Anzahl herausragender Objekte – kennengelernt hat, beginnt nun nach dem Zwischenspiel des Obelisken die Folge von Räumen, die jeweils ein zentrales Thema der ägyptischen Kulturgeschichte aufgreifen. Der nun folgende Raum trägt den Titel „Pharao“, der die Grundlagen des ägyptischen Königtums anhand von Originalobjekten erläutert. Im Mittelpunkt steht die überlebensgroße Büste von Ramses II. mit Königskopftuch und Krummstab mit Wedel in den Händen als Inkarnation der Bezeichnung „Pharao“.

Nach dem ägyptischen Königsdogma von einem göttlichen Vater gezeugt und von einer irdischen Mutter geboren, ist dem ägyptischen König eine Doppelnatur zu eigen, er ist Menschenkind und Gottessohn zugleich. Dies kommt in den verschiedenen Bezeichnungen für den Herrscher zum Ausdruck, die ihn einerseits als Vertreter des Königtums, andererseits als historisch einmalige Persönlichkeit kennzeichnen.

Sein göttliches Wesen befähigt ihn als einzigen Menschen, – wie in den Tempelreliefs dargestellt – im täglichen Kultbildritual im Allerheiligsten der Tempel in unmittelbaren Kontakt zu den Göttern zu treten. Als Hoherpriester jeden Tempels versorgt er die Götter mit Opfergaben, im Gegenzug erhält er stellvertretend den Lebensatem für die Menschheit.

Er ist die lebende Verkörperung des Himmelsgottes Horus auf Erden und wird nach seinem Tod eins mit Osiris, dem Herrscher über das Jenseits und Gott der Auferstehung.

Pharao, das „große Haus“, ist der Garant der Maat, der göttlichen Weltordnung auf Erden. Als „Herr der Welt“ bezwingt er die Fremdländer und herrscht über Ägypten, dessen beide Teile Ober- und Unterägypten er durch seine Thronbesteigung stets aufs Neue vereint.

Raum „Fünf Jahrtausende“

Nach einer provisorischen Einrichtung zur Eröffnung des Museums (die Mittel für die Erstausstattung fehlten) konnte der Raum „Fünf Jahrtausende“ 2018 endlich realisiert werden.

Auf siebzehn (!) Metern Länge (was im Übrigen der Höhe der Portalwand entspricht) erzählen  rund 750 Objekte, chronologisch angeordnet, fünf Jahrtausende ägyptischer Geschichte, von 4000 v. Chr. bis 1000 n. Chr., also von der Vorgeschichte und Frühzeit über die „großen“ Epochen von Altem, Mittlerem und Neuem Reich über die Spätzeit, griechische und römische Epoche bis in die zunehmend koptisch geprägte Spätantike mit einem Ausblick in die islamische Zeit. Um die Zahlenspielerei noch etwas fortzuführen: Für jedes Jahrtausend stehen rund 3,5 laufende Meter in der Vitrine zur Verfügung.

Ansicht Raum "Fünf Jahrtausende"© SMÄK

Die Grundidee liegt darin, aus möglichst jeder Epoche charakteristische Objekte in einer Zusammenschau zu zeigen, basierend auf den Objektgruppen Reliefs – Stelen und Wandreliefs aus Gräbern und Tempeln, Särge und weitere Grabausstattung und – ganz wichtig – Keramik. Nahezu jedes ägyptische Museum hat überreiche Magazinbestände mit hunderten, ja tausenden von Gefäßen – gezeigt wird davon so gut wie nichts. In der neuen Großvitrine werden all diese Objektgruppen in gestaffelter Aufstellung präsentiert: Im Hintergrund die Reliefs, dazwischen die Särge, vorne, in Sand gestellt, die Keramik.
Dazwischen gibt es eine „Highlight-Ebene“ für Statuen und andere herausragende Stücke, wobei die Statuen in der Gesamtschau ausnahmsweise keine Hauptrolle spielen – diese nehmen sie ja bereits in den ersten beiden großen Museumsräumen „Kunst und Form“ sowie „Kunst und Zeit“ ein.

Trotzdem ist die Rundplastik in allen Epochen vertreten – mit Exponaten, die zum überwiegenden Teil bislang Magazinbestand waren, selten oder nie ausgestellt, ergänzt um einige gezielte Neuerwerbungen der vergangenen Jahre. Andere Objektgruppen tauchen dort auf, wo sie historisch eine wichtige Rolle spielen: ein Krummschwert in der Zweiten Zwischenzeit, als die Fremdherrschaft der Hyksos neue Waffen und Technologien ins Land brachte, Glasgefäße in der 18. Dynastie, als dieses neue Material aus Vorderasien ins Land kam, Mumienporträts der römischen Epoche, die auf neue Bestattungssitten der neuen Herren des Landes verweisen.
Mit zahlreichen Objekten wird nun auch die Epoche der Vorgeschichte, bislang nur in einigen herausragenden Stücken vertreten, angemessen dargestellt.

Unter den Exponaten dieser Zeit befinden sich auch zahlreiche Stücke aus der Münchner Ostdeltagrabung in Minshat Abu Omar, die im Rahmen zweier Fundteilungen ihren Weg nach München fanden. Aus diesem umfangreichen Komplex sind zusätzlich, am entgegengesetzten Ende der Vitrine, Fundstücke aus der späten Belegung dieser Nekropole in der griechisch-römischen Zeit zu sehen, die bislang lediglich vereinzelt im Kontext von Sonderausstellungen zu sehen gewesen waren. Einige Objekte aus der frühislamischen Zeit deuten die weitere Geschichte Ägyptens an.

Die Gesamtschau dieser hunderte von Objekten wird nicht durch Beschriftungsschilder beeinträchtigt, die sich auch technisch gar nicht umsetzen ließen. Die Erschließung der Stücke erfolgt über drei Medienstationen, über die der Besucher Informationen zu jedem Exponat aufrufen kann. Zwei weitere Medienstationen erläutern historische Abläufe und Zusammenhänge und stellen die wichtigsten Baudenkmäler des Landes vor.

Blick in Raum Jenseits© SMÄK, M. Franke

Raum „Jenseitsglaube“

Aus dem Raum „Fünf Jahrtausende“ hat der Besucher einen Blick auf eine großformatige Scheintür, eine Modelltür, die im ägyptischen Grab des Alten Reiches den Übergang vom Diesseits zum Jenseits markiert. Betritt er dann den Raum „Jenseitsglaube“, überrascht ihn zunächst eine völlig andere Atmosphäre, die durch eine andere Beleuchtung erzeugt wird: Dem Thema entsprechend ist es hier dunkler als in den vorangegangenen Räumen, die Objekte in den Wandvitrinen werden durch für den Betrachter unsichtbare Lampen erleuchtet, das zentrale Objekt der überlebensgroßen Sargmaske einer ägyptischen Königin schimmert golden.

Zum Auftakt wird im Raumtext auf ein weitverbreitetes Missverständnis in der Darstellung altägyptischen Jenseitsglaubens in populären Darstellungen von Altägypten eingegangen:


„Der in der Religion Altägyptens tief verwurzelte Glaube an die Überwindung des Todes, an die Auferstehung und an ein jenseitiges Leben ist mit Begriffen wie Totenglaube und Totenkult völlig unzutreffend beschrieben.

In den Jenseitsführern, die ins Innere der Särge, auf die Wände der Gräber oder auf Papyrus geschrieben und gemalt wurden, steht die Sonne als Inbegriff des ewigen Kreislaufs des Lebens im Mittelpunkt. Auf dem Weg zum ewigen Leben durchquert der Verstorbene, wenn er die Prüfung durch das Jenseitsgericht bestanden hat, die von der Nachtsonne erhellte Unterwelt und wird mit dem Sonnenaufgang neu geboren. Nicht ein finsteres Totenreich erwartet ihn, sondern das Gefilde der Seligen unter der ewig strahlenden Sonne.“

Dann werden die wichtigsten Elemente der Grabausstattung vorgestellt: Statuen, Reliefs und Scheintür, Nahrungsmittel und Keramik zur Versorgung des Verstorbenen. Die Rekonstruktion eines vorgeschichtlichen Grabes gibt die Möglichkeit, auf die Anfänge des Jenseitsglaubens zu verweisen und ein Grabinventar dieser Epoche vollständig zu zeigen. Da alle diese Gegenstände aus einer Grabung des Museums in den 70er Jahren stammen und im Rahmen einer Fundteilung mit der Ägyptischen Altertümerverwaltung nach München gekommen sind, ergibt sich außerdem noch die Gelegenheit, auf die Herkunft dieser – und zahlreicher anderer – Museumsobjekte hinzuweisen, eine Frage, die mehr und mehr Besucher interessiert.
Schließlich folgen – in chronologischer Aufstellung innerhalb der Objektgruppen – Grabstelen, Uschebtis und Särge, am Ende stehen die Kartonage- und Stuckmasken sowie die Mumienporträts der römischen Zeit. Die Präsentation eines 9 Meter langen Totenbuchpapyrus und Kleinobjekte unter dem Oberbegriff „Auf der Mumie“ vervollständigen die Auswahl der Grabbeigaben.
Zwischen den Mumienporträts hat auch die Münchner Kindermumie aus der Römerzeit mit integriertem Porträt ihre Aufstellung gefunden – als einzige der Mumien überhaupt, da das Museum aus ethischen Gründen auf die Zurschaustellung toter Menschen verzichtet.

Ein Text in der Sargvitrine erläutert dem Besucher diese Entscheidung, die akzeptiert wird – im Gegensatz zu früher hat es noch keine Beschwerde über das Fehlen von Mumien gegeben! Unter der Überschrift „Mumien-Tabu“ heißt es: „Der Umgang mit Mumien muss sich an der Haltung der alten Ägypter zu den Verstorbenen orientieren. Der physische Tod und die Behandlung des Körpers des Verstorbenen unterliegen im alten Ägypten einem strengen Tabu. Der Tod eines Menschen spiegelt sich in der Bilderwelt der Gräber in den Darstellungen der trauernden Hinterbliebenen und der Bestattungsriten. Der Leichnam selbst bleibt unsichtbar; er erscheint erst in der transformierten Gestalt des kunstvoll in Binden gehüllten Körpers, dem die Maske mit goldenem Gesicht aufgesetzt ist, also als Verklärter, der eine neue, ewige Wesenheit angenommen hat. In den meisten Bestattungsdarstellungen ersetzt der Sarg das Bild der gewickelten Mumie. Nur die Leichname derjenigen werden bildlich dargestellt, denen ein ewiges Leben verwehrt bleibt: im Jenseitsgericht gescheiterte Sünder sowie politische und magische Feinde. Unter diesem Aspekt betrachtet ist die Zurschaustellung des Leichnams eines alten Ägypters gleichbedeutend mit dessen Verdammnis.
Es sollte daher selbstverständlich sein, diese Scheu des alten Ägypters vor dem toten Körper zu respektieren.“

Ansicht Raum "Religion"© SMÄK, M. Franke

Raum „Religion“

Das Thema „Religion“, vordergründig durch Objekte einfach darzustellen, erweist sich bei näherem Hinschauen als komplizierte Aufgabenstellung. Welche Informationen können altägyptische Originale vermitteln? Sicher ist das Medium der Ausstellung zur Erklärung theologischer Konzepte oder Kosmogenien nur bedingt geeignet. Hingegen können Götterfiguren aus Bronze und Fayence oder Reliefs mit Götterdarstellungen eine Vorstellung von der nahezu unendlichen Vielfalt der Erscheinungsformen des Göttlichen vermitteln und einige grundlegende Prinzipien der Ordnung im ägyptischen Pantheon erläutern.

Diesen beiden Themen ist die erste Hälfte des Raumes „Religion“ gewidmet, den Darstellungen Gottes als Mensch, Tier und Mischwesen als künstlerisches Konzept, denn es war die vornehmste Aufgabe des Künstlers, Gott im Bild zu fassen – eine Unmöglichkeit, die in der Mischgestalt aus Mensch und Tier ihren bildlichen Ausdruck fand. Die vielen Gestalten, die einem einzigen Gottesnamen zugeordnet werden können, sind Ausdruck der Vielschichtigkeit der Gotteserfahrung, die in einer einzigen Erscheinungsform völlig unzureichend gefasst wäre. Letztendlich verkörpern alle Namen und Gestalten die Manifestation des Göttlichen.

Der altägyptischen Religion wohnt ein latenter Monotheismus inne, den Echnaton in der kurzen Phase seiner Regierungszeit (1350-1333 v. Chr.) zur ersten monotheistischen Religion in der Geschichte verdichtet hat.
„Eine Gestalt, viele Namen“ und das entgegengesetzte Prinzip „Ein Name, viele Gestalten“ wird ebenso mit Hilfe verschiedenster Objekte veranschaulicht wie diverse Ordnungsprinzipien der ägyptischen Götterwelt: die soziale Ordnung der Kleinfamilie, die topographische Ordnung der Lokalgottheiten oder die numerische Ordnung in der Zusammenstellung bestimmter Gruppen von Göttern.

Das zentrale Denkmal in der Mitte des Raumes ist die silberne Kultstatue einer falkengestaltigen Gottheit, deren freistehende Vitrine gleichsam den Schrein im Allerheiligsten des Tempels verkörpert. Darum herum gruppieren sich Darstellungen des betenden oder opfernden Königs, der als Hoherpriester jeden Tempels als einziger vor die Gottheit treten durfte – in der Praxis ersetzt durch die jeweiligen Priester, die hier ebenfalls in Statuen und Statuetten, ergänzt um Kultgeräte, anwesend sind.

Als weitere Themen in diesem Raum werden der Tierkult, die Magie und die sogenannte „Persönliche Frömmigkeit“ veranschaulicht. Zwei lebensgroße Statuenköpfe von Isis und Osiris leiten über in den nächsten Raum.

Ansicht Raum "Ägypten in Rom"© SMÄK, M. Franke

Ansicht Raum "Ägypten in Rom"© SMÄK, M. Franke

Raum „Ägypten in Rom“

Als Folge der Niederlage der vereinigten Flotten der ägyptischen Königin Kleopatra und des römischen Feldherrn Marc Anton gegen Octavian, den späteren Augustus, in der Seeschlacht von Actium im Jahr 31 v. Chr. wird Ägypten zwar zur Provinz und damit zur Kornkammer des Römischen Reiches. Doch in der Folge beginnt ein Siegeszug altägyptischer Traditionen bis an die Grenzen dieses Imperiums, ein Triumph vor allem der ägyptischen Götter, allen voran der zur Universalgöttin gewordenen Isis und ihres Kultgenossen Serapis.

Zunächst in den Hafenstädten, entstehen an vielen Orten zahlreiche Heiligtümer für den Kult ägyptischer Götter, deren bedeutendstes, das Iseum Campense, im Zentrum Roms auf dem Marsfeld lag. Zur Ausstattung dieser Tempel werden Obelisken und Statuen aus Ägypten geholt, und als der Nachschub nicht mehr ausreicht, beginnt man, Denkmäler nach ägyptischem Vorbild zu produzieren. Ägypten kommt in Mode, auch in Privathäusern und Gräbern finden sich Wandmalereien und Mosaiken mit ägyptisierenden Motiven.

Es sind diese Monumente in Rom, die in der Neuzeit seit dem 16. Jahrhundert den entscheidenden Anstoß zur Wiederentdeckung der altägyptischen Kultur gegeben haben.
München verfügt außerhalb Italiens über die wichtigste und umfangreichste Sammlung derartiger Objekte – vom Obelisken über die überlebens- und lebensgroßen Statuen aus der Villa Adriana bis hin zu zahlreichen kleinformatigen Götterfiguren, die hier in diesem Raum präsentiert werden. Highlight-Objekt ist eine silberne Situla aus dem Isis-Heiligtum in Pompeji.

Blick in den Raum "Nach den Pharaonen"© SMÄK, M. Franke

Raum „Nach den Pharaonen“

Nun beginnt die Folge der niedrigeren Räume, die unterhalb der großen Eingangstreppe liegen und daher einen intimeren Charakter haben. Dieser Raum präsentiert Denkmäler aus der ptolemäischen, römischen und frühchristlichen Zeit, die in München in allen Objektgruppen hervorragend vertreten sind, also in Reliefs und Rundplastik, mit Architekturelementen und Kleinkunst, mit Keramik, Elfenbein, Metall und Stoffen. So kann einerseits der Nachhall der pharaonischen Zeit aufgezeigt werden, daneben das Erbe der klassischen Antike, aber auch das Entstehen der frühchristlichen Kunst durch die Umdeutung antiker und altägyptischer Motive. Das Paradebeispiel hierfür ist die ägyptische Muttergottheit Isis mit ihrem Sohn Horus auf dem Schoß, der Isis Lactans, die das ikonographische Vorbild für die stillende Maria mit dem Jesusknaben geliefert hat.

Raum „Schrift und Text“

Die Gliederung dieses Raumes folgt sehr klar dem Raumtitel: Der Großvitrine an einer Längswand des Raumes, die die Entwicklung der Schrift von den Anfängen in der Vorgeschichte bis hin zum Koptischen der christlichen Kirche und dem Meroitischen im antiken Sudan zeigt, ist eine Großvitrine mit Textgattungen aller Bereiche gegenübergestellt: aus dem Alltagsleben – Briefe, Verträge, Urkunden – sowie historische, religiöse und magische Texte. Ergänzend werden die verschiedensten Textträger vorgestellt und auf die besondere Rolle des Schreibers hingewiesen: Es sind die höchsten Beamten wie der Vezir, die sich im Typus der Schreiberstatue darstellen lassen, um auf ihr Wissen und ihre Erfahrung, aber auch auf die Pflichterfüllung und Loyalität des Beamten hinzuweisen, wie sie in den Lebenslehren beschrieben und gefordert werden.

Blick in den Raum "Schrift und Text"© SMÄK, M. Franke

Blick in den Raum "Schrift und Text"© SMÄK, M. Franke

Gegenüber wird dem Besucher das System der Hieroglyphen gezeigt, und er kann anhand einer großen Stele Zeile für Zeile eine lange biographische Inschrift verfolgen. Ergänzend dazu erhält er bei vielen der ausgestellten Texte über den Kunstgriff eingestellter Glasscheiben als Träger von Informationsschildern die Möglichkeit, direkt am Objekt Übersetzungen zu lesen und so die Vielfalt altägyptischer Textinhalte selbst zu erschließen.

Raum „Kunst-Handwerk“

Die Bestände des Museums erlauben keinen eigenen Raum zum Thema „Alltagsleben“, was durch die Sammlungsgeschichte bedingt ist: Die ägyptischen Abteilungen des Louvre, des British Museum, des Metropolitan Museum oder des Museo Egizio in Turin verdanken ihre großen diesbezüglichen Bestände Grabungen und den sich daran anschließenden Fundteilungen im frühen 20. Jahrhundert – und damals gab es das Münchner Museum als eigenständige Institution eben noch nicht.
Der aus zwei Worten zusammengesetzte Titel des neuen Raumes verweist auf seine Inhalte: Einerseits werden Kostbarkeiten aus 5 Jahrtausenden Kleinkunst gezeigt, andererseits ihre handwerkliche Entstehung aufgezeigt, geordnet nach den Materialgruppen Ton und Fayence, Bronze und Edelmetall, Gesteine und Edelsteine sowie organische Materialien wie Holz und Papyrus oder Elfenbein und Leder.
Unter den Highlights finden sich so bekannte Stücke wie der Glaskelch Thutmosis‘ III., der Goldring Ramses‘ II., die kleinen Fayence-Nilpferde des Mittleren Reiches oder das Krummschwert mit Goldtauschierung und der rote Jaspis-Kopf, eine Erwerbung des Freundeskreises. An organischen Materialien sind hier auch Leinenstoffe aus der 1. Dynastie, Sandalen aus Schilf und die Figurengruppe aus Elfenbein aus der protodynastischen Zeit zu sehen.

Glaskelch des Thutmosis im Raum Kunsthandwerk© SMÄK, M. Franke

Blick in den Raum Kunstahandwerk© SMÄK, M. Franke

Ein raumhoher, nach einer Seite hin offenen Vitrinenblock präsentiert in seiner Außenfront rund 20 Highlight-Objekte aus allen Materialgruppen in separaten kleinen Guckkästchen, ein wenig vergleichbar manchen Auslagen in Juweliergeschäften. In seinem Inneren vertiefen dann rund 700 Objekte in großen, offenen Vitrineneinheiten die jeweiligen Materialgruppen, veranschaulichen unterschiedliche Objektgruppen deren jeweilige Verwendung und wird anhand unfertiger Stücke und Werkzeugen ihre Entstehung und Fertigung aufgezeigt. Für den Bereich des Materials „Stein“ ergibt sich dann eine enge – von Anfang an intendierte – Verschränkung mit dem nachfolgenden Raum „Ägypten (er)fassen“, wo sämtliche hier in Objekten gezeigten Gesteine in Proben zum Anfassen bereitliegen.

Ergänzend werden in einer Wandvitrine an der Schmalseite des Raumes Beispiele für Wanddekorationen in Malerei und Fayence vorgestellt: die Fliesen aus den unterirdischen Räumen des Djoser-Komplexes in Sakkara und die Vorzeichnungen einer Wandmalerei aus einem thebanischen Grab. Dazwischen wird das Thema „Gründungsbeigaben“ aufgegriffen

Medienraum

Zwischen den Räumen „Kunst-Handwerk“ und „Ägypten (er)fassen“ liegt ein kleiner Raum, eine „black box“ gewissermaßen, die zur Ergänzung des sonstigen digitalen Informationsangebots (Medienstationen und MedienGuide) künftig allgemeinere Hintergrundinformationen in Form kurzer Filme bereit halten wird, die von den Besuchern individuell aufgerufen werden können. Es handelt sich dabei um Themen, die bislang während des Rundgangs nicht vertiefend angesprochen worden sind, zum Beispiel „Der Nil“, „Das ägyptische Grab“, „Ein ägyptischer Tempel“. Der Raum ist genau so groß, dass auch eine Schulklasse hineinpasst, die sich dann im Anschluss an eine Führung vor den Originalen den entsprechenden Background in Ägypten, also im Land selbst anschauen kann.

Von seiner Lage im Rundgang ist der Raum so konzipiert, dass er einerseits fast am Ende des Rundgangs liegt – die Besucher sollen sich zunächst mit den Originalobjekten auseinandersetzen, um dann, wenn sie noch Zeit und Lust haben, das ergänzende Angebot anzuschauen. Oder bei Interesse diese Möglichkeit der Vertiefung zum Anlass für einen weiteren Museumsbesuch nehmen. Andererseits liegt der Medienraum in räumlicher Nähe zum Sonderausstellungsraum, kann also gegebenenfalls auch im Kontext einer Sonderausstellung – mit entsprechenden anderen Inhalten – genutzt werden, was bereits mehrfach geschehen ist.

Blick in den Medienraum© SMÄK, M. Franke

Blick in den Raum "Ägypten erfassen"© SMÄK, M. Franke

Raum „Ägypten (er)fassen“

Die klaren Formen der ägyptischen Rundplastik mit ihrem Gerüst aus Basisplatte und Rückenpfeiler machen sie für Sehbehinderte besonders geeignet, die Struktur des formalen Aufbaus der verschieden Statuentypen und ihrer ikonographischen Details durch Ertasten zu begreifen. Anfassen erlaubt! heißt es daher für alle Besucher und alle Objekte. Abgüsse von im Museum gezeigten Originalen der fünf Grundtypen ägyptischer Skulptur, der Stand-Schreitfigur, der Sitzfigur, der Schreiberstatue, der Kniefigur und der Würfelstatue ermöglichen das Verständnis ägyptischer Formprinzipien. Gleiches gilt für zwei Platten, die einmal in versenktem und einmal in erhabenem Relief die Regeln des Flachbildes veranschaulichen.

Das Werkverfahren ägyptischer Bildhauer und damit die Entstehung einer Statue kann vom Steinblock bis zur ausgearbeiteten Figur nachvollzogen werden; zahlreiche unvollendete Stücke erlauben die Rekonstruktion dieses Verfahrens.
Proben der wichtigsten in Ägypten verwendeten Gesteine aus antiken Steinbrüchen vor Ort ergänzen die Erfassung ägyptischer Formen und Werkverfahren durch die originalen Materialien.

Blick in den Raum "Ägypten erfassen"© SMÄK, M. Franke

Blick in den Raum "Nubien und Sudan"© SMÄK, M. Franke

Raum „Nubien und Sudan“

Der Blick auf den antiken Sudan erweitert und verändert das traditionelle Bild der Geschichte des Niltals, das ganz vom Alten Ägypten geprägt ist. Nubien, das Gebiet zwischen dem 1. Katarakt im Norden und Khartum im Süden, dem südlichen Ägypten und dem nördlichen Sudan, stand im Schatten des Pharaonenreiches, von dem es meist beherrscht wurde. Es waren die Goldvorkommen der nubischen Wüste, die das Land für den großen Nachbarn im Norden so interessant machten; vermutlich leitet sich sein Name vom altägyptischen nub = Gold ab.
Das Münchner Museum verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Denkmälern aus diesem Gebiet, aus allen Objektgruppen und von der Vorgeschichte bis in die christliche Zeit, die meisten Stücke stammen aus Grabungen, haben also einen gesicherten Kontext und sind letztendlich über Fundteilungen nach München gekommen.

Als Grundlage der Präsentation in diesem Raum dient ein chronologischer Ansatz, der im Neolithikum (ca. 5000 v. Chr.) beginnt und alle Kulturen Nubiens und des antiken Sudan bis hinein in die christliche Zeit (ca. 800 n.Chr.) anhand von Originalobjekten vorstellt. Dies geschieht zunächst auf der Basis von Tongefäßen, da die Keramik dieser Kulturen eine deutlich bessere Qualität als die ägyptische Ware aufweist und jeweils sehr charakteristisch ist. Dies wird dann fallweise ergänzt durch Kleinplastik und Kleinkunst, Statuen und Reliefs aus andern Materialien. Die Vorstellung der antiken Kulturen Nubiens und des Sudan wird unterbrochen und ergänzt durch einige andere Themen wie etwa „Das Bild des Nubiers in Ägypten“ oder die Anwesenheit der Ägypter in diesen Gebieten, archäologisch dokumentiert durch entsprechende Funde. Mit der „Kunst der Nok“ wird auch das afrikanische Element in den nubischen Kulturen gewürdigt.
Da die Gebiete südlich des Ersten Kataraktes noch stärker als Ägypten von der Wüste geprägt sind, wurde als gestalterisches Element Sand gewählt, die Tongefäße stehen oder liegen also im (entsprechend dem Original eingefärbten) Sand, was dem Raum eine sehr besondere Atmosphäre verleiht.
Die sehr guten eigenen Bestände werden ergänzt um einige Dauerleihgaben des sudanesischen Altertümerverwaltung. Bei diesen Objekten handelt es sich um Funde aus der meroitischen Stadt Naga, wo das Museum seit 2013 mit einem eigenen Grabungsprojekt aktiv ist.

Blick in den Raum "Nubien und Sudan"© SMÄK, M. Franke

Blick in den Raum "Alter Orient"© SMÄK, M. Franke

Raum „Alter Orient“

Die Reliefs stammen aus dem Nordwestpalast von Assurnasirpal II. in Nimrud, der Hauptstadt des assyrischen Reiches im 9. Jahrhundert v. Chr. am mittleren Tigris (heute Irak). Sie zeigen geflügelte Genien, die als mächtige Schutzgeister den König und sein Haus beschirmen sollten. Der Keilschrifttext, der sich über die ursprünglich farbig gefassten Reliefs hinwegzieht, ist eine Standardinschrift, die in immer gleichen Formulierungen einen Lobpreis auf den König und seine Besitzungen und Eroberungen enthält sowie über den Wiederaufbau der Stadt und des Palastes berichtet. Die Reliefplatten bildeten die Wandverkleidung der aus Lehmziegeln errichteten Räume und Gänge auf dem Weg in den Thronsaal.

1863 hatte der bayerische König Ludwig I. die Reliefs als seine letzte große Erwerbung über seinen Hofarchitekten Leo von Klenze angekauft, der mit dem Ausgräber von Nimrud, dem Engländer Austen Henry Layard, befreundet war. Im selben Jahr ließ Leo von Klenze – als sein letztes Bauwerk – im Innenhof der Münchner Glyptothek einen Anbau errichten, der die Reliefs im Kontext einer farbigen Rekonstruktion weiterer Reliefs und Kolossalfiguren geflügelter Stiere präsentierte. Dieser Anbau wurde nach dem 2. Weltkrieg abgerissen, und die Reliefs wurden dem Ägyptischen Museum überstellt, sozusagen als engster Nachbar, da München nicht über ein eigenes vorderasiatisches Museum verfügt.