Museumskonzept

Barrierefreiheit

Die Thematik „Barrierefreiheit und Inklusion“ ist seit langem ein Schwerpunkt des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst, die mit dem neuen Haus architektonisch umgesetzt und im Hinblick auf die Vermittlung von Inhalten konsequent ausgebaut wird. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf Maßnahmen gelegt, die auch für nichtbehinderte Besucher – zum Beispiel Senioren oder Familien – einen Mehrwert bringen. „Barrierefreiheit beginnt im Kopf“ – und ist im Museumsalltag ein nie abgeschlossener Prozess. Nachdem im Juli 2015 im Museum die Auftaktveranstaltung des Sozial- und des Wirtschaftsministeriums zur Einführung des bundesweiten Kennzeichnungssystems “Reisen für Alle” in Bayern stattgefunden hat und das Museum – als erste bayerische Institution überhaupt! – die Zertifizierung „Reisen für Alle“ des Deutschen Seminars für Tourismus (DSFT) Berlin e. V. erhalten hatte, ist es nun auch in die Kampagne „Bayern barrierefrei“ der Bayerischen Staatsregierung eingebunden

Barrierefreier Zugang Museum© SMÄK, Marianne Franke

Eingangsraum Fahrstuhl mit Wandbild Pharao© SMÄK

Die barrierefreie Erschließung beginnt bereits im Außenbereich: Zum Haupteingang des unterirdisch gelegenen Museums führt eine breite Freitreppe hinab, also war von Anfang an klar, dass es einen zweiten Zugang über einen Fahrstuhl geben muss. Dieser liegt auf der Rückseite der Portalwand, die Tür lässt sich durch einen Summer über einen rollstuhlgerechten Schalter unschwer öffnen. Um den kleinen Vorraum zum Fahrstuhl aufzuwerten, empfängt ein lebensgroßer Pharao in Form einer Zeichnung auf der Rückwand den Besucher – und statt einer Opfergabe präsentiert er in seinen Händen einen Abreißblock mit dem aktuellen Veranstaltungsprogramm des Museums zum Lesen oder Mitnehmen.

Dieser Eingang wird lebhaft genutzt, nicht nur von Rollstuhlfahrern, sondern auch von Familien mit Kinderwagen, Senioren und auch denjenigen Besuchern, die sich dem Museum nicht von vorne, sondern von der anderen Seite nähern. Der Behindertenparkplatz liegt in kürzest möglicher Distanz zu diesem Eingang.

Behinderten-Parkplatz vor dem Museum© SMÄK

Barrierefreie Angebote im Museum© SMÄK, Marianne Franke

Als besonderen Service bietet das Museum Faltrollstühle, Rollatoren und spezielle Gehstöcke (mit Gummipfropfen unten statt Spitze) zur kostenlosen Ausleihe während des Museumsbesuchs an. Für Babys kann man sich ein Tragetuch, für Kleinkinder einen Buggy ausleihen – und in der Garderobe gibt es extra Platz zum Abstellen für Kinderwagen.
Im Foyer, in der Ausstellung und am Ende des Rundgangs auf der Galerie gibt es große Sitzbänke. Diese verfügen unter der Sitzfläche über Stauraum, in dem verschiedene Anschauungsmaterialien für die Führungskräfte untergebracht werden können, außerdem haben sie Fächer für Prospektmaterial und zur Aufnahme der Texttafeln für die „Einfache Sprache“.

Darüber hinaus stehen im Foyer 40 Falthocker zum Mitnehmen bereit, wovon nicht nur Senioren, sondern auch Teilnehmer von Führungen oder Besucher, die zum Zeichnen ins Museum gekommen sind, gerne Gebrauch machen.
Sowohl das Auditorium als auch der Kassenbereich sind mit einer induktiven Anlage für hörgeschädigte Besucher ausgestattet. Auch für den MedienGuide stehen entsprechend ausgestattete Kopfhörer zur Verfügung.

Barrierefreie Angebote im Museum© SMÄK, Marianne Franke

Barrierefreie Angebote im Museum© SMÄK, Marianne Franke

In der großzügig bemessenen Unisex-Toilette für Rollstuhlfahrer ist auch ein Wickeltisch untergebracht, damit Väter wie Mütter ihre Kinder wickeln können.
Alle vier Treppen im Museumsbereich weisen eine Kennzeichnung der Stufen an der vorderen Kante auf. Diese ist ebenso aus Tombak wie die erhabene Leitlinie, die den Besucher durch das ganze Museum führt und gut mit einem Blindenstock ertastet werden kann.

Die Medienstationen, die Präsentationstische im Raum „Ägypten erfassen“ sowie der Kassenbereich sind rollstuhlgerecht in Bezug auf ihre Höhe und Unterfahrbarkeit.

Rollstuhl an einer Medienstation© SMÄK, Marianne Franke

Leiste mit Braille-Schrift© SMÄK, Marianne Franke

Die Tombak-Leiste unterhalb des Raumtextes bildet nicht nur den optischen Abschluss des Schriftblockes, sondern dient auch zum Aufbringen einer Zeile in Brailleschrift. Sie enthält in Stichworten eine Auflistung der in den Originalobjekten veranschaulichten Themen.
Wie die Gebrauchsspuren zeigen, wird von diesem Informationsangebot auch Gebrauch gemacht.

Auch im Raum „Ägypten (er)fassen“ ergänzen Beschriftungen in Braille-Schrift die normalen Beschriftungsschilder.
Der MedienGuide funktioniert in diesem Raum mit einer anderen Technik als sonst im Museum: Beim Betreten des Raumes wird der Besucher, der den Guide benutzt, automatisch aufgefordert, diesen in einen Rahmen neben den Objekten zu legen. Dort liest das Gerät dann einen QR-Code ein, woraufhin ebenfalls ohne weiteres Zutun des Benutzers der jeweilige Text startet. Dieser fordert auch explizit zum Anfassen der Objekte und Gesteinsproben auf. Und da der Besucher durch das Ablegen des Guides in den Rahmen beide Hände frei hat, kann er dieser Aufforderung folgen.
Dieser Raum ist Bestandteil des normalen Rundgangs, da er auch nicht sehbehinderten Besuchern zusätzliche Informationen und das interessante haptische Erlebnis der verschiedenen Gesteine bietet. Dennoch wurde er bewusst in einer Ecksituation platziert, um bei Bedarf – etwa dem Besuch einer Gruppe Sehbehinderter – problemlos abgekordelt werden zu können, und dennoch den anderen Besuchern eine Fortsetzung des Rundgangs zu ermöglichen.

Blick in den Raum "Ägypten erfassen"© SMÄK, Marianne Franke

Die Bemühungen des Museums um inklusive Projekte sind vielfältig und beziehen immer wieder die jeweiligen Zielgruppen mit ein („user generated content“). So wurde in einem inklusiven Bildungsprojekt eine eigene Führung für den MedienGuide in Zusammenarbeit mit einer Inklusions-Klasse mit teils hörgeschädigten Schülern des Münchner Giselagymnasiums erstellt – von Jugendlichen für Jugendliche, teils mit untertitelten Beiträgen und teils mit Gebärdendolmetscher.
In enger Zusammenarbeit mit blinden Besuchern entstand eine eigene Audioführung für diese Zielgruppe, die gleichfalls über das Tablet abrufbar ist.