Museumskonzept

Blick in den Raum "Nach den Pharaonen"© SMÄK, Marianne Franke

Raum „Nach den Pharaonen“

Nun beginnt die Folge der niedrigeren Räume, die unterhalb der großen Eingangstreppe liegen und daher einen intimeren Charakter haben. Dieser Raum präsentiert Denkmäler aus der ptolemäischen, römischen und frühchristlichen Zeit, die in München in allen Objektgruppen hervorragend vertreten sind, also in Reliefs und Rundplastik, mit Architekturelementen und Kleinkunst, mit Keramik, Elfenbein, Metall und Stoffen. So kann einerseits der Nachhall der pharaonischen Zeit aufgezeigt werden, daneben das Erbe der klassischen Antike, aber auch das Entstehen der frühchristlichen Kunst durch die Umdeutung antiker und altägyptischer Motive. Das Paradebeispiel hierfür ist die ägyptische Muttergottheit Isis mit ihrem Sohn Horus auf dem Schoß, der Isis Lactans, die das ikonographische Vorbild für die stillende Maria mit dem Jesusknaben geliefert hat.

Raum „Schrift und Text“

Die Gliederung dieses Raumes folgt sehr klar dem Raumtitel: Der Großvitrine an einer Längswand des Raumes, die die Entwicklung der Schrift von den Anfängen in der Vorgeschichte bis hin zum Koptischen der christlichen Kirche und dem Meroitischen im antiken Sudan zeigt, ist eine Großvitrine mit Textgattungen aller Bereiche gegenübergestellt: aus dem Alltagsleben – Briefe, Verträge, Urkunden – sowie historische, religiöse und magische Texte. Ergänzend werden die verschiedensten Textträger vorgestellt und auf die besondere Rolle des Schreibers hingewiesen: Es sind die höchsten Beamten wie der Vezir, die sich im Typus der Schreiberstatue darstellen lassen, um auf ihr Wissen und ihre Erfahrung, aber auch auf die Pflichterfüllung und Loyalität des Beamten hinzuweisen, wie sie in den Lebenslehren beschrieben und gefordert werden.

Blick in den Raum "Schrift und Text"© SMÄK, Marianne Franke

Blick in den Raum "Schrift und Text"© SMÄK, Marianne Franke

Gegenüber wird dem Besucher das System der Hieroglyphen gezeigt, und er kann anhand einer großen Stele Zeile für Zeile eine lange biographische Inschrift verfolgen. Ergänzend dazu erhält er bei vielen der ausgestellten Texte über den Kunstgriff eingestellter Glasscheiben als Träger von Informationsschildern die Möglichkeit, direkt am Objekt Übersetzungen zu lesen und so die Vielfalt altägyptischer Textinhalte selbst zu erschließen.

Raum „Kunst-Handwerk“

Die Bestände des Museums erlauben keinen eigenen Raum zum Thema „Alltagsleben“, was durch die Sammlungsgeschichte bedingt ist: Die ägyptischen Abteilungen des Louvre, des British Museum, des Metropolitan Museum oder des Museo Egizio in Turin verdanken ihre großen diesbezüglichen Bestände Grabungen und den sich daran anschließenden Fundteilungen im frühen 20. Jahrhundert – und damals gab es das Münchner Museum als eigenständige Institution eben noch nicht.
Der aus zwei Worten zusammengesetzte Titel des neuen Raumes verweist auf seine Inhalte: Einerseits werden Kostbarkeiten aus 5 Jahrtausenden Kleinkunst gezeigt, andererseits ihre handwerkliche Entstehung aufgezeigt, geordnet nach den Materialgruppen Ton und Fayence, Bronze und Edelmetall, Gesteine und Edelsteine sowie organische Materialien wie Holz und Papyrus oder Elfenbein und Leder.
Unter den Highlights finden sich so bekannte Stücke wie der Glaskelch Thutmosis‘ III., der Goldring Ramses‘ II., die kleinen Fayence-Nilpferde des Mittleren Reiches oder das Krummschwert mit Goldtauschierung und der rote Jaspis-Kopf, eine Erwerbung des Freundeskreises. An organischen Materialien sind hier auch Leinenstoffe aus der 1. Dynastie, Sandalen aus Schilf und die Figurengruppe aus Elfenbein aus der protodynastischen Zeit zu sehen.

Glaskelch des Thutmosis im Raum Kunsthandwerk© SMÄK, Marianne Franke

Blick in den Raum Kunstahandwerk© SMÄK, Marianne Franke

Ein raumhoher, nach einer Seite hin offenen Vitrinenblock präsentiert in seiner Außenfront rund 20 Highlight-Objekte aus allen Materialgruppen in separaten kleinen Guckkästchen, ein wenig vergleichbar manchen Auslagen in Juweliergeschäften. In seinem Inneren vertiefen dann rund 700 Objekte in großen, offenen Vitrineneinheiten die jeweiligen Materialgruppen, veranschaulichen unterschiedliche Objektgruppen deren jeweilige Verwendung und wird anhand unfertiger Stücke und Werkzeugen ihre Entstehung und Fertigung aufgezeigt. Für den Bereich des Materials „Stein“ ergibt sich dann eine enge – von Anfang an intendierte – Verschränkung mit dem nachfolgenden Raum „Ägypten (er)fassen“, wo sämtliche hier in Objekten gezeigten Gesteine in Proben zum Anfassen bereitliegen.

Ergänzend werden in einer Wandvitrine an der Schmalseite des Raumes Beispiele für Wanddekorationen in Malerei und Fayence vorgestellt: die Fliesen aus den unterirdischen Räumen des Djoser-Komplexes in Sakkara und die Vorzeichnungen einer Wandmalerei aus einem thebanischen Grab. Dazwischen wird das Thema „Gründungsbeigaben“ aufgegriffen.

Medienraum

Zwischen den Räumen „Kunst-Handwerk“ und „Ägypten (er)fassen“ liegt ein kleiner Raum, eine „black box“ gewissermaßen, die zur Ergänzung des sonstigen digitalen Informationsangebots (Medienstationen und MedienGuide) künftig allgemeinere Hintergrundinformationen in Form kurzer Filme bereit halten wird, die von den Besuchern individuell aufgerufen werden können. Es handelt sich dabei um Themen, die bislang während des Rundgangs nicht vertiefend angesprochen worden sind, zum Beispiel „Der Nil“, „Das ägyptische Grab“, „Ein ägyptischer Tempel“. Der Raum ist genau so groß, dass auch eine Schulklasse hineinpasst, die sich dann im Anschluss an eine Führung vor den Originalen den entsprechenden Background in Ägypten, also im Land selbst anschauen kann.

Von seiner Lage im Rundgang ist der Raum so konzipiert, dass er einerseits fast am Ende des Rundgangs liegt – die Besucher sollen sich zunächst mit den Originalobjekten auseinandersetzen, um dann, wenn sie noch Zeit und Lust haben, das ergänzende Angebot anzuschauen. Oder bei Interesse diese Möglichkeit der Vertiefung zum Anlass für einen weiteren Museumsbesuch nehmen. Andererseits liegt der Medienraum in räumlicher Nähe zum Sonderausstellungsraum, kann also gegebenenfalls auch im Kontext einer Sonderausstellung – mit entsprechenden anderen Inhalten – genutzt werden, was bereits mehrfach geschehen ist.

Blick in den Medienraum© SMÄK, Marianne Franke

Blick in den Raum "Ägypten erfassen"© SMÄK, Marianne Franke

Raum „Ägypten (er)fassen“

Die klaren Formen der ägyptischen Rundplastik mit ihrem Gerüst aus Basisplatte und Rückenpfeiler machen sie für Sehbehinderte besonders geeignet, die Struktur des formalen Aufbaus der verschieden Statuentypen und ihrer ikonographischen Details durch Ertasten zu begreifen. Anfassen erlaubt! heißt es daher für alle Besucher und alle Objekte. Abgüsse von im Museum gezeigten Originalen der fünf Grundtypen ägyptischer Skulptur, der Stand-Schreitfigur, der Sitzfigur, der Schreiberstatue, der Kniefigur und der Würfelstatue ermöglichen das Verständnis ägyptischer Formprinzipien. Gleiches gilt für zwei Platten, die einmal in versenktem und einmal in erhabenem Relief die Regeln des Flachbildes veranschaulichen.

Das Werkverfahren ägyptischer Bildhauer und damit die Entstehung einer Statue kann vom Steinblock bis zur ausgearbeiteten Figur nachvollzogen werden; zahlreiche unvollendete Stücke erlauben die Rekonstruktion dieses Verfahrens.
Proben der wichtigsten in Ägypten verwendeten Gesteine aus antiken Steinbrüchen vor Ort ergänzen die Erfassung ägyptischer Formen und Werkverfahren durch die originalen Materialien.

Blick in den Raum "Ägypten erfassen"© SMÄK, Marianne Franke

Blick in den Raum "Nubien und Sudan"© SMÄK, Marianne Franke

Raum „Nubien und Sudan“

Der Blick auf den antiken Sudan erweitert und verändert das traditionelle Bild der Geschichte des Niltals, das ganz vom Alten Ägypten geprägt ist. Nubien, das Gebiet zwischen dem 1. Katarakt im Norden und Khartum im Süden, dem südlichen Ägypten und dem nördlichen Sudan, stand im Schatten des Pharaonenreiches, von dem es meist beherrscht wurde. Es waren die Goldvorkommen der nubischen Wüste, die das Land für den großen Nachbarn im Norden so interessant machten; vermutlich leitet sich sein Name vom altägyptischen nub = Gold ab.
Das Münchner Museum verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Denkmälern aus diesem Gebiet, aus allen Objektgruppen und von der Vorgeschichte bis in die christliche Zeit, die meisten Stücke stammen aus Grabungen, haben also einen gesicherten Kontext und sind letztendlich über Fundteilungen nach München gekommen.

Als Grundlage der Präsentation in diesem Raum dient ein chronologischer Ansatz, der im Neolithikum (ca. 5000 v. Chr.) beginnt und alle Kulturen Nubiens und des antiken Sudan bis hinein in die christliche Zeit (ca. 800 n.Chr.) anhand von Originalobjekten vorstellt. Dies geschieht zunächst auf der Basis von Tongefäßen, da die Keramik dieser Kulturen eine deutlich bessere Qualität als die ägyptische Ware aufweist und jeweils sehr charakteristisch ist. Dies wird dann fallweise ergänzt durch Kleinplastik und Kleinkunst, Statuen und Reliefs aus andern Materialien. Die Vorstellung der antiken Kulturen Nubiens und des Sudan wird unterbrochen und ergänzt durch einige andere Themen wie etwa „Das Bild des Nubiers in Ägypten“ oder die Anwesenheit der Ägypter in diesen Gebieten, archäologisch dokumentiert durch entsprechende Funde. Mit der „Kunst der Nok“ wird auch das afrikanische Element in den nubischen Kulturen gewürdigt.
Da die Gebiete südlich des Ersten Kataraktes noch stärker als Ägypten von der Wüste geprägt sind, wurde als gestalterisches Element Sand gewählt, die Tongefäße stehen oder liegen also im (entsprechend dem Original eingefärbten) Sand, was dem Raum eine sehr besondere Atmosphäre verleiht.
Die sehr guten eigenen Bestände werden ergänzt um einige Dauerleihgaben des sudanesischen Altertümerverwaltung. Bei diesen Objekten handelt es sich um Funde aus der meroitischen Stadt Naga, wo das Museum seit 2013 mit einem eigenen Grabungsprojekt aktiv ist.

Blick in den Raum "Nubien und Sudan"© SMÄK, Marianne Franke

Blick in den Raum "Alter Orient"© SMÄK, Marianne Franke

Raum „Alter Orient“

Die Reliefs stammen aus dem Nordwestpalast von Assurnasirpal II. in Nimrud, der Hauptstadt des assyrischen Reiches im 9. Jahrhundert v. Chr. am mittleren Tigris (heute Irak). Sie zeigen geflügelte Genien, die als mächtige Schutzgeister den König und sein Haus beschirmen sollten. Der Keilschrifttext, der sich über die ursprünglich farbig gefassten Reliefs hinwegzieht, ist eine Standardinschrift, die in immer gleichen Formulierungen einen Lobpreis auf den König und seine Besitzungen und Eroberungen enthält sowie über den Wiederaufbau der Stadt und des Palastes berichtet. Die Reliefplatten bildeten die Wandverkleidung der aus Lehmziegeln errichteten Räume und Gänge auf dem Weg in den Thronsaal.

1863 hatte der bayerische König Ludwig I. die Reliefs als seine letzte große Erwerbung über seinen Hofarchitekten Leo von Klenze angekauft, der mit dem Ausgräber von Nimrud, dem Engländer Austen Henry Layard, befreundet war. Im selben Jahr ließ Leo von Klenze – als sein letztes Bauwerk – im Innenhof der Münchner Glyptothek einen Anbau errichten, der die Reliefs im Kontext einer farbigen Rekonstruktion weiterer Reliefs und Kolossalfiguren geflügelter Stiere präsentierte. Dieser Anbau wurde nach dem 2. Weltkrieg abgerissen, und die Reliefs wurden dem Ägyptischen Museum überstellt, sozusagen als engster Nachbar, da München nicht über ein eigenes vorderasiatisches Museum verfügt.

Sonderausstellungsraum

Der Dauerausstellung schließt sich ein Raum von 400 qm Größe an, der auch über ein eigenes Treppenhaus erschlossen werden kann. Je nach Nutzung kann er an das Museum angeschlossen werden – wenn etwa für eine Ausstellung kein extra Eintritt erhoben wird – oder von der Dauerausstellung und dem übrigen Museum getrennt für separate Ausstellungen oder Veranstaltungen genutzt werden. Darüber hinaus sind die Zugänge so angeordnet, dass der Raum gegebenenfalls durch Einbauten in zwei unabhängig zu nutzende Räume getrennt werden kann.

Neben Ausstellungen – auch zeitgenössischer Kunst – finden hier auch zahlreiche Veranstaltungen statt, sowohl hauseigene wie auch Fremdveranstaltungen: Musik, Performance, Tanz, Eröffnungen und Empfänge, Preisverleihungen und gesetzte Essen, da der Raum auch vermietet wird – die staatlichen Museen sind durchaus gehalten, durch Vermietung von Räumlichkeiten auch Einnahmen zu erzielen. Die Liste der Interessenten ist lang – gleiches gilt auch für Auditorium und Foyer -, die Entscheidung über eine Raumanfrage liegt glücklicherweise beim Museum selbst.

Blick in den Sonderausstellungsraum© SMÄK, Marianne Franke