Museumskonzept

Museumsarchitektur

Nach dem Durchschreiten der Eingangstür – und dem gleichzeitigen Durchqueren der Portalwand in ihrer Tiefe – betritt der Besucher durch einen Windfang den Eingangsbereich. Dieser, verhältnismäßig niedrig und dunkel gehalten, spielt wieder mit der Erwartungshaltung der Besucher: Hinuntergestiegen zu einem verhältnismäßig kleinen Eingang in ein ägyptisches Museum, erwartet er entsprechend der allgemeinen Einschätzung der altägyptischen Kultur auch die „ägyptische Finsternis“ in einer Gleichsetzung von Abstieg zum Museum = Abstieg ins Grab. Diese Erwartungshaltung wird zunächst vordergründig erfüllt.

Direkt nach dem Windfang stößt der Besucher auf die Kassentheke, die er praktisch nicht verfehlen kann. Bereits bei der Planung des Museums wurde durch entsprechende Vorgaben an den Architekten strikt auf eine klare und einfache Trennung verschiedener Funktionalitäten geachtet, etwa zwischen öffentlichem und nichtöffentlichem Bereich – in jeder Ebene sind dafür nur zwei Türen erforderlich. Die Ebene -2 enthält im öffentlichen Bereich ausschließlich Ausstellungsräume, und auf der Ebene -1 findet der Besucher alle sonst notwendigen Funktionalitäten. Damit ist auch sichergestellt, dass er keine langen Wege hat und damit keine Zeit vergeudet wird – kein unwichtiger Aspekt, denn normalerweise ist eine bestimmte Zeitspanne für einen Museumsbesuch eingeplant, und jede Minute, die für den Weg von der Kasse zur Garderobe, eventuell zur Toilette und dann in die Ausstellung benötigt wird, geht von der eigentlichen Besuchszeit ab.

Der Kassentresen liegt im sogenannten Foyer 1, das außerdem die Zugänge zu den beiden Fahrstühlen sowie zur Dauer- und Sonderausstellung enthält. Foyer 1 wird von Foyer 2 durch eine eingestellte Wand getrennt, ein Architekturelement, das sich dann auf der Ausstellungsebene mehrfach wiederfinden wird und geradezu ein Charakteristikum der Böhmschen Architektur darstellt. Auf dieser ansonsten leeren Wand findet sich noch einmal der Name des Museums, daneben auf einem freistehenden Sockel das erste Original: ein Pyramidion, eine Miniaturpyramide mit Reliefdarstellungen und hieroglyphischen Inschriften. Also ein Objekt, das sofort mit „Altägypten“ in Verbindung gebracht wird, dazu der Museumsname: Der Besucher weiß, wo er ist, dass er angekommen ist. Dieser Ort wird gern für Gruppenaufnahmen oder auch Selfies genutzt – Werbung für das Museum in den sozialen Medien.

Dahinter liegt gleich links der sich an zwei Seiten mit raumhohen Fenstern zum Foyer 2 öffnende Shop, an dem jeder Besucher auf dem Weg zur Garderobe oder zu den am selben Gang liegenden Toiletten vorbeigehen muss. Gegenüber dem Laden liegt das Auditorium, der vielgenutzte Vortragssaal mit bis zu 170 Sitzplätzen. An der Rückseite des Foyers, das auch als Treffpunkt für Führungen dient, gehen die Türen zu den beiden Ateliers für die Museumspädagogik ab, hier finden die Werkstattangebote für die Schulklassen, die Ferienprogramme, Hieroglyphenkurse und andere museumspädagogische Angebote statt.

© SMÄK, Marianne Franke

Zwischen den beiden Türen, also an der Rückwand von Foyer 2, ist eine große Karte angebracht, die um 90 Grad nach rechts gedreht ist – der Norden liegt also rechts, um das Niltal vom Mittelmeer bis weit in den heutigen Sudan, bis zu dessen Hauptstadt Khartum zeigen zu können. Bewusst wurde auf eine photorealistische Darstellung verzichtet, der Verlauf des Nils und eine Reihe wichtiger archäologischer Stätten wurden zeichnerisch direkt auf die Wand aufgebracht. Vor dieser Landkarte beginnen die meisten Führungen für Schulklassen, die sich ebenfalls hier sammeln.

Nach dem Durchschreiten einer Tür in einer Glaswand, die aus konservatorischen Gründen das Foyer abschließt, betritt der Besucher den Bereich der Dauerausstellung, in die er über eine lange Rampe hinabgeht – hinunterschreitet zum Licht. Denn entgegen der bisherigen Erwartungshaltung erwartet ihn im ersten Ausstellungsraum keine ägyptische Finsternis, er taucht nicht ein in ein geheimnisvolles Dunkel, vielmehr öffnet sich eine hohe, tageslichtdurchflutete Halle, die ihre Helligkeit von einem langgestreckten Atrium erhält.

Das Atrium ist, wie in einem römischen Wohnhaus, nach oben hin offen und wird an den Längsseiten von Pfeilern gegen die beiden anliegenden Ausstellungsräume abgegrenzt. Diese weisen einen dreieckigen Querschnitt auf, zwischen ihnen sind jeweils raumhohe schmale Fenster eingesetzt. Diese bringen zum einen das Tageslicht in die beiden größten Räume der Dauerausstellung, die dem Thema „Altägyptische Kunst“ gewidmet sind und überwiegend Rundplastik zeigen.

© SMÄK, Marianne Franke

© SMÄK, Marianne Franke

Zum anderen ermöglichen sie aber auch, quer durch das Atrium, den Blick in den jeweils gegenüberliegenden Raum und tragen so zu einem Charakteristikum des Rundgangs bei: den Durchblicken in andere Räume und damit auch auf bestimmte Objekte, die ganz bewusst an entsprechenden Stellen platziert wurden. Ein Beispiel dafür ist in dem Bild rechts zu erkennen, wo von einer Schmalseite des Atriums der Obelisk in der Achse des Atriums an der anderen Schmalseite zu erkennen ist.

Das linke Bild lässt als Stirnwand des ersten Raumes, in der Flucht der hinabführenden Rampe, wieder eine der „eingestellten“ Blockwände erkennen, die rechts einen schmalen Durchgang zum dahinterliegenden Raum „Pharao“ freilässt und sich nach links in den anschließenden Raum mit dem Obelisken öffnet. Vergleichbare architektonische Situationen gibt es an vielen anderen Stellen im Museum, so dass es keinen einzigen Raum mit vier geschlossenen Wänden gibt. Dadurch wirkt die klare, fast strenge Architektur gerade in den großen Hallen an keiner Stelle einschüchternd oder gar bunkerhaft – eine Gefahr, die sich durch die unterirdische Lage und das Material Beton durchaus hätte ergeben können.

Stattdessen ergibt sich eine gewisse Leichtigkeit, die auch Spannung und Vorfreude erzeugt: Der Besucher hat immer wieder einen Blick auf Situationen und Objekte, die er in einer Art Vorschau sehen kann, denen er aber erst in einigen Minuten direkt gegenüberstehen wird. Dies motiviert zum Weitergehen und hält die Aufmerksamkeit hoch. Umgekehrt ermöglicht es auch den Rückblick auf bereits Gesehenes und gibt so immer wieder eine Art Resümee des bisherigen Rundgangs.

Die klaren, großzügigen Formen der Pfeiler und Blockwände erwecken durchaus Assoziationen zu altägyptischer Architektur, ohne jedoch auf kopierende ägyptisierende Elemente zurückzugreifen: Mit den Dreikantpfeilern wurde eine neue Form entwickelt, die es in der altägyptischen Architektur, überhaupt in der Antike, nicht gibt: Diese kennt als tragende Elemente entweder die Säule mit rundem oder den Pfeiler mit rechteckigem Querschnitt. In Ägypten ist die Säule (hier vor dem Isis-Tempel in Philae) meist eine Pflanzensäule, der Pfeiler (rechts oben: Festhalle Thutmosis‘ III. in Karnak) kann sowohl einen rechteckigen wie auch quadratischen Querschnitt aufweisen.
Dreikantpfeiler, Portalwand und Eingangssituation wirken also latent ägyptisch, ohne in den Fehler zu verfallen, altägyptische Architektur nachbauen zu wollen.

© SMÄK

© SMÄK, Marianne Franke

In der Abfolge der Räume, die der Besucher auf seinem Rundgang durch die Dauerausstellung durchschreitet, wurden bewusst unterschiedliche Beleuchtungsszenarien entworfen, die sich an den unterschiedlichen thematischen Inhalten orientieren, aber auch eine rasch ermüdend wirkende Gleichartigkeit, um nicht zu sagen Eintönigkeit vermeiden wollen.

So sind die großen Skulpturenhallten (links der Raum „Kunst und Zeit“) schon durch den Tageslichteinfall, aber auch generell in ihrer Ausleuchtung deutlich heller als etwa der Raum „Jenseitsglaube“ (rechts), der in der Raumhelligkeit zurückgenommen ist.

Was nicht nur thematisch bedingt, sondern auch durch die konservatorischen Anforderungen zahlreicher farbig gefasster Objekte aus Holz wie den dekorierten Särgen oder Mumienporträts vorgegeben ist.

Ein weiteres Element der Rhythmisierung in der Abfolge der Räume ist deren unterschiedliche Höhe und Größe in Bezug auf die Fläche. Je nach Thema wechseln sich große und kleine Räume ab; und den mehr als 6 Meter hohen Räumen im ersten Teil des Museums folgen niedriger werdende Räume im zweiten Teil der Dauerausstellung. Dies realisiert der Besucher eher unbewusst – weder stellen sich Vitrinen und freistehende Objekte gegen die Architektur, noch dominiert diese kleinteiligere Ensembles. Dieses Zusammenspiel von Architektur und Exponaten – zu dem dann die Vitrinen und ihre Ausstattung hinzukommen – ermöglicht eine stimmige, nahezu ideale Präsentation der Originale.

© SMÄK, Marianne Franke

Der Rundgang ist so konzipiert, dass an seinem Ende eine zweite Rampe wieder hinaufführt zur Eingangsebene, wobei an deren Ende eine offene Galerie dem Besucher noch einmal den Blick hinunter in die großen Hallen ermöglicht.

So kann er vor dem Verlassen der Dauerausstellung noch einmal – aus einem anderen Blickwinkel – die Begegnung mit Werken altägyptischer Kunst rekapitulieren, denen er ein oder zwei Stunden zuvor schon einmal in Augenhöhe begegnet war.

Zwei Beispiele für die bereits erwähnten „Durchblicke“: Die ägyptisierende Dreiergruppe (links) aus der Villa Adriana in Tivoli, entstanden um 130 n. Chr. in Rom, steht am Ende des Raumes „Kunst und Zeit“. Nähert man sich diesen Statuen, rückt der ebenfalls kaiserzeitlich Obelisk in das Blickfeld des Betrachters und leitet ihn automatisch weiter in den nächsten Raum.
Nach dem Verlassen des Raumes „Jenseitsglaube“ gelangt man in eine enge Passage zwischen zwei hohen, leer belassenen Betonwänden, die den Blick freigeben auf eines der qualitätvollsten Sargensembles des Museums aus der Dritten Zwischenzeit (rechts, um 1000 v. Chr.). Es ist ein Rückblick auf eine Gruppe, die man bereits einige Zeit zuvor gesehen hat – der Rundgang führt weiter nach rechts in den Raum „Religion“.

© SMÄK, Marianne Franke

© SMÄK, Marianne Franke

In vielen Räumen steht ein hochkarätiges Exponat programmatisch für das jeweilige Thema in der Mitte. Im Raum „Jenseitsglaube“ (links) ist dies die großformatige vergoldete Maske vom Sarg der Königin Sat-Djehutj und im Raum „Nach den Pharaonen“ (rechts) übernimmt die Göttin Isis mit dem Horusknaben diese Funktion: Dieser Statuentyp diente als ikonographische Vorlage für die frühchristliche Mutter Gottes mit dem Jesus-Knaben.

Materialien

Das Gebäude des Museums ist aus Beton errichtet. Dafür hat der Architekt Peter Böhm bewusst verschiedene Qualitäten, Materialien und Techniken eingesetzt. Die Portalwand zeigt außen eine gröbere Struktur als die Wände im Ausstellungsbereich; auch die Farbe ist unterschiedlich, was durch entsprechende Zuschlagstoffe erreicht wurde. So weist die Portalwand in ihrer hellbraunen Grundstruktur eine unregelmäßig verlaufende rötliche Streifung auf, was durch die Zugabe von Porphyr erzielt wurde. Der Architekt wollte damit auf eine entsprechende Farbgebung ägyptischer Felsformationen anspielen.

© SMÄK, Marianne Franke

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Für die Wände im Inneren wurde auf die allerbeste Qualität der Betonoberfläche verzichtet: Sie sollen einen etwas robusteren und unempfindlichen Hintergrund bilden. Die anfangs im noch leeren Haus von Besuchern geäußerte Befürchtung, die „nackten“ Betonwände würden doch einen Bunkercharakter erzeugen und seien unschön, hat sich wie erwartet als unbegründet erwiesen: Die hinsichtlich Materialität und Farbgebung sehr heterogenen Ausstellungsstücke können sich überall wunderbar entwickeln, und die Betonwände leisten das, was von ihnen erwartet wird – sie bilden einen unaufdringlichen und neutralen Hintergrund.

Als Bodenbelag wurde ein einheimischer Muschelkalk aus einem Steinbruch bei Regensburg ausgewählt, dessen Farbgebung nach Fertigstellung der Wände sorgfältig bemustert wurde. Die drei Materialien der Architektur – Beton, Glas, Metall – wurden vom Innenarchitekten und Ausstellungsgestalter Christian Raißle mit seinem Münchner Büro Die Werft auch für die Inneneinrichtung eingesetzt – und zwar ausschließlich, wenn auch in einer jeweils höheren Qualitätsstufe: Je näher man den Originalen kommt, desto höherwertig werden die verwendeten Materialien.

© SMÄK, Marianne Franke

Außerdem bestehen die Krempen der freistehenden Sockel und deren Abdeckplatten sowie die Bodenplatten der freistehenden Vitrinen aus Stahlblech, ebenso sämtliche Montagen der Objekte, die für ihre Präsentation im neuen Haus komplett neu und einheitlich gesockelt wurden.

Beim Metall handelt es sich um schwarzes Stahlblech. Große Platten dienen als Hintergrund für die Präsentation der Reliefs, die größtenteils aus hellem Kalkstein sind und so optimal zur Geltung kommen. Gleichzeitig erfüllen sie eine konservatorische Funktion: Da auch die Spezialisten nicht mit Sicherheit sagen können, wie lange Betonwände noch Feuchtigkeit abgeben, bilden die Stahlplatten eine Art Klimapuffer – direkter Kontakt mit Feuchtigkeit würde die Reliefs langfristig schädigen.

Das Material Beton wird für sämtliche großen Sockel verwendet, in einer deutlich höheren Qualität als bei den Wänden. Da die Beschriftungsschilder für einzeln stehende Objekte direkt in den jeweiligen Sockel eingelassen sind, bündig mit der Oberfläche, war eine Genauigkeit bei ihrer Herstellung von ˂ 1 mm gefordert, was von der ausführenden Firma passgenau geliefert wurde.

Das große Bild zeigt die Zwischenlagerung der rund 320 Betonsockel verschiedenster Formate, die so frühzeitig beauftragt worden waren, dass Zeit genug war, sie mehrere Monate lang gründlich austrocknen zu lassen.

© SMÄK, Marianne Franke

Vitrinen

Neben den freistehenden Objekten gibt es zwei Typen von Vitrinen: die freistehende Vitrine und die wandgebundene Vitrine. Die Entscheidung, ob ein Objekt frei präsentiert wird oder nicht, wurde allein im Hinblick auf konservatorische und/oder sicherheitsrelevante Erfordernisse getroffen. Die freistehenden Vitrinen haben in den hohen Räumen eine einheitliche Höhe von 3 Metern, orientieren sich also an einer einheitlichen Linie, nicht an der Größe des jeweiligen Exponats. Dadurch entsteht eine ruhige Linie, und eine unruhige Kleinteiligkeit wird vermieden. Mit diesem Vitrinentyp wird ein Raum im Raum geschaffen: Das Glas reicht hinunter bis zu einer Bodenplatte aus Stahlblech, dadurch bleibt viel Luft um die Stücke, sie wirken nicht eingesperrt – Innensockel. und Objekt haben viel Luft um sich herum. Den oberen Abschluss bildet eine Glasplatte, beleuchtet werden die Stücke alle über Deckenstrahler. Dies ermöglicht eine optimale Beleuchtung, zumal bereits in der Planungsphase für das Gebäude darauf geachtet wurde, dass genügend Lichtschienen in den richtigen Abständen eingebaut wurden.

In der Planungsphase wurden die Wände auf Wunsch des Architekten immer massiver, worauf die Ausstellungsplaner mit dem Entwurf wandgebundener Vitrinen reagierten – dies erzeugt zusätzliche Verkehrsfläche für die Besucher, brachte aber die Herausforderung mit sich, dass die Planungen für die Inneneinrichtung einschließlich Objektauswahl bereits vor Baubeginn der aufgehenden Wände abgeschlossen sein mussten, da ja die Öffnungen für die Vitrinen im Beton mitgegossen werden mussten – durchaus eine Herausforderung für die Betonbauer.
Die Vitrinen sind im Inneren sowohl aus gestalterischen als auch aus konservatorischen Gründen mit Stahlblech ausgekleidet, das überwiegend den Hinter- bzw. Montageuntergrund für die Objekte bildet, in einigen Fällen aber auch mit Platten aus Sandstein (im Raum „Nubien und Sudan“) oder Kalkstein („Schrift und Text“) verkleidet wurde. Für die Beleuchtung sorgen an der Vitrinendecke mehrere Reihen kleiner Strahler, die individuell ausgerichtet werden können, aber so nach vorne hin abgedeckt sind, dass der Besucher nicht geblendet wird und gar nicht sehen kann, wo die Lichtquelle sitzt.

© SMÄK, Marianne Franke

Alle Vitrinen, auch die freistehenden, verfügen über ein internes System zur Klimatisierung, können also bei Bedarf individuell konditioniert werden.

Ausstellungsgestaltung

Die wichtigste Vorgabe für den Ausstellungsgestalter lautete: „Im Fokus steht immer das Objekt“. Damit war klar, dass Fotos, Rekonstruktionen und Pläne, ausufernde Beschriftungen, Modelle u.ä. in der Ausstellung keinen Platz finden würden – die Konzentration auf das Original und dessen Zugänglichkeit haben Vorrang.

Die Erschließung der Objekte und Hintergrundinformationen zu den Stücken sind weitgehend nicht Thema der Ausstellung, sie erfolgen auf anderem Wege. Von der Möglichkeit großflächiger Bilder in der Ausstellungsgestaltung wurde daher nur sparsam Gebrauch gemacht – weniger im Sinne der Übermittlung von Informationen als vielmehr zur Erzeugung einer bestimmten Atmosphäre.

Das erste Beispiel hierfür findet sich im Raum „Ägypten in Rom“, dem kleinsten Ausstellungsraum,  der ursprünglich gar nicht als solcher gedacht war, sondern lediglich als Zugang für eine Notausgangstreppe erforderlich war. Da er sich aber im Rundgang der Dauerausstellung befindet und sich ein bestimmtes Thema genau an dieser Stelle anbot, wurde er zu einem Ausstellungsraum umgewidmet und entsprechend ausgestattet. Dazu zählt ein großes Bild, das eine ganze Wand raumhoch bedeckt – die Vergrößerung eines Stichs von Piranesi mit der Wiedergabe des Isis-Heiligtums in Pompeji, aus dem das Hauptstück dieses Raumes, ein silbernes Kultgefäß mit Darstellungen des Isis-Kultes, stammt. Die verwendete Technik – Siebdruck direkt auf Beton – und die Farben – zurückgenommene Grautöne – verhindern, dass sich das Bild störend gegenüber den Originalen vordrängen kann, man bemerkt es erst auf den zweiten oder dritten Blick, dann wird es in doppelter Bedeutung zum Hintergrund für die hier gezeigten Originale.

© SMÄK, Marianne Franke

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Da es eine interne Vorgabe war, nach Möglichkeit keine Einzellösungen in Gestaltungsfragen zu schaffen, sollte die hier gewählte Technik noch ein zweites Mal an anderer Stelle im Museum realisiert werden – und dieser zweite Ort drängte sich geradezu auf: Eine freie Wand im Raum „Nubien und Sudan“ hinter der von allen Seiten zugänglichen Vitrine mit dem Goldschmuck der meroitischen Königin Amanishakheto. Hier wurde, ebenfalls als Siebdruck, eine Ansicht der Pyramide dieser Königin in Meroe aufgebracht, der aus einer frühen Publikation (Anfang 19. Jhdt.) stammt. Er zeigt diese Pyramide noch unversehrt, die wenig später auf der Suche nach dem Goldschatz weitgehend abgetragen wurde. Auch hier ist das Bild unaufdringlicher Hintergrund, schafft Atmosphäre und trägt dennoch zur Kontextualisierung des Fundkomplexes bei.