Museumskonzept

Das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst München liegt mitten im Kunstareal in enger Nachbarschaft zur parallel erbauten „Hochschule für Fernsehen und Film“, einem fünfstöckigen Gebäudeblock mit massiver Betonoptik in der unteren Hälfte. Vom komplett unterirdisch liegenden Museum kündet nach außen hin lediglich eine 17 Meter hohe Portalwand, die den Eingang markiert. Fahnen und Leuchtkasten mit wechselnden Motiven sowie der Museumsname auf der hohen Wand geben dem Passanten den Hinweis, was es hier zu erkunden gibt.

Außenansicht Museum© SMÄK, Marianne Franke

Sammlungsgeschichte

Bereits als Kronprinz legt Ludwig den eigentlichen Grundstock für eine ägyptische Sammlung, sein erster Ankauf war 1815 der „Barberinische Osiris“, eine lebensgroße Statue des Gottes Horus mit Menschenleib und Falkenkopf. Dabei kauft er ausschließlich in Europa, etwa eine Gruppe monumentaler ägyptisierender Skulpturen, ursprünglich aus der Villa Adriana, die in die Sammlung des Kardinals Albani gelangt und von Napoleon geraubt und nach Paris verschleppt worden waren. In seinem Briefwechsel mit Maximilian Johann Georg von Dillis (insgesamt über 600 Briefe) finden sich zahlreiche Hinweise auf die Umstände zahlreicher Erwerbungen und ihren Transport nach München. Beraten wird Ludwig I. zum Beispiel von Martin von Wagner und Leo von Klenze.

Dabei konzentriert er sich auf den Erwerb von Einzelstücken, den Ankauf kompletter Sammlungen lehnt er ab, etwa die Sammlung monumentaler Skulpturen des französischen Konsuls Bernardino Drovetti, die dieser in Ägypten zusammengetragen hat – und die heute den Grundstock des Museo Egizio in Turin bilden. Er akzeptiert zwar das Geschenk des Neffen Drovettis, einen über acht Meter langen Totenbuchpapyrus (heute als Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsbibliothek im Museum), erwirbt aus der Sammlung selbst aber lediglich die kolossale Würfelstatue des Bekenchons – getreu seines Mottos „Werke ausgezeichneter Schönheit will ich erwerben – und zwar zu einem angemessenen Preis“..

In seinem inhaltlichen Konzept geht Ludwig I. andere Wege als etwa zeitgleich Wilhelm von Humboldt in Berlin und stellt einen „Ägyptischen Saal“ an den Beginn des Rundgangs griechischer und römischer Kunstwerke in seiner Glyptothek. Diese war 1830 eröffnet worden, errichtet nach Entwürfen von Leo von Klenze. Ein Alternativentwurf von Haller von Hallerstein, der die Glyptothek als ägyptisierenden Bau nach dem Vorbild des Tempels von Dendera hatte bauen wollen, war nicht zum Zuge gekommen.
Nach dem 2. Weltkrieg – die Objekte waren an verschiedenen Stellen ausgelagert worden – kehrten die Aegyptiaca nicht mehr in die Glyptothek zurück, die aus den Ruinen wiederaufgebaut worden war.

Den zweiten Grundpfeiler in der Sammlungsgeschichte des Ägyptischen Museums München bilden die Erwerbungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, angeregt durch deren Sekretär Friedrich von Schlichtegroll (1765-1822). Er hatte in einer Rede am 28. März 1818 zur Entzifferung der Hieroglyphen „…meine teutschen gelehrten Landsleute, die sich mit der Erforschung des Alterthums beschäftigen, zum Wettkampf in die Schranken (ge)rufen…“.

Zu diesem Zwecke ließ er den Stein von Rosette, 1798 während des Ägyptenfeldzugs von Bonaparte von einem seiner Soldaten gefunden und in der Zwischenzeit nach London ins British Museum verbracht, in Lithographien verbreiten – 1798 war von Alois Senefelder die Kunst des Steindrucks in München erfunden worden.
Auch wenn es dann der Franzose Jean-François Champollion war, der die Hieroglyphen entzifferte, bildete doch diese Initiative Schlichtegrolls den Beginn einer systematischen Sammeltätigkeit der Akademie, die sich auf beschriftete Denkmäler – Särge und Stelen – konzentrierte. Bereits im selben Jahr – 1818 – taucht im Jahresbericht der Akademie die Schenkung des Sarges eines Werbikscheta sowie einer (nicht zugehörigen) Mumie auf, die der Kemptener Bürger und dänische Konsul in Alexandria, Daniel Dumreicher (1791-1848), dem bayerischen Königs Max I. Joseph anlässlich einer Audienz als Geschenk überreicht hatte. Dieser gab den Sarg an die Akademie weiter – und Schlichtegroll knüpfte daran die im Jahresbericht formulierte Hoffnung, „… durch günstige Erwerbungen nach und nach eine Sammlung von solchen Särgen mit ebenso reichen Malereien bei der Akademie aufbauen zu können.“

Bereits zwei Jahre später konnte die Akademie den nächsten großen Ankauf vermelden, die Sammlung des Arztes und Naturforschers Franz Wilhelm Sieber (1789-1844), der seine Sammlung dem bayerischen König angeboten hatte. Sie enthielt Särge, darunter das Ensemble der Herit-Ubechet, Mumien und eine ganze Reihe kleinerer Objekte. 1827 wurde dann die Sammlung des Münchner Hauptmanns Ferdinand Michel (1796-1865) erworben, zwei großformatige Statuen und 17 Stelen des Mittleren und Neuen Reiches. Allerdings mussten nur wenig später die drei wichtigsten und größten Stücke aus der Akademie auf Geheiß Ludwigs in die Glyptothek überführt werden, die kurz vor ihrer Vollendung stand, ohne dass allerdings die Eigentumsrechte der Akademie berührt wurden.

Einen großen Teil der Sammlung verdankt das Museum dem Ägyptologen Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing (1873-1956), der von 1898-1901 gemeinsam mit Ludwig Borchardt das Sonnenheiligtum des Niuserre in Abu Gurob, zwischen Giza und Sakkara gelegen, ausgrub. Über die Fundteilung mit der ägyptischen Altertümerverwaltung kam ein Teil der Reliefs nach München, wo von Bissing 1901 habilitiert und 1906 zum Ordinarius für Ägyptologie ernannt wurde. Die Unterrichtsveranstaltungen fanden in seinem Palais in der Georgenstraße statt, wo auch seine Sammlung, die größte Privatsammlung an Aegyptiaca in Deutschland, aufgestellt war.

Dank seines Vermögens hatte Bissing nicht nur seine eigene Grabung im Sonnenheiligtum des Niuserre in Abu Gurob finanziert, sondern auch zahlreiche andere Grabungen, etwa der Deutschen Orients-Gesellschaft oder der Egypt Exploration Society, finanziell unterstützt. Wie damals üblich, wurden nach der Fundteilung die Objekte vom Ausgräber an die verschiedenen Geldgeber je nach deren Anteil weitergegeben. Dadurch erhielt von Bissing hunderte von Stücken aus sicherem Grabungskontext, die er dann seiner eigenen Sammlung einverleibte, verkaufte oder auch an verschiedene Museen verschenkte, so auch nach München. Darunter waren zahlreiche Gefäße etwa aus Grabungen von Flinders Petrie (links) oder aus der Grabung von John Garstang in Meroe wie etwa die einmalige meroitische Venus (rechts). Darüber hinaus erwarb von Bissing zahlreiche Objekte, die er dann weiterverkaufte oder verschenkte, auch auf diesem Wege gelangten viele Stücke in die Sammlung des Museums.

Die erste öffentliche Präsentation Münchner Aegyptiaca nach dem 2. Weltkrieg fand 1951 im Gartensaal des Prinz-Carl-Palais statt, organisiert von Hans Wolfgang Müller (1907-1991), der als Leiter des Studentenbautrupps die ausgelagerten Bestände nach München zurückholte und ab 1947 als Privatdozent für Ägyptologie lehrte. Mit seiner Berufung zum Ordinarius des Instituts für Ägyptologie 1958 wurde er auch ehrenamtlicher Direktor der Ägyptischen Sammlung, deren Bestände er katalogisieren, restaurieren und fotografieren ließ und mit den Aegyptiaca aus der Glyptothek vereinigte. Unermüdlich setzte er sich für eine dauerhafte Präsentation der Objekte an einem angemessenen Ort ein; die erste von einem Katalog begleitete Ausstellung fand 1966 in der Meiserstraße 10, dem ehemaligen „Central Collecting Point“ der Amerikaner statt. Dort war (und ist) auch das Institut für Ägyptologie untergebracht, ebenso Verwaltung und Magazin des Museums, die dort bis zum Umzug in den Neubau 2011 verblieben.

Ausstellung in der Münchner Residenz

Ihr erstes dauerhaftes Domizil bezogen die altägyptischen Objekte dann 1970 im Hofgartentrakt der Münchner Residenz unter der Adresse „Residenzstraße 1“; sie wurden damit an derselben Stelle präsentiert, wo sie unmittelbar vor dem 2. Weltkrieg schon einmal untergebracht gewesen waren. Der Name des Museums lautete nun „Staatliche Sammlung Ägyptischer Kunst“. Der Obelisk fand seine Aufstellung direkt vor dem Museumseingang und war damit erstmals dem Münchner Außenklima ausgesetzt.
Die nach den Kriegsschäden wieder hergestellten Räume waren mit ihren Renaissance-Portalen zwar repräsentativ, aber für eine museale Präsentation denkbar ungeeignet: So erlaubten die restaurierten Stuckdecken keine Anbringung von Raumbeleuchtung, und die Räume selbst eigneten sich ebenfalls nur bedingt für Ausstellungszwecke – etwa ein Drittel der Fläche von 600 qm wurde von zwei langen Gängen eingenommen, in denen die Objekte mehr wie in einem Schaumagazin abgestellt denn adäquat präsentiert waren.

1970 war mit dem westlichen Trakt der erste Teil der neuen Ausstellung eröffnet worden, der strikt chronologisch aufgebaut war und die Objekte aus der Vorgeschichte, dem Alten, Mittleren und Neuen Reich zeigte. Zwei Jahre später konnte der östliche Teil für das Publikum geöffnet werden, der die Rundplastik von der Spätzeit bis zur Römerzeit präsentierte – in dem schon erwähnten langen, schmalen Gang. Diesem schlossen sich am Ende links und rechts zwei kleine Räume an, die einerseits die Fortsetzung des chronologischen Rundgangs mit den Objekten der koptischen (spätantik-frühchristlichen) Zeit zeigten, andererseits dichtgedrängt die nubischen Kulturen von der Vorgeschichte bis in die christliche Epoche, also über einen Zeitraum von fünf Jahrtausenden.

In einem Seitenraum wurde die Kleinkunst – Rundplastik, Bronzen, Stein- und Glasgefäße, Fayencen – gezeigt, ein winziger Annex wurde für das Thema „Totenkult“ verwendet.
Beide Teile des Museums waren durch einen großen Eingangssaal, den sogenannten Vierschäftesaal, voneinander getrennt, in dem zwar die großflächigen assyrischen Reliefs ausgestellt waren, der aber eigentlich gar nicht zum Museum gehörte, nachdem Anfang der 80er Jahre der über den Museumsräumen liegende Kaisersaal nach langer Restaurierung wieder für Veranstaltungen der bayerischen Staatsregierung genutzt und häufig an Externe vermietet wurde.

So gab es zwar zum ersten Mal überhaupt einen gemeinsamen Ausstellungsort für die Münchner Aegyptiaca, doch erfüllte dieser von Anfang an nicht die Anforderungen einer professionellen musealen Präsentation, auch fehlte jede Art von Klimatisierung. Erst Mitte der 80er Jahre konnten durch den Einbau von Lichtschienen an der Decke die zahlreichen freistehenden Skulpturen wenigstens einigermaßen beleuchtet werden, 15 Jahre später wurden dann allmählich die nackten weißen Wände nach und nach verkleidet. An eine professionelle Museumstechnik war jedoch in der Residenz nicht zu denken, die Vitrinen Marke Eigenbau hatten eigentlich schon bei der Eröffnung nicht dem Stand der Technik entsprochen.

Hinderlich war auch die Trennung der Ausstellung von der sonstigen Infrastruktur eines Museums: Verwaltung und Direktion, Magazin und Restaurierungswerkstatt waren im „Haus der Kulturinstitute“ (Meiserstraße 10, heute Katharina-von Bora-Straße 10) in rund drei Kilometer Entfernung untergebracht. Außerdem fehlten in der Residenz Räume für die Museumspädagogik und ein Vortragssaal, entsprechende Veranstaltungen mussten mitten unter den Objekten stattfinden. Mangels Platz gab es weder einen Museumsshop noch eine Garderobe – alles Serviceangebote, die eigentlich schon in den 80er Jahren selbstverständlich waren.

Das größte Manko war und blieb jedoch die Problematik, dass sich die Objekte den vorhandenen Bedingungen unterzuordnen hatten. Wobei man zur Erklärung anführen kann, dass diese Präsentation nicht für einen längeren Zeitraum geplant, sondern als vorübergehendes Provisorium gedacht war – ab der Mitte der 70er Jahre gab es Überlegungen für einen Neubau bzw. für eine andere Unterbringung des Museums. 1989 schien dann mit einem städtebaulichen Wettbewerb für einen Standort am Königsplatz deren Realisierung in greifbare Nähe gerückt, doch mangels wirklich überzeugender Entwürfe und letztendlich des politischen Willens verlief diese Initiative im Sande.

So wurde in der Residenz die Ausstellung weiter verdichtet, um zahlreiche hochkarätige Neuerwerbungen wenigstens zeigen zu können. Parallel wurden kleine thematische Ausstellungen an vielen Orten in ganz Bayern gezeigt, im Internationalen Keramikmuseum in Weiden über viele Jahre hinweg Ausstellungen zu ägyptischer und nubischer Keramik präsentiert und in Seefeld (Kreis Starnberg) von 2000-2009 ein eigenes Zweigmuseum mit jährlich wechselnden Ausstellungen betrieben. Diese überaus vielfältige und lebhafte Ausstellungsaktivitäten in ganz Bayern haben sicherlich den Beschluss des Landtags, für das Ägyptische Museum einen eigenen Neubau zu errichten, positiv beeinflusst.