Panorama

Museum Ägyptischer Kunst München Ausstellungen Ausstellung (Archiv)

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Reise in die Unterwelt

Altägyptische Jenseitsvorstellungen

16. Januar 2013 bis 09. Juni 2013
Ägyptisches Museum in der Residenz,
80539 München, Hofgartenstraße 1
Die Malereien und Reliefs der Gräber gehören zu den faszinierendsten Denkmälern Altägyptens, die zusammen mit den Grabbeigaben die längst vergangene Hochkultur im Niltal wieder lebendig werden lassen. So steht die Rekonstruktion der Grabkammer des „Königsschreibers und Domänenvorstehers Rai“ im Mittelpunkt der neuen Ausstellung. Sie zeigt nicht nur die Dekoration eines Felsgrabes in Theben-West aus der Zeit der späten 18. Dynastie und veranschaulicht damit die Jenseitsvorstellungen dieser Epoche um 1300 v. Chr., sondern ist gleichzeitig auch die Ausstellungsarchitektur zur Präsentation originaler Grabbeigaben wie Statue und Totenbuchpapyrus, Uschebtis und Amuletten sowie Gegenständen des täglichen Lebens.
 
Das Grab des Rai (Nr. 255) liegt in Dra Abu el-Naga, dem nördlichen Teil der thebanischen Nekropole. Sein Besitzer Rai gehörte zur mittleren Beamtenschaft und führte neben dem Titel eines königlichen Schreibers den eines Domänenverwalters für die Besitzungen des Gottes Amun und des Königs Haremhab, zu dessen Regierungszeit um 1300 v. Chr. er lebte (Neues Reich, späte 18. Dynastie). Seine Gemahlin Nebet-taui trägt den Titel einer „Hausherrin" und hatte als „Sängerin des Amun" auch ein Amt als Priesterin.
 
Das Grab besteht, wie für kleinere Beamtengräber jener Zeit üblich, aus einem einzigen Raum, dessen Wände rundherum mit Malereien versehen waren. Sie zeigen den von Rindern gezogenen Sargschlitten im Bestattungszug mit Angehörigen, Freunden und Klagefrauen, der hin führt zum Grab, vor dem die trauernde Witwe Abschied nimmt vor der aufgestellten Mumie ihres Gemahls. Dem gegenüber ist das Jenseitsgericht dargestellt, in dem sich der Verstorbene vor dem Jenseitsherrscher Osiris für sein Leben verantworten muß. Weitere Szenen zeigen den Grabherrn in Begleitung seiner Frau bei der Verehrung verschiedener Götter. Schließlich ist das Ehepaar selbst bei der Entgegennahme von Opfergaben für seine jenseitige Versorgung gezeigt. Diese Kultkammer war für zu ebener Erde begehbar und konnte von den Angehörigen besucht werden; die eigentliche Grabkammer mit den Särgen lag eine Etage tiefer und war nicht zugänglich.
 
Die Rekonstruktion der Grabkammer und die Präsentation der Beigaben werden ergänzt durch ein 14 Meter langes Fotopanorama, das die königlichen Totentempel in Theben-West zeigt sowie in die abgeschiedene Welt des „Tals der Könige" führt. Eine Dokumentation schildert das Schicksal der Pharaonengräber von der Antike bis zu aktuellen Grabungen.
 
In umliegenden Vitrinen und im anschließenden Raum veranschaulichen weitere Grabbeigaben die altägyptischen Jenseitsvorstellungen von der Vorgeschichte über einen Zeitraum von mehr als dreitausend Jahren bis in die griechisch-römische Zeit hinein: Stein- und Tongefäße der Vor- und Frühzeit, Scheintüren des Alten Reiches, Stelen des Mittleren und Neuen Reiches, Särge der Dritten Zwischenzeit und der Spätzeit sowie Objekte der Kleinkunst und Götterstatuen aus allen Epochen.
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