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Museum Ägyptischer Kunst München Ausstellungen Ausstellung (Archiv)

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Isisblut & Steinbockhorn

Amulett und Talisman in Altägypten und im Alpenraum

22. Juli 2010 bis 13. März 2011
Ägyptisches Museum in der Residenz,
80539 München, Hofgartenstraße 1

Der Wunsch des Menschen, mithilfe magischer Praktiken in den Lauf der Welt einzugreifen und das persönliche Schicksal nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu steuern, ist ein kultur- und zeitübergreifendes Phänomen. Liebeszauber und Beschwörung der Fruchtbarkeit, Schutz bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, Bannung von Krankheit und Vermeidung von Verletzungen: Situationen aus dem Alltagsleben, die unter Zuhilfenahme bestimmter Gegenstände und Texte bewältigt werden sollen.

Rituale und magische Praktiken verkörpern im alten Ägypten die gleichwertige Ausübung der Religion. Im offiziellen Bereich ist es der König, der als Hoherpriester durch den Vollzug der Rituale den Kontakt zu den Göttern pflegt und den Zustand der Maat, der Weltordnung und Gerechtigkeit, garantiert. Im privaten Bereich versucht jeder Einzelne, den Schutz bestimmter Götter mithilfe von Amuletten und bestimmten Gegenständen zu erreichen. Das richtige Rezitieren festgelegter Texte spielt in beiden Bereichen eine wichtige Rolle.

Doch ist die Ausübung magischer Praktiken nicht ausschließlich auf den privaten Bereich beschränkt, sondern findet auch zum Schutz und zur Absicherung des ägyptischen Staates statt. Das Motiv des „Erschlagens der Feinde" zeigt den König bei der Vernichtung ausländischer Gegner; in monumentaler Version ziert es die Tore ägyptischer Tempel und hält magisch das Böse ab, auf Stelen schützt es die Grenzen Ägyptens. In feindvernichtenden Ritualen werden kleine Tonfigürchen zerbrochen, die mit den Namen ausländischer Fürsten oder Städte beschriftet sind.

Grundsätzlich konnte jeder Gott den Menschen beschützen, einige Götter nehmen jedoch eine besondere Rolle ein: Der zwergengestaltige Bes wacht ebenso wie die Nilpferdgöttin Thoeris über Schwangerschaft und Geburt; Isis mit ihrem Sohn Harpokrates und die kindlichen Patäken, gleichfalls in Zwergengestalt, beschützen kleine Kinder. Die löwenköpfige Sachmet kann Krankheiten bringen, aber auch vertreiben; die kuhohrige Hathor und der ithyphallische Min werden angesprochen mit dem Wunsch nach Fruchtbarkeit und Zeugungskraft. Imhotep, eine historische Persönlichkeit der Pyramidenzeit, wird zwei Jahrtausende später als Heilgott verehrt. Eine besonders wichtige Heilgöttin ist die skorpiongestaltige Selket, deren Priester gleichzeitig die Funktion eines mächtigen Magiers innehaben.

Amulette zeigen nicht nur die Gestalt altägyptischer Götter in ihren verschiedenen Erscheinungsformen – als Mensch, als Tier und als Mischwesen -, sondern auch von Körperteilen, Kultgeräten und bestimmten Gerätschaften. Einzelne Schriftzeichen und vor allem der Skarabäus dienen als Talisman, als Glücksbringer. Diese Vorstellungen hatten nicht nur im täglichen Leben Gültigkeit, sondern wurden auch auf das Jenseits übertragen; einzelne Sprüche des ägyptischen Totenbuches liefern die notwendigen Texte, die der Verstorbene kennen und rezitieren sollten.

Den altägyptischen Vorstellungen werden die entsprechenden Gegenstände aus unserem Kulturkreis gegenüber gestellt, die als Leihgaben vom Bayerischen Nationalmuseum zur Verfügung gestellt werden. Eine Reihe von Publikationen aus dem 17. und 18. Jahrhundert veranschaulichen die Kontinuität spätantiker Vorstellungen bis hinein in die Neuzeit in Büchern über den Gebrauch von Amuletten, der Wirksamkeit von Edelsteinen und Heilpflanzen sowie der Anwendung geheimer Zeichen (Leihgaben der Bayerischen Staatsbibliothek). Das Auftreten ägyptischer Amulette in einem etruskischen Grabfund belegt den Glauben an die Wirksamkeit altägyptischer Magie auch außerhalb des Landes (Leihgaben der staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek.

Die Ausstellung zeigt gut 450 Objekte; neben Amuletten werden Papyri, Stelen, Götterstatuen, Schmuck, Kleinplastik, Gefäße, Statuen und verschiedenste Objekte der Kleinkunst präsentiert.

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