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Museum Ägyptischer Kunst München Ausstellungen Ausstellung (Archiv)

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Theatrum Hieroglyphicum

Ägyptisierende Bildwerke im Geiste des Barock

11. März 2011 bis 22. Januar 2012
Knauf-Museum,
97343 Iphofen, Am Marktplatz

Das Interesse der Ägyptenrezeption des 18. Jahrhunderts spiegelt sich nicht nur in der beginnenden Sammlungstätigkeit einzelner Fürsten wider, sondern führte auch zur Schaffung ägyptisierender Bildwerke. In der Ausstellung werden Architektur und Skulpturen des ägyptischen Teils aus dem Pantheon in Wörlitz (Sachsen) rekonstruiert und das Münchner Ensemble ägyptisierender Götterbilder vorgestellt, das im 18. Jahrhundert in Italien entstanden und von Kurfürst Karl Theodor erworben worden war.

Theatrum Hieroglyphicum: Die Hauptdarsteller dieses barocken Hieroglyphischen Theaters sind Osiris, Isis und Horus – die klassischen Gottheiten Altägyptens. Im Hieroglyphischen Theater treten sie auf als dunkle, geheimnisvolle Gestalten, und ihre Farbe ist demzufolge meist auch schwarz, zur deutlichen Unterscheidung von den hellen, strahlend weißen Göttergestalten Griechenlands und Roms, also des Pantheons der klassischen Kulturen Europas. Der farbliche Kontrast symbolisiert den typischen Gegensatz zwischen Lichtsphäre und Unterwelt, zwischen Bewußtem und Unbewußtem, zwischen Leben und Tod. Diese in der mythologischen Tradition des Humanismus und der Kunst der Renaissance stehende Wiedergeburt der antiken Götterwelt ist charakteristisch für die Ägyptenrezeption der Barockzeit.

Die im Geiste des Barock geschaffenen ägyptisierenden Bildwerke aus dem Pantheon in Wörlitz und aus dem Königlichen Antiquarium der Münchener Residenz stellen die beiden einzigen bekannten Götterensembles dieser Art aus der Zeit des Klassizismus dar. Es handelt sich dabei um nicht nur nachweisbar und deutlich sichtbar an antiquarischen Vorlagen orientierte, sondern davon auch inspirierte Neuschöpfungen im ägyptischen Stil aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, die, hergestellt in fürstlichem Auftrag, im Medium der Kunst die als Mysterium empfundene altägyptische Kultur repräsentieren sollten.

Der geistesgeschichtliche Hintergrund dieses in barocker Manier inszenierten Theatrum Hieroglyphicum ist somit die für das späte 18. Jahrhundert symptomatische fürstliche Sammeltätigkeit – und die Enträtselung dieser ägyptisierenden Bildwerke gibt deshalb nicht nur Einblick in die kunsthistorische Dimension, sondern vor allem auch in den ideengeschichtlichen Prozess der in Europa bereits im Mittelalter einsetzenden Ägyptenmode.

Dabei stehen die hieroglyphenkundlichen Münchener Götterfiguren stellvertretend für die allgemeine Ägyptophilie bzw. Ägyptosophie im Geiste des Barock, die ägyptisierenden Wörlitzer Bildwerke dagegen für die Ägyptomanie bzw. Ägyptenromantik der Goethezeit.

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