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Museum Ägyptischer Kunst München Ausstellungen Ausstellung (Archiv)

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Gottes - Bilder

Religion im alten Ägypten

30. September 2011 bis 15. April 2012
Ägyptisches Museum in der Residenz,
80539 München, Hofgartenstraße 1

Kein Ägyptologe wird auf Anhieb in der Lage sein, die genaue Anzahl ägyptischer Götter zu benennen. Ihre Beinamen gehen in die Hunderte, ebenso die Möglichkeiten ihrer Darstellungstypen: „Reich an Erscheinungsformen" lautet die entsprechende Formulierung in ägyptischen Texten. Der Prozess der Bildwerdung des Göttlichen ist nie abgeschlossen, es spaltet sich auf in unzählige Variationen, die oft lokal gebunden sind, letztendlich jedoch unfassbar für den Menschen bleibt.

Anders als etwa in der christlichen Religion, die bereits im Kontext der Zehn Gebote ein Bildnisverbot kennt („Du sollst Dir kein Bildnis machen...."), ist es die vornehmste Aufgabe der ägyptischen Kunst, Darstellungen des Göttlichen zu schaffen. So entstanden Statuen und Reliefs, die in immer neuen Bildern versuchen, das Nicht-Menschliche, Über-Menschliche und damit letztendlich das Göttliche begreifbar zu machen.

Hier setzt die Ausstellung an, die zunächst die grundsätzlichen Möglichkeiten der Erscheinungsformen ägyptischer Götter - als Mensch, als Tier, als Mischwesen – vorstellt und zur zunächst irritierenden Feststellung kommt, dass einerseits eine Gestalt verschiedenen Göttern eigen sein kann, andererseits eine Gottheit unterschiedliche Gestalten zeigen kann.

So wird etwa das Bildmotiv einer löwenköpfigen Göttin immer dann eingesetzt, wenn auf den aggressiven, gefährlichen Aspekt einer weiblichen Gottheit verwiesen werden soll, unabhängig von ihrer Benennung als Sachmet oder Mut, Wadjet, Pachet oder Tefnut. Das Wirken des Sonnengottes in der Natur kann sich in verschiedenen Tieren oder Pflanzen wie etwa dem Lotos manifestieren.

 

Allen Göttern sind bestimmte Funktionen zugeordnet, die mehrfach besetzt sind: Es gibt Fruchtbarkeits- und Kriegsgötter, Heil- und Mondgötter, Jenseitsgottheiten und Muttergöttinnen. Zur Gliederung der Götterwelt werden verschiedene Ordnungsprinzipien eingesetzt, die sich ergänzen und überschneiden können.

So orientiert sich die Zusammenstellung von Götterfamilien am Vorbild der menschlichen Kleinfamilie und besteht aus einer Vater-, einer Mutter- und einer Kindgottheit. Dies wird meist mit einer geographischen Struktur kombiniert, die Göttern eine lokale Herkunft und damit einen Hauptkultort zuordnet: Zur Götterfamilie von Karnak gehören Amun, Mut und Chons, die Götterfamilie von Memphis wird von Ptah, Sachmet und Nefertem gebildet. Auch die Zahlensymbolik spielt eine Rolle, so gibt es feste Götterpaare, Triaden, ein Götterquartett sowie die Achtheit und Neunheit von Göttern.
Die nie abgeschlossene Bildwerdung des Göttlichen führt schließlich in der Spätzeit zum Phänomen der pantheistischen Gottheiten, das nach dem Prinzip „Viel hilft viel" phantastische Wesen aus menschlichen und tierischen Elementen zusammensetzt, die ohne erklärende Beischrift oft nicht mehr zu benennen sind. Eine kleine Gruppe von Göttern bilden vergöttlichte Menschen, allen voran die beiden Architekten Imhotep und Amenophis, Sohn des Hapu sowie bestimmte Könige der Vergangenheit. Sie spielen eine wichtige Rolle im Rahmen der „Persönlichen Frömmigkeit" eine im späteren Neuen Reich zu beobachtende religiöse Haltung, der das Gefühl einer schicksalshaften Abhängigkeit des Einzelnen von einer bestimmten Gottheit zugrunde liegt.

Zur Abrundung zeigt die Ausstellung Kultgeräte wie Sistrum, Situla und Aegis sowie Statuetten von Priestern und Priesterinnen, ergänzt um Objekte aus dem Bereich magischer Praktiken, die stets parallel zum Götterkult durchgeführt wurden. Zur Veranschaulichung der in griechisch-römischer Zeit äußerst populären Tierkulte, die zu riesigen Tierfriedhöfen mit Abertausenden von Bestattungen geführt haben, sind Särge verschiedener Tiere wie Katze, Ibis, Spitzmaus und Krokodil zu sehen.
Insgesamt zeigt die Ausstellung rund 250 Objekte – Statuen und Figuren von Göttern und Priestern, Stelen und Reliefs mit Götterbildern, Kultgeräte, Amulette und Papyri.

Die Objekte aus den Beständen des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst werden erstmals in dieser Vollständigkeit und Zusammenstellung gezeigt.

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