Panorama

Museum Ägyptischer Kunst München Neuigkeiten & Berichte

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Es gibt insgesamt 316 Berichte
  • 01. September 2006 Ferienaktion 2006

    Auch in diesem Jahr war das Ägyptische Museum 4 Wochen in den Sommerferien fest in Kinderhand, es war wieder an der Zeit für die allseits beliebte Ferienwerkstatt.
    Nach einer einleitenden Führung oder einem Diavortrag, bot jeder Tag neue Herausforderungen: da wurden Mosaike hergestellt, Hausmodelle aus Ton geformt, gebastelt, geschnitten, gemalt, geklebt und geflochten.

    Natürlich wurden auch wieder lange Briefe in Hieroglyphen auf Papyrus geschrieben, einige Kinder stehen inzwischen einem altägyptischen Schreiber in nichts nach!In der letzten Woche stand die Vorbereitung des großen Abschlussfestes an, Kostüme mussten genäht werden, Kulissen vorbereitet und das Theaterstück eingeübt, bis es für 300 begeisterte Besucher am Ende wieder hieß: „Zu Gast bei Pharao".
  • 01. August 2006 Abbruch TU-Gebäude begonnen

    Mit dem Beginn der Abbrucharbeiten im sogenannten Süd-Ost-Gelände der Technischen Universität ist Mitte August nun auch nach außen hin sichtbar der Startschuß für den in Planung befindlichen Neubau des Ägyptischen Museums gefallen.
    Die dort stehenden Gebäude, in den 60er Jahren errichtet, stehen schon seit 2002 leer, als die dort beheimateten Institute für Mathematik und Informatik in das Forschungsgelände in Garching umzogen. Danach wurden sie nur noch sporadisch genutzt, verfielen zusehends und waren schon seit Monaten eingerüstet.

    Die vier Würfel sind von Asbest verseucht, der jetzt aufwändig entsorgt werden muß. Dafür werden die Kalksteinplatten der Fassaden abgenommen, hinten denen sich eine von Asbest ummantelte Stahlkonstruktion verbirgt. Das ganze Areal wird zum Hochsicherheitstrakt: Die Fassaden werden mit einer Spezialfolie luftdicht verpackt, die Arbeiter einer Spezialfirma tragen Schutzanzüge und werden mit einer eigenen Luftversorgung ausgerüstet. Bis Ende des Jahres sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, damit der eigentliche Abbruch beginnen kann.

    Dabei wird die größte Herausforderung nicht bei den aufragenden Gebäuden liegen, sondern im Untergrund: Dort liegen nie fertig gestellte Kellerräume einer Bunkeranlage aus nationalsozialistischer Zeit, die man seinerzeit beim Bau der Universitätsinstitute nicht aus dem Boden geholt hat. Die mehr als zwei Meter starken Decken aus Stahlbeton werden möglicherweise gesprengt werden – noch laufen die Untersuchungen zur effektivsten und schonendsten Methode für die Gebäude im Umfeld.

    An diese Abbrucharbeiten wird sich dann im kommenden Jahr unmittelbar der Aushub anschließen: für den unterirdischen Neubau des Ägyptischen Museums und den sich dahinter darüber erhebenden Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film.
    Themen:
  • 01. Juli 2006 Eröffnung "Mumienmasken"

    Trotz Fußballweltmeisterschaft gut besucht war die Eröffnung der kleinenWorkshop-Ausstellung „Datenträger Mumienmasken" bei hochsommerlichen Temperaturen am 6. Juli.
    Sie gibt einen Einblick in die Arbeit der Papyrusrestaurierung am spannenden Beispiel der Rückgewinnung von Papyri aus den Kartonagemasken der griechisch-römischen Zeit.

    Diese Veranstaltung mit einem Einführungsvortrag von Alfred Grimm war zugleich der Auftakt einer kleinen Vortragsserie zum Thema Restaurierung. Im Herbst wird diese Serie, die im Kontext der Veranstaltungen zum „Wissensspeicher" steht, dann fortgeführt werden.

    2006  Datenträger Mumienmasken - Die Rückgewinnung antiker Papyri

    Infos zur Multimedia-Produktion
    Eigenschaft Beschreibung
    Wissensspeicher. Datenträger Mumienmasken. - Zur Wiedergewinnung antiker Papyri
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    Bildschirmfoto der Webseite
  • 01. Juli 2006 Dreharbeiten im Museum

    Trotz wahrhaft ägyptischer Temperaturen herrscht in diesen Tagen eifrige Betriebsamkeit im Museum: Die Dreharbeiten für ein mehrteiliges Filmprojekt sind angelaufen.
    Themen:
  • 01. Juli 2006 CT-Untersuchung von Stuckkopf

    Überraschende Ergebnisse brachte die Untersuchung eines wohl römischen Stuckkopfes mit Hilfe der Computer-Tomographie (CT).
    Schon das Objekt an sich ist außergewöhnlich: Über einen Schädel ist ein Stuckkopf modelliert, während die üblichen Mumienmasken aus Stuck außen auf die komplette Mumie aufgesetzt sind. Ungewöhnlich ist auch die zunächst fast an eine Schildkröte erinnernde Kopfbedeckung, bei der es sich wohl um eine missverstandene Geierhaube handelt.

    In Zusammenarbeit mit einem Wissenschaftsredakteur des Bayerischen Rundfunks, der die Untersuchung mit einem Kamerateam begleitete, soll nun dem Innenleben dieses Objektes nachgegangen werden. Bei Siemens in Forchheim konnte nun der Kopf mit Hilfe des allerneuesten CT-Geräts untersucht werden – mit verblüffendem Resultat: Dem Kopf fehlt der komplette Unterkiefer, die dadurch entstehende Leerstelle wurde mit Hilfe von Leinenbinden aufgefüllt! Auch sonst gibt es einige ungewöhnliche Ergebnisse, für die nun durch vergleichende Studien eine Erklärung gefunden werden muß...

    In Zusammenarbeit mit dem Doerner-Institut in München wird noch eine Probenentnahme der Farbpigmente stattfinden, um so eine Rekonstruktion der ursprünglichen Farbwirkung vornehmen zu können. Der weitere Fortgang der Untersuchungen wird gleichfalls filmisch begleitet werden für einen Beitrag im Rahmen eines Wissenschaftsmagazins des Bayerischen Fernsehens. Fortsetzung folgt....
  • 27. Mai 2006 Zum ersten Mal: Girls' Day im Ägyptischen Museum

    Seit einigen Jahren findet jeweils am 4. Donnerstag im April der Girls' Day statt, an dem sich Mädchen in Firmen und Betrieben, Universitätsinstituten und Behörden über Berufe orientieren können
    Bundesweit gab es rund 7000 Veranstaltungen mit mehr als 120 000 Teilnehmerinnen. Ursprünglich konzipiert, um Mädchen über technische Berufsfelder zu informieren, entwickelt sich der Girls' Day immer mehr zu einem allgemeinen beruflichen Informationstag - speziell für Mädchen.

    Und so hatte am 27. April erstmals das Ägyptische Museum aus diesem Anlaß eingeladen - mit einem speziell zusammengestellten Programm, das möglichst vielfältig über das Berufsfeld Museum informieren sollte. Die per Internet ausgeschriebenen 10 Plätze waren in wenigen Tagen ausgebucht, wie sich überhaupt im Vergleich zu anderen Städten in München ein generell sehr lebhaftes Interesse am Girls' Day feststellen ließ.

    Und so standen pünktlich um 9 Uhr die zehn Mädchen (im Alter von 13-15 Jahren) vor der Residenz, die aus Real- und Wirtschaftsschulen sowie Gymnasien kamen. Nach der Begrüßung durch die Direktorin Sylvia Schoske stand zunächst ein Rundgang durch das Museum auf dem Programm, bei dem das Aufgabengebiet des Museumspädagogen vorgestellt wurde. Danach kam die Gruppe in die Museumsverwaltung in der Meiserstraße, und die Mädchen erhielten Informationen zum Studienfach Ägyptologie. Als Beispiel für den Einsatz von Computern im Museum stellte die Volontärin Roxane Bicker dann das Programm zur Museumsdokumentation vor, verbunden mit Informationen, was für Aktivitäten und Aufgaben in der alltäglichen Museumsarbeit anfallen.

    Die anschließende Mittagspause diente gleichzeitig als Möglichkeit einer Fragerunde, bevor es dann ins Magazin ging - Särge, Keramik, Stein, die Schubladen mit den Kleinfunden wurden geöffnet, ebenso die Schränke mit den - wohlverpackten - Mumien. Dabei wurden Fragen nach Notwendigkeit und Rahmenbedingungen einer sachgerechten Aufbewahrung ebenso angesprochen wie praktische Probleme beim Verpacken und Transport von Objekten im Vorfeld von Ausstellungen. In der letzten Runde ging es dann in die Restaurierungswerkstatt, wo Stephanie Steinegger die Mädchen nicht nur über den Beruf und die Ausbildung zum Restaurator informierte, sondern die Teilnehmerinnen beim Abgießen eines Amuletts auch selbst aktiv werden durften.

    Zu allen vorgestellten Berufen - Restaurator, Museumspädagoge, Ägyptologe - erhielten die Mädchen auch schriftliche Materialien als weiterführende Informationen. Fazit: Die Mehrheit der Mädchen bewertete in einem Fragebogen die Veranstaltung mit ?gut", ein Mädchen formulierte auch direkt den Wunsch nach einem Schulpraktikum. Allerdings war es für einige wohl etwas zu theoretisch - was für den Ablauf im kommenden Jahr geändert werden soll. Denn auch von Museumsseite bestand Einstimmigkeit über die Notwendigkeit, über das Berufsfeld Museum zu informieren.
  • 27. Mai 2006 "Lange Nacht der Musik" 2006 im Ägyptischen Museum

    Ungewohnte Klänge zwischen Statuen und Reliefs, neben Götterbildern und Sarkophagen
    Im Ägyptischen Museum war Mohamed Askari zu Gast, der aus Ägypten stammende und heute in Berlin lebende Meister des Nay-Spiels, der arabischen Bambus-Flöte. Die orientalische Musik wurde nicht in Form eines konventionellen Konzertes vor sitzendem Auditorium dargeboten, sondern an wechselnden Orten im ganzen Museum. Im Zusammenspiel mit den altägyptischen Originalen ergab erzeugte dies eine stets sich verändernde Atmosphäre, ein sich wandelnder Klangteppich vor wechselnder Kulisse. Manche Besucher unterbrachen ihren Rundgang, um konzentriert zu lauschen, andere nahmen das Flötenspiel als Untermalung ihrer Betrachtung altägyptischer Kunst.

    Ein ruhiger, meditativer Abend im manchmal etwas lauten Programmangebot dieser Nacht. Über 900 Besucher waren "zu den Ägyptern" gekommen, ein ständiges Kommen und Gehen zwischen 8 Uhr abends und 2 Uhr in der Früh - manche zufällig, die meisten jedoch ganz gezielt. Und manche liessen sich gleich dazu verleiten, am nächsten (Sonntag-)Morgen zum Vortrag ins Museum zu kommen
  • 21. Mai 2006 Internationaler Museumstag

    Wie viele Hieroglyphen musste ein Schreiber lernen? Was ist ein Pektoral? Woran starb Tutanchamun? Wer war Senenmut? Wovon ernährten sich die Ägypter? Wann wurde das Glas erfunden?
    Diese und viele andere Fragen wurden bei den verschiedenen Veranstaltungen im Ägyptischen Museum anlässlich des Internationalen Museumstages am 21. Mai eröffnet, der in diesem Jahr unter dem Motto „Museum und junge Besucher" stand. Mehr als 600 Besucher nutzten die verschiedenen Programmangebote, wobei erfreulicherweise alle Altersgruppen vertreten waren: viele Familien mit Kindern, jugendliche Paare und ältere Einzelbesucher.

    Neben Kinder- und Erwachsenenführungen gab es einen Bastel- und Maltisch für die ganz Kleinen, eine Hieroglyphenschule für Größere, wurden Märchen erzählt, und ein Museumsquiz verführte nicht nur Kinder, sondern auch überraschend viele Erwachsene zur genauen Beobachtung der Objekte. Dia-Vorträge zur Entdeckungsgeschichte des Tutanchamun-Grabes und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen rund um den „Goldenen Pharao" stießen (immer wieder) auf lebhaftestes Interesse. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu fachlichen und organisatorischen Fragen, aus denen sich ergab, dass ein Großteil der Gäste an diesem Tag zum ersten Mal das Ägyptische Museum besuchte.

    Die Fülle der positiven Rückmeldungen wird hoffentlich dazu führen, dass es nicht das letzte Mal war. Die lange Verweildauer – manche Familien blieben mehrere Stunden, um das Programm in seiner gesamten Vielfalt ausnützen zu können – zeigt ebenfalls ein starkes inhaltliches Interesse: Man wollte den Tag „bei den Ägyptern" verbringen.

    Ein kleiner Flohmarkt sowie Sonderangebote von museumseigenen Publikationen und Katalogen fanden ebenfalls zahlreiche Interessenten, so daß die Veranstaltung auch finanziell ein Erfolg war - der Gewinn wird vollständig für die nächsten museumspädagogischen Programme verwendet. Und wer sich nach all den Aktivitäten stärken wollte, konnte in der Eingangshalle, direkt neben einem monumentalen Steinsarkophag, noch einer weiteren Frage nachgehen: Was ist eigentlich Fuhl? (Es sei auch hier verraten: Es handelt sich um das ägyptische Nationalgericht, einen kräftigen Bohneneintopf, der aus dem traditionellen Messinggefäß serviert wurde...)
  • 03. Mai 2006 Zwischenbilanz Naga 2006/II

    Am Abend des 3. Mai 2006 bildete der antike Sudan den Auftakt der Vortragsreihe 'Archäologie universal' der Staatlichen Museen zu Berlin - an würdigem Ort, in der Rotunde des Alten Museums.
    Am Abend des 3. Mai 2006 bildete der antike Sudan den Auftakt der Vortragsreihe 'Archäologie universal' der Staatlichen Museen zu Berlin - an würdigem Ort, in der Rotunde des Alten Museums. S. E. Omar Siddig eröffnete mit dem Generaldirektor der Staatlichen Museen und der Leiterin des Referats 'Dialog mit der islamischen Welt' des Auswärtigen Amts die Veranstaltung. Auf den Bericht des Direktors des Ägyptischen Museums über die Berliner Grabungs- und Restaurierungsarbeiten in Naga folgte der Vortrag des Generaldirektors des National Board of Antiquities and Museums, Hassan Hussein Idris, über die Zusammenarbeit seiner Institution mit Archäologen aus aller Welt. Dass Berlin dabei eine besondere Rolle spielte, war nicht nur ein Akt orientalischer Höflichkeit, sondern trug der Tatsache Rechnung, dass mit der preußischen Expedition 1844 die Erforschung der antiken Kulturen des Sudan ihren Anfang nahm und heute an vier Brennpunkten der Archäologie des Sudan Berliner Institutionen tätig sind, am Vierten Katarakt, in Meroë, Musawwarat es-Sufra und Naga.

    Am 1. Dezember 2006 werden sich Repräsentanten von Politik und Wissenschaft wiederum unter dem Zeichen der Archäologie treffen, in Naga. In einem Festakt, den das sudanesische Kulturministerium und die deutsche Botschaft in Khartum gemeinsam ausrichten, wird der Amun-Tempel nach zehnjähriger Arbeit des Teams des Ägyptischen Museums offiziell wiedereröffnet, mit sudanesischer Musik und Lesungen (arabisch und deutsch) aus den Reiseberichten von Pückler-Muskau und Lepsius. Mit diesem Fest in der Wüste, an dem auch Repräsentanten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums, der Staatlichen Museen zu Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz teilnehmen wollen, wird eine Zwischenbilanz gezogen und die Aufmerksamkeit auf ein Projekt gelenkt, das beispielhaft für das zunehmende Interesse von Wissenschaft und Öffentlichkeit für die noch vor wenigen Jahren nahezu unbekannten antiken Kulturen des südlichen Nachbarn Ägyptens steht.

    Die Grabungen und Restaurierungsarbeiten am Amun-Tempel sind in der Kampagne 2006 weitgehend abgeschlossen worden. Fünf Säulen stehen nun im Hypostyl, als ob sie nie umgestürzt wären, und schließen das Vakuum, das zwischen Tor A und B klaffte, zur architektonischen Einheit. Von weit her gesehen hat der Tempel sein Volumen zurück gewonnen und steht imposant über der Stadt.
    Außerhalb der Ostmauer des Tempels bildet die Widderstatue auf ihrem originalen Podest den Gegenpol zu den zwölf Widdern der Zugangsallee und stellt eine Sichtachse zum Tempel F am Fuß des Gebel Naga her, als ob sie vorausblickte auf die Projekte künftiger Kampagnen. Durch die Freilegung der südlichen Außenwand tritt der Tempel nun als frei stehender Baukörper kraftvoll in Erscheinung. Beim Fest im Dezember wird im Sanktuar dank der Unterstützung durch Ingrid Knauf, Mitglied im Kuratorium des Berliner Förderervereins, eine Replik des dort gefundenen Alters stehen, der als hervorragendes Kunstwerk seinen Platz im Nationalmuseum Khartum gefunden hat.
    Ein in weitem Abstand gezogener Zaun schützt künftig den Tempel vor den Herden der Schafe, Ziegen, Esel und Kamele, deren Weg zum Brunnen seit Generationen durch das Tempelareal führte. Der Zaun schließt auch den kleinen Tempel Naga 200 ein. Seiner Freilegung galt auch in der Kampagne 2006 die ganze Aufmerksamkeit des Teams um die Grabungsleiterin Karla Kroeper und um die Architektin Alexandra Riedel von der TU Cottbus. Die Reliefs der Innenwände, nur bis in Kniehöhe der lebensgroßen Königs- und Götterfiguren erhalten, zeigen den kraftvollen, dynamischen, überaus plastisch wirkenden Stil der Darstellungen. Von der nach außen umgestürzten Westwand sind zahlreiche sehr gut erhaltene Reliefblöcke geborgen worden, aus denen sich das Bildprogramm rekonstruieren lässt. Erst die nächste Kampagne wird hier den ganzen Umfang der erhaltenen Szenen zeigen; aber schon jetzt sind außergewöhnliche Details erkennbar. Dazu gehört die Darstellung der Göttin Amesemi mit dem Doppelfalken als Kopfputz und einer geradezu perspektivischen Darstellung des Gewandsaums, die hellenistischen Einfluß vermuten lässt.

    Beim Fest in der Wüste am 1. Dezember 2006 wird sich die Aufmerksamkeit der Gäste auf den Haupttempel des Amun konzentrieren, der in der schnell einfallenden Abenddämmerung in dezenter Illuminierung erstrahlen wird. Die Nomaden der Wüste werden unter den Gästen sein, denn im Lauf der Jahre gemeinsamer Arbeit ist die antike Stadt ein Teil ihrer Identität geworden. Sagte doch einer von ihnen, er verzichte gerne auf seinen Lohn, wenn er einen der Reliefblöcke in seine Hütte mitnehmen dürfe, um sich vor ihn zu setzen und ihn einfach immer anschauen zu können.

    Hassan Hussein Idris hatte offenbar Recht, wenn er in seinem Vortrag in der Rotunde des Alten Museums feststellte, dass die Arbeit der Archäologen kulturelle Identität stifte.

    Dietrich Wildung
    (aMun 29, S.4-9)

    Themen:
  • 01. Mai 2006 Restaurierungsprojekt "Assyrische Flachreliefs"

    In diesen Tagen haben in der Eingangshalle des Ägyptischen Museums in der Münchner Residenz die Vorarbeiten für ein Restaurierungsprojekt begonnen, das bereits mit dem Umzug in den geplanten Neubau in Verbindung steht.
    Die sieben heute im Vierschäftesaal der Münchner Residenz ausgestellten Reliefs stammen aus der Zeit des assyrischen Königs Assurnasirpal II. (883-859 v. Chr.). Sie stammen aus dem Nordwestpalast in Kalhu (Nimrud), dem biblischen "Ninive" und dienten als Wandverkleidung der aus Lehmziegeln errichteten Innenräume. Dargestellt sind Genien, mächtige Geister, die den Palast beschützen und Kulthandlungen vollziehen.

    Der Keilschrifttext, der sich in halber Höhe der Platten über die einst farbig gefassten Reliefs hinwegzieht, nimmt kaum Rücksicht auf deren plastische Gestaltung. Es handelt sich um immer dieselbe Standardinschrift, die neben Namen und Titeln des Königs einen kurzen Bericht über seine Besitzungen und Eroberungen sowie über den Wiederaufbau der Stadt und des Palastes in Nimrud enthält.

    Die Reliefs wurden Mitte des 19.Jhs. ausgegraben und gelangten über London nach München: 1863 waren sie im Auftrag von Ludwig I. für seine Glyptothek erworben worden, wo sie bis zum 2. Weltkrieg ausgestellt waren. 1970 wurden sie dann im Zuge der erstmaligen Eröffnung des Ägyptischen Museums an ihrem heutigen Ort montiert. Seinerzeit waren die Voraussetzungen andere als heute: Das Museum hatte einen Bruchteil der heutigen Besucherzahlen, der über den Museumsräumen liegende Kaisersaal war nach dem Krieg noch nicht wieder restauriert. Durch die heutige nahezu tägliche Benutzung des Kaisersaals für Veranstaltungen (z.B. Empfänge der Staatskanzlei, Vermietungen durch die Schlösserverwaltung) sind die Türen oft stundenlang geöffnet, was besonders bei Kälte und Nässe überaus ungünstige klimatische Bedingungen für die wertvollen Reliefs schafft, die außerdem mechanischen Beschädigungen ausgesetzt sind.

    Bei den laufenden Untersuchungen werden die Reliefs genau vermessen und die Schäden und Spuren von früheren Bearbeitungen, Umarbeitungen und Restaurierungen sorgfältig kartiert. Besonderes Augenmerk gilt der ehemaligen Bemalung: Bei genauerer Untersuchung lassen sich nämlich Farbreste in den Gewandfalten, bei den Gliedmaßen (z.B. an den Zehennägeln) sowie in den Texten beobachten.

    Die Darstellungen sind sehr flach mit durchschnittlich nur 1 cm Reliefhöhe aus dem sog. Mossul-Alabaster gemeißelt. Erst die entsprechende Beleuchtung im Streiflicht zeigt, wie plastisch und differenziert die Oberflächen trotzdem gestaltet sind. Die Platten sind bis zu 2,40 m hoch und 1,50 m breit und wiegen bis zu 1000 kg. Früher waren sie noch schwerer, weil sie teilweise - aus Gründen der Gewichtsersparnis für den Transport - rückwärtig abgearbeitet wurden.

    Die laufenden Untersuchungen dienen der Vorbereitung der einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmenden Restaurierung der Reliefs, die im Hinblick auf die aktuelle Gefährdung der Stücke einerseits und den geplanten Neubau des Museums andererseits möglichst bald erfolgen soll: Die Abnahme der Reliefs ist für den kommenden Herbst geplant, sie werden nicht mehr an ihren derzeitigen Standort zurückkehren. Nach ihrer Restaurierung werden sie dann im neuen Museum ihrer Bedeutung und ihrem Wert entsprechend präsentiert werden.



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