Panorama

Museum Ägyptischer Kunst München Neuigkeiten & Berichte Jahr 2006

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Es gibt insgesamt 10 Berichte
  • 20. Dezember 2006 Neuerscheinung zum Grabungsprojekt Sudan

    Die aktuellste reich bebilderte Publikation zum Grabungsprojekt Naga Sudan

    Soeben erschienen:
    Naga Royal City of Ancient Sudan
    von Dietrich Wildung und Karla Kroeper,
    die aktuellste reich bebilderte Publikation zum Grabungsprojekt Naga Sudan

    In Englischer und Arabischer Sprache
    98S., 73 Farbabbildungen, Hardcover
    Berlin 2006
    14,90 Euro
    ISBN 3- 88609-558-4

     

    Themen:
  • 01. Dezember 2006 Ein Fest in der Wüste: Wiedereinweihung des Amun-Tempels in Naga

    Die sudanesische und die deutsche Flagge flankierten den Zugang zum Areal des Amun-Tempels in Naga, als am Nachmittag des 1. Dezember 2006 die geladenen Gäste aus dem 200 Kilometer entfernten Khartum zur Festtribüne schritten, über die sich ein Schatten spendendes Dach gegen die sengende Sonne spannte.
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006, Ankunft der Gäste / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006, arrival of the guests
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Fest in der Wüste
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006, Tanz der lokalen Mitarbeiter / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006, dance of the local workers
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006 / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006
    • Ansicht des Amun-Tempels von Norden (2006)  /  View of the Amun Temple from the North (2006)
    • Fest in der Wüste 1. Dezember 2006, Tanz der lokalen Mitarbeiter / Feast in the desert, Naga Dec. 1st 2006, dance of the local workers
    Die sudanesische und die deutsche Flagge flankierten den Zugang zum Areal des Amun-Tempels in Naga, als am Nachmittag des 1. Dezember 2006 die geladenen Gäste aus dem 200 Kilometer entfernten Khartum zur Festtribüne schritten, über die sich ein Schatten spendendes Dach gegen die sengende Sonne spannte. Eine endlose Staubwolke zeichnete in der Steppe den Weg des Buskonvois und der zahllosen Privatfahrzeuge, und ein Helikopter flog Mitglieder des Kabinetts ein.

    Der deutsche Botschafter in Khartum, Dr. Stephan Keller, und der sudanesische Minister für Kultur, Jugend und Sport, Mohamed Yousif Abdalla, hatten gemeinsam zur "Re-dedication", zur Wiedereinweihung des Amun-Tempels geladen. Das Auswärtige Amt in Berlin unterstützte dieses Ereignis im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik durch die Übernahme der Finanzierung einer repräsentativen Publikation in arabischer und englischer Sprache. Sie wird den sudanesischen Sponsoren zur Verfügung gestellt, die in beeindruckender Zahl dem Aufruf der deutschen Botschaft in Khartum gefolgt waren, als Sponsoren zu diesem Fest beizutragen. Der Schatzmeister des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin, Dr. Thomas Kurze, hatte eine hochkarätige Delegation aus Vertretern der deutschen Wirtschaft für die Reise nach Naga gewinnen können, der sich der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Professor Peter-Klaus Schuster, und sein Stellvertreter, Professor Günther Schauerte, und als Vertreter der Deutschen Forschungsgemeinschaft Dr. Klaus-Dieter Bienert anschlossen. Neben dem Ägyptischen Museum Berlin war auch das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst München durch seine Direktorin Dr.Sylvia Schoske (mit Tochter Coco) vertreten, sind doch beide Museen durch ihre Anteile am meroitischen Goldschatz der Königin Amanishakheto und ihre nubisch-sudanesischen Bestände die einzigen Sammlungen im deutschen Sprachraum, in denen der antike Sudan prominent vertreten ist.

    Zehn Jahre Arbeit am Amun-Tempel waren ein gutes Datum für einen offiziellen Festakt, der letztlich auf die Anregung von Hans Günter Gnodtke zurückgeht, den früheren deutschen Botschafter im Sudan. Sein Nachfolger, Botschafter Dr. Stephan Keller, nahm sich mit Engagement dieses Projektes an und machte es in Khartum publik. Im Januar 2006 konnte Dietrich Wildung im abendlichen Garten der Residenz des Botschafters vor zahlreich erschienen Repräsentanten der Politik, Wirtschaft und Kultur des Sudan über die Arbeit in Naga berichten, und Botschafter Keller rief zur Unterstützung eines Festakts in Naga auf. Sein Appell fand offene Ohren, stößt doch die Wiedergewinnung des historischen und kulturellen Erbes im Sudan zunehmend auf Interesse. Die Rolle des antiken Sudan als älteste Hochkultur des afrikanischen Kontinents gibt dem Land ein Selbstbewusstsein, das bis hinein in die Politik die Selbstachtung stärkt und einen wohl fundierten Stolz generiert. Die Ergebnisse archäologischer Forschung werden damit zu einem stabilisierenden Faktor des Dialogs des Sudan mit seinen Nachbarn und der Außenwelt auf gleicher Augenhöhe.

    Der Festtag, der 1. Dezember 2006, begann für die deutsche Delegation am frühen Morgen mit der Fahrt nach Naga, um in einem ausführlichen Rundgang durch die antike Stadt die vielfältigen Aspekte des Berliner Projekts kennen zu lernen. Festtribüne und Festzelt, Parkplatzmarkierungen und Scheinwerfer für die abendliche Illumination waren unter dem wachsamen Auge von Dr. Karla Kroeper schon aufgebaut. Zunächst galt die Aufmerksamkeit dem Amun-Tempel; dann ging es weiter zum noch unberührten Tempel 500, zum Grabungshaus mit seinen Werkstätten und Magazinen, zur Hathor-Kapelle, an der das Oberbaum-Team seine Arbeit erläuterte, und schließlich zum Löwentempel.
    Bereits am frühen Nachmittag trafen die ersten Gäste ein; schließlich waren es 500 oder 600 - wer weiß es zu sagen. Die Honoratioren des River Nile State, Mitglieder des Kabinetts und des diplomatischen Corps aus Khartum, die Professoren der Universitäten Khartum, Omdurman, Shendi belegten die Ehrenplätze. Ein Musikprogramm, das die kulturelle Vielfalt des riesigen Landes vom Südsudan bis in die Nordprovinzen, vom Darfur bis zum Roten Meer reflektierte, gliederte den Festakt. Als eine Musikergruppe aus Begrawija, der nahe bei Naga gelegenen Gegend von Meroe, auftrat, hielt es die bescheiden im Hintergrund im Sand vor dem Tempel hockenden Grabungsarbeiter nicht mehr. Sie drängten ins Festzelt und tanzten zu den ihnen wohl vertrauten Melodien und Rhythmen; es war ein Ritual der Inbesitznahme "ihres" Tempels, das im Programm nicht eingeplant zum anrührenden Höhepunkt des Festes wurde.
    Der Mond war inzwischen aufgegangen, und die dezente Illuminierung des Tempels lockte die Gäste zunächst ins Heiligtum, bevor im Festzelt das Büffet eröffnet wurde.

    Dietrich Wildung
    (Vollständiger Artikel in der
    Mitgliederzeitschrift aMun Nr. 38)

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  • 31. Oktober 2006 Halloween im Ägyptischen Museum

    Wenn leibhaftige Mumien, kleine Gespenster und Vampire im Ägyptischen Museum unterwegs sind, dann ist es wahrscheinlich wieder Halloween!
    Und so trafen sich in diesem Jahr Kinder und ihre Eltern zur Führung in den abgedunkelten Räumen des Museums, jeder eine Taschenlampe fest in der Hand.

    "Bei Göttern und Geistern", so das Thema der Führung, fühlten sich auch die kleinen Fledermäuse und Vampire sichtlich wohl, auch wenn die altägyptischen Götter, Totenmasken, Särge und Kanopen, die da im Licht der Taschenlampen auftauchten, dem einen oder anderen sicher einen kalten Schauer über den Rücken jagten. Kurzum, Kinder und Eltern waren begeistert, wir auch, und deshalb hoffen alle auf eine Wiederholung im nächsten Jahr!(Fotos:Marianne Franke)
  • 01. Oktober 2006 Untersuchung des Obelisken

    Wird er, wie ursprünglich geplant, vor der großen Portalwand stehen, die den Eingang des künftigen Neubaus markiert, oder wird er im Inneren des Museums seinen Platz finden?
    Rechtzeitig vor der alljährlichen Einhausung des Obelisken in den Wintermonaten wurde eine sorgfältige Zustandsüberprüfung und Schadenskartierung durchgeführt. Dabei ging es vor allem um die Frage des zukünftigen Standortes: Wird er, wie ursprünglich geplant, vor der großen Portalwand stehen, die den Eingang des künftigen Neubaus markiert, oder wird er im Inneren des Museums seinen Platz finden?


    Vom Hubsteiger aus erläuterte Dipl. Ing. André Wahl von der Restaurierungswerkstatt Pfanner Museumsdirektorin Sylvia Schoske den Befund: In der Nahsicht zeigte sich, dass drei Jahrzehnte Münchner Klima und die Luftverschmutzung ihre Spuren hinterlassen haben. Schmutzablagerungen in den vertieften Hieroglyphen, Rissbildungen, Ablösungen der Oberflächen und instabile Ergänzungen führen im Resüme des Generalchecks zu dem klaren Ergebnis, dass eine weitere Aufstellung im Freien - zudem an der verkehrsintensiven Gabelsbergerstraße - nicht mehr zu verantworten ist.

    So wird der Obelisk künftig im Innenraum ausgestellt werden, an der Schmalseite eines atriumähnlichen Hofes. Die Proportionen dieses Innenraumes werden die Monumentalität des knapp sechs Meter hohen Denkmals stärker wirken lassen als vor der riesigen Fassade der Residenz.

    Seinen derzeitigen Standort wird der Obelisk schon lange vor dem Umzug des Museums verlassen, um einer sorgfältigen Restaurierung nach aktuellen Standards unterzogen zu werden. Zunächst wird er ein letztes Mal in seiner Winterverkleidung verschwinden. Die kommenden Monate wird das endgültige Konzept der Restaurierung erarbeitet und die logistischen Planungen hierfür erstellt werden. Da von rund eineinhalb Jahren für diese Arbeiten auszugehen ist, und der Obelisk als erstes in den Neubau eingebracht werden muß, wird seine Abnahme vor der nächsten Wintersaison, also im Oktober 2007, erfolgen.
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  • 01. Oktober 2006 Abnahme asyrischer Reliefs

    Von Mai bis Juli hatten die Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt Dr. Pfanner die assyrischen Reliefs im Eingangssaal zum Ägyptischen Museum einer gründlichen Untersuchung unterzogen.
    Um den Objekten einen weiteren Verbleib im Vierschäftesaal, der in den Wintermonaten nur sehr ungünstige klimatische Verhältnisse bietet, zu ersparen, wurden die bis zu einer Tonne schweren Reliefs nun in einer aufwändigen Aktion von den Wänden genommen, verpackt und in die Meiserstraße 10 verbracht, wo die Verwaltung des Museums mit Werkstatt und Magazin untergebracht ist. Im kommenden Jahr wird ihre Restaurierung beginnen, für die rund drei Jahre veranschlagt sind. Im Anschluß werden diese Objekte ihren neuen Standort im Museumsneubau finden - sie werden also nicht mehr an ihren alten Standort zurückkehren. Die Reliefs wurden daher in eigens angefertigte, stabile Klimakisten verpackt, in denen sie dann auch ihren abermaligen Umzug ins neue Haus erfahren werden.
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  • 01. September 2006 Ferienaktion 2006

    Auch in diesem Jahr war das Ägyptische Museum 4 Wochen in den Sommerferien fest in Kinderhand, es war wieder an der Zeit für die allseits beliebte Ferienwerkstatt.
    Nach einer einleitenden Führung oder einem Diavortrag, bot jeder Tag neue Herausforderungen: da wurden Mosaike hergestellt, Hausmodelle aus Ton geformt, gebastelt, geschnitten, gemalt, geklebt und geflochten.

    Natürlich wurden auch wieder lange Briefe in Hieroglyphen auf Papyrus geschrieben, einige Kinder stehen inzwischen einem altägyptischen Schreiber in nichts nach!In der letzten Woche stand die Vorbereitung des großen Abschlussfestes an, Kostüme mussten genäht werden, Kulissen vorbereitet und das Theaterstück eingeübt, bis es für 300 begeisterte Besucher am Ende wieder hieß: „Zu Gast bei Pharao".
  • 01. Juli 2006 Eröffnung "Mumienmasken"

    Trotz Fußballweltmeisterschaft gut besucht war die Eröffnung der kleinenWorkshop-Ausstellung „Datenträger Mumienmasken" bei hochsommerlichen Temperaturen am 6. Juli.
    Sie gibt einen Einblick in die Arbeit der Papyrusrestaurierung am spannenden Beispiel der Rückgewinnung von Papyri aus den Kartonagemasken der griechisch-römischen Zeit.

    Diese Veranstaltung mit einem Einführungsvortrag von Alfred Grimm war zugleich der Auftakt einer kleinen Vortragsserie zum Thema Restaurierung. Im Herbst wird diese Serie, die im Kontext der Veranstaltungen zum „Wissensspeicher" steht, dann fortgeführt werden.

    Zum Internet-Special "Datenträger Mumienmasken"
  • 01. Juli 2006 Dreharbeiten im Museum

    Trotz wahrhaft ägyptischer Temperaturen herrscht in diesen Tagen eifrige Betriebsamkeit im Museum: Die Dreharbeiten für ein mehrteiliges Filmprojekt sind angelaufen.
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  • 01. Juli 2006 CT-Untersuchung von Stuckkopf

    Überraschende Ergebnisse brachte die Untersuchung eines wohl römischen Stuckkopfes mit Hilfe der Computer-Tomographie (CT).
    Schon das Objekt an sich ist außergewöhnlich: Über einen Schädel ist ein Stuckkopf modelliert, während die üblichen Mumienmasken aus Stuck außen auf die komplette Mumie aufgesetzt sind. Ungewöhnlich ist auch die zunächst fast an eine Schildkröte erinnernde Kopfbedeckung, bei der es sich wohl um eine missverstandene Geierhaube handelt.

    In Zusammenarbeit mit einem Wissenschaftsredakteur des Bayerischen Rundfunks, der die Untersuchung mit einem Kamerateam begleitete, soll nun dem Innenleben dieses Objektes nachgegangen werden. Bei Siemens in Forchheim konnte nun der Kopf mit Hilfe des allerneuesten CT-Geräts untersucht werden – mit verblüffendem Resultat: Dem Kopf fehlt der komplette Unterkiefer, die dadurch entstehende Leerstelle wurde mit Hilfe von Leinenbinden aufgefüllt! Auch sonst gibt es einige ungewöhnliche Ergebnisse, für die nun durch vergleichende Studien eine Erklärung gefunden werden muß...

    In Zusammenarbeit mit dem Doerner-Institut in München wird noch eine Probenentnahme der Farbpigmente stattfinden, um so eine Rekonstruktion der ursprünglichen Farbwirkung vornehmen zu können. Der weitere Fortgang der Untersuchungen wird gleichfalls filmisch begleitet werden für einen Beitrag im Rahmen eines Wissenschaftsmagazins des Bayerischen Fernsehens. Fortsetzung folgt....
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  • 03. Mai 2006 Zwischenbilanz Naga 2006/II

    Am Abend des 3. Mai 2006 bildete der antike Sudan den Auftakt der Vortragsreihe 'Archäologie universal' der Staatlichen Museen zu Berlin - an würdigem Ort, in der Rotunde des Alten Museums.
    Am Abend des 3. Mai 2006 bildete der antike Sudan den Auftakt der Vortragsreihe 'Archäologie universal' der Staatlichen Museen zu Berlin - an würdigem Ort, in der Rotunde des Alten Museums. S. E. Omar Siddig eröffnete mit dem Generaldirektor der Staatlichen Museen und der Leiterin des Referats 'Dialog mit der islamischen Welt' des Auswärtigen Amts die Veranstaltung. Auf den Bericht des Direktors des Ägyptischen Museums über die Berliner Grabungs- und Restaurierungsarbeiten in Naga folgte der Vortrag des Generaldirektors des National Board of Antiquities and Museums, Hassan Hussein Idris, über die Zusammenarbeit seiner Institution mit Archäologen aus aller Welt. Dass Berlin dabei eine besondere Rolle spielte, war nicht nur ein Akt orientalischer Höflichkeit, sondern trug der Tatsache Rechnung, dass mit der preußischen Expedition 1844 die Erforschung der antiken Kulturen des Sudan ihren Anfang nahm und heute an vier Brennpunkten der Archäologie des Sudan Berliner Institutionen tätig sind, am Vierten Katarakt, in Meroë, Musawwarat es-Sufra und Naga.

    Am 1. Dezember 2006 werden sich Repräsentanten von Politik und Wissenschaft wiederum unter dem Zeichen der Archäologie treffen, in Naga. In einem Festakt, den das sudanesische Kulturministerium und die deutsche Botschaft in Khartum gemeinsam ausrichten, wird der Amun-Tempel nach zehnjähriger Arbeit des Teams des Ägyptischen Museums offiziell wiedereröffnet, mit sudanesischer Musik und Lesungen (arabisch und deutsch) aus den Reiseberichten von Pückler-Muskau und Lepsius. Mit diesem Fest in der Wüste, an dem auch Repräsentanten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Vereins zur Förderung des Ägyptischen Museums, der Staatlichen Museen zu Berlin und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz teilnehmen wollen, wird eine Zwischenbilanz gezogen und die Aufmerksamkeit auf ein Projekt gelenkt, das beispielhaft für das zunehmende Interesse von Wissenschaft und Öffentlichkeit für die noch vor wenigen Jahren nahezu unbekannten antiken Kulturen des südlichen Nachbarn Ägyptens steht.

    Die Grabungen und Restaurierungsarbeiten am Amun-Tempel sind in der Kampagne 2006 weitgehend abgeschlossen worden. Fünf Säulen stehen nun im Hypostyl, als ob sie nie umgestürzt wären, und schließen das Vakuum, das zwischen Tor A und B klaffte, zur architektonischen Einheit. Von weit her gesehen hat der Tempel sein Volumen zurück gewonnen und steht imposant über der Stadt.
    Außerhalb der Ostmauer des Tempels bildet die Widderstatue auf ihrem originalen Podest den Gegenpol zu den zwölf Widdern der Zugangsallee und stellt eine Sichtachse zum Tempel F am Fuß des Gebel Naga her, als ob sie vorausblickte auf die Projekte künftiger Kampagnen. Durch die Freilegung der südlichen Außenwand tritt der Tempel nun als frei stehender Baukörper kraftvoll in Erscheinung. Beim Fest im Dezember wird im Sanktuar dank der Unterstützung durch Ingrid Knauf, Mitglied im Kuratorium des Berliner Förderervereins, eine Replik des dort gefundenen Alters stehen, der als hervorragendes Kunstwerk seinen Platz im Nationalmuseum Khartum gefunden hat.
    Ein in weitem Abstand gezogener Zaun schützt künftig den Tempel vor den Herden der Schafe, Ziegen, Esel und Kamele, deren Weg zum Brunnen seit Generationen durch das Tempelareal führte. Der Zaun schließt auch den kleinen Tempel Naga 200 ein. Seiner Freilegung galt auch in der Kampagne 2006 die ganze Aufmerksamkeit des Teams um die Grabungsleiterin Karla Kroeper und um die Architektin Alexandra Riedel von der TU Cottbus. Die Reliefs der Innenwände, nur bis in Kniehöhe der lebensgroßen Königs- und Götterfiguren erhalten, zeigen den kraftvollen, dynamischen, überaus plastisch wirkenden Stil der Darstellungen. Von der nach außen umgestürzten Westwand sind zahlreiche sehr gut erhaltene Reliefblöcke geborgen worden, aus denen sich das Bildprogramm rekonstruieren lässt. Erst die nächste Kampagne wird hier den ganzen Umfang der erhaltenen Szenen zeigen; aber schon jetzt sind außergewöhnliche Details erkennbar. Dazu gehört die Darstellung der Göttin Amesemi mit dem Doppelfalken als Kopfputz und einer geradezu perspektivischen Darstellung des Gewandsaums, die hellenistischen Einfluß vermuten lässt.

    Beim Fest in der Wüste am 1. Dezember 2006 wird sich die Aufmerksamkeit der Gäste auf den Haupttempel des Amun konzentrieren, der in der schnell einfallenden Abenddämmerung in dezenter Illuminierung erstrahlen wird. Die Nomaden der Wüste werden unter den Gästen sein, denn im Lauf der Jahre gemeinsamer Arbeit ist die antike Stadt ein Teil ihrer Identität geworden. Sagte doch einer von ihnen, er verzichte gerne auf seinen Lohn, wenn er einen der Reliefblöcke in seine Hütte mitnehmen dürfe, um sich vor ihn zu setzen und ihn einfach immer anschauen zu können.

    Hassan Hussein Idris hatte offenbar Recht, wenn er in seinem Vortrag in der Rotunde des Alten Museums feststellte, dass die Arbeit der Archäologen kulturelle Identität stifte.

    Dietrich Wildung
    (aMun 29, S.4-9)

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