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Museum Ägyptischer Kunst München Neuigkeiten & Berichte Thema "Sudantag"

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Es gibt insgesamt 4 Berichte
  • 05. Mai 2015 Thementag "Sudan"

    Mit der Übernahme des Naga-Forschungsprojekts im Mai 2013 hat das Ägyptische Museum einen neuen Schwerpunkt gesetzt, der auch im Raum „Nubien und Sudan" thematisiert wird.Gleichzeitig baut das Institut für Ägyptologie der Ludwig-Maximiliansuniversität eine Abteilung zur Sudanforschung auf. Durch die bereits bestehende enge Zusammenarbeit von Universitätsinstitut und Museum entsteht somit in München ein gewichtiger Standort der Sudanforschung.

    Am 25. April 2015 präsentierte sich das Institut für Ägyptologie beim Thementag „Nubien und Sudan" im Ägyptischen Museum mit vier Beiträgen aus dem Team des Instituts.Der Institutsvorstand Friedhelm Hoffmann ließ das Bild der Nubier in altägyptischen Texten lebendig werden. Von den Expeditionsberichten der Pyramidenzeit bis zu demotischen Romanerzählungen spannte sich der historische Bogen. Durch alle Texte bis zu den Papyri der Römerzeit zieht sich das Leitmotiv des unbewältigten „Nubien-Traumas" der Ägypter.Martina Ullmann resümierte ihre Habil-Schrift über die nubischen Tempel Ramses' II. und arbeitete klar heraus, wie im Bild- und Textprogramm und in der Kulttopographie dieser sechs Tempel von Beit el Wali bis Abu Simbel die theologische Integrierung Nubiens in ein pharaonisches Weltbild betrieben wird.

    Rosemarie Klemm führte in die Goldlagerstätten zwischen Nil und Rotem Meer. Als Ergebnis der mit ihrem Mann D. D. Klemm über viele Jahre durchgeführten Feldforschungen konnte sie die antiken Techniken der Goldgewinnung demonstrieren und einen Einblick in die unendlich entsagungsvolle Arbeit der antiken Goldgräber geben.

    Julia Budka, soeben als Sudanarchäologin an die LMU berufen, stellte ihr bereits seit einigen Jahren laufendes und nun von München aus betriebenes Grabungsprojekt auf der Insel Sai vor, dem „Brückenkopf" der ägyptischen Kolonisation im Norden des Sudan während des Neuen Reiches. Minutiöse Grabungstechnik und interdisziplinäre Fragestellungen versprechen ein neues Bild der Präsenz Ägyptens in der letztlich nie völlig unterworfenen südlichen Nachbarregion.

    Arnulf Schlüter schloß den langen, spannenden Nachmittag mit einem Kurzbericht über die Grabungssaison 2014/2015 in Naga, die am 19. September 2015 das Thema des ganztägigen „Naga-Tags" sein wird.

    Der Nubien- und Sudan-Tag hat eindrucksvoll gezeigt, wie die Archäologie der südlichsten Region der antiken Welt in Deutschlands südlichstem Standort der Ägyptologie ein neues Zentrum gefunden hat.
  • 31. Oktober 2009 Naga Sudantag 2009

    Programm des Sudantages 2009
    Naga-Projekte des Ägyptischen Museums Berlin
    Zeitrahmen: 14-18:30 Uhr
    • 14:00 Uhr Dietrich Wildung:
      Begrüßung
    • 14:15 Uhr Karla Kröper:
      Naga - Kampagnen 2008/2009
    • 14:45 Uhr Alexandra Riedel:
      Tempel 200 - Architektur und Bautechnik
    • 15:15 Uhr Josefine Kuckertz:
      Tempel 200 - Riesenpuzzle - Das Reliefprogramm 
    • 15:45 Uhr Pause
    • 16:00 Uhr Thomas Bauer, Mark Prauß:
      Scannen statt Zeichnen - Innovative Dokumentationstechniken
    • 16:30 Uhr Jan Hamann, Thomas Lucker :
      Erschwerte Bedingungen - Restaurierung der Hathor-Kapelle
    • 17:00 Michael Freytag, Martin Reichert, Alexander Schwarz:
      'That's loneliness' - David Chipperfields Naga-Museum
    • 17:30 Dietrich Wildung:
      Archäologie und Politik - Das Naga-Projekt als Beitrag zur auswärtigen Kulturpolitik

    Ort: Brugsch Pasha Saal,
    Geschwister Scholl-Str. 2-8 (5. Etage)
    10117 Berlin
    Tel (030) 2090-5101

    Dokumente

  • 30. August 2008 "Naga"-Sudan-Tag 2008

    Alljährlich präsentiert das Grabungsteam des Museums beim Sudan-Tag die aktuellen Ergebnisse seiner Arbeiten in Naga, einer königlichen Stadt des antiken Reiches von Meroe.

    Seit 1994 arbeitet das Ägyptische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin in der archäologischen Feldforschung im Sudan. Die wissenschaftliche und denkmalpflegerische Arbeit wird finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vom Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e. V.

    Alljährlich präsentiert das Grabungsteam des Museums beim Sudan-Tag die aktuellen Ergebnisse seiner Arbeiten in Naga, einer königlichen Stadt des antiken Reiches von Meroe.

    Programm:

    • 14:00 Uhr Dietrich Wildung: Begrüßung
    • 14:15 Uhr Karla Kröper: Neues und Altes von Naga - Kampagnen 2007/2008
    • 15:00 Uhr Dietrich Wildung: Dezentrales Zentrum - Kunst in Naga
    • 15:45 Uhr Pause
    • 16:00 Uhr Alexander Schwarz: Ein Museum für Naga - Ein Projekt von David Chipperfield
    • 16:30 Dominique Valbelle und Charles Bonnet: Last discoveries at Dukki Gel (Kerma) and opening a new museum
    • 17:30 Jacques Reinold: Human sacrifice - New excavations in Kadada
  • 27. Juli 2003 Hilferuf und Finderglück - Sudantag 2003 im Ägyptischen Museum Berlin

    Die Saubohnen gehören zum Sudantag wie der Rotwein zum Dienstag-Vortrag. So war es nicht erstaunlich, dass mehrere besorgte Anrufer sich erkundigten, ob die Einladung zum 27. Juli 2003 in die Remise nach Charlottenburg in diesem Punkt unvollständig sei oder ob man diesmal auf die lieb gewordene Köstlichkeit verzichten müsse.
    Man musste; denn es war abzusehen, dass die Teilnehmerzahl am Sudan-Tag 2003 weit größer sein würde als üblich. Zwei Vorträge standen auf dem Programm, die nicht nur die Sudan-Freunde aus dem Förderverein und wie immer auch aus dem Münchner Freundeskreis - anlocken, sondern auch die Fachwelt ansprechen würden. So waren nicht nur die Berliner Hochschulen vertreten, sondern auch Kollegen aus Köln, Wien und Paris, und als Ehrengäste konnten wir S. E. Ahmed Gaafar Abdelkarim, Botschafter der Republik Sudan in Berlin, und S. E. Dr. Werner Daum, deutscher Botschafter früher in Khartum und heute in Kuweit, mit seiner Frau Gemahlin begrüßen.

    Dr. Salah Mohamed Ahmed,Direktor für Ausgrabungen in der National Corporation of Antiquities and Museums in Khartum, berichtete über das bereits in Gang befindliche Großprojekt des Staudamms am Vierten Katarakt und seine Konsequenzen für die Archäologie. 180 Kilometer Niltal werden ab 2008 unter Wasser gesetzt. 48.000 Menschen müssen in neue Siedlungsgebiete bei ed Damer, Nuri und Debba umgesiedelt werden. Tausende von archäologischen Stätten liegen in diesem nahezu unerforschten Teil des Niltals.

    Ein Vergleich mit der Nubian Campaign der sechziger Jahre erscheint zunächst unzutreffend, da spektakuläre Bauten wie Abusimbel, Wadi es Sebua, Kalabscha (und letztlich ja auch Philae) unter den von der Überflutung bedrohten Denkmälern fehlen. Diese Rettungsaktionen waren aber nur die medienwirksame, spektakuläre Oberfläche, unter der Hunderte von Grabungen und Surveys eine gewaltige Menge neuer Funde und Befunde ans Licht brachten, die vom Paläolithikum bis in die jüngste Vergangenheit reichen. Kein anderer Teil des Niltals ist heute archäologisch so gut erforscht wie die 350 Kilometer von Wadi Halfa bis Aswan.

    Ähnliches gilt es am Vierten Katarakt zu leisten, und so kann die Nubian Campaign auch als Logistik- und Organisationsmodell für die neue Rettungsaktion dienen. Bei einer ersten internationalen Konferenz in London haben sich bereits mehrere Länder, darunter Deutschland, zur Mitarbeit bereit erklärt. Für einen effektiven Start fehlt aber bislang nicht nur eine solide finanzielle Basis, sondern eine internationale Medienkampagne und eine Koordinierungsstelle, die die Aktivitäten bündelt und zwischen Politik, Bauträgem und Archäologen vermittelt. Gespräche zwischen Dr. Salah, den bei den Botschaftern (Kuweit ist einer der Finanzträger des Staudammprojekts) und dem Ägyptischen Museum haben gemeinsame Schritte zur Lösung dieser Fragen vorbereitet.

    Die Arbeit in Naga bildete den mittleren Block der Vortragsfolge. Karla Kroeper beobachtete den Anflug des sudanesischen Staatspräsidenten Omar el Baschir per Helikopter zum Besuch unserer Grabung. Dietrich Wildung stellte eine erste kunsthistorische Analyse der im Amun-Tempel gefundenen Statuen vor. Das Restauratorenteam 'Restaurierung am Oberbaum' berichtete über die Aufstellung der Säulen im Hypostyl des Amun-Tempels und die Anwendung historischer Arbeitstechniken im Steinbruch und entwickelte das Konzept für die Restaurierung der Hathor-Kapelle, das dringlichste Projekt in Naga.

    Den Höhepunkt des Sudan-Tages bot Charles Bonnet mit dem Bericht über seine neuesten Entdeckungen in Kerma. Erstmals vor einer breiteren Öffentlichkeit zeichnete er die Ereignisse Mitte Januar 2003 nach, die zur Freilegung eines Statuendepots führten. Bei der Reinigung der Schichtenfolge eines Tempels, der sich bis in die Mitte der 18. Dynastie zurückverfolgen lässt, kam eine Grube zum Vorschein, in der sauber geschichtet zunächst Arme und Beine, darunter die Körper und schließlich die Köpfe von sieben Königsstatuen lagen. Die teils überlebensgroßen Figuren aus Granit zeigen nach Ausweis ihrer hieroglyphischen Inschriften Takarka, Tanwatamani, Senkamanisken, Anlamani und Aspelta, stellen also eine fast lückenlose Herrscherfolge am Übergang von der kuschitischen zur napatanischen Dynastie im Zeitraum von 690 bis 575 v. Chr. dar. Atemlose Stille herrschte im Raum, und dem Simultan-Übersetzer D. Wildung verschlug es die Sprache, als Charles Bonnet den ersten Blick in die mit Statuenbruchstücken gefüllte Grube gewährte.

    Der Fund ist historisch und kunstgeschichtlich gleichermaßen bedeutend. Einen fast bis ins Detail gleichen Fund machte George Reisner 1917 im Tempel B 500 am Gebel Barkal, dieselben Könige, derselbe Zerstörungsgrad, ähnliche Fundsituation. Psammetichs H. Feldzug nach Napata im Jahr 592 v. Chr. erscheint noch deutlicher als bisher als ein Akt programmatischer Zerstörung der 'schwarzen Pharaonen' .

    Für die Kunst des Nordsudan ist der neu entdeckte Statuenkomplex das Zeugnis technischer Perfektion und stilistischer Meisterschaft, die in nichts hinter den gleichzeitigen Werken im ägyptischen Niltal zurückstehen.

    Ein Drittes kommt hinzu: Schon einen Tag nach der Entdeckung setzte ein nicht enden wollender Besucherstrom ein, aus Kerma, aus der näheren Umgebung, von weit her. Für die Bevölkerung der Region ist dieser Fund ein Akt der historischen Selbstfindung, und so ist es eine nachvollziehbare Entscheidung, die Statuen an ihrem Fundort zu belassen und ein lokales Museum zu errichten, mit dessen Bau bereits begonnen worden ist.

    Auch ohne Saubohnen zog sich der Abend noch lange hin, mit Charles Bonnet und seiner Kollegin Dominique Valbelle von der Sorbonne, die ihm in diesen aufregenden Tagen assistiert hatte und bei der Premiere in Berlin nicht fehlen wollte.

    Und noch jemand war symbolisch auf einem extra frei gelassenen Stuhl in der ersten Reihe anwesend: Trauthilde Körschner, deren Vermächtnis an den Verein alljährlich für einen Körschner-Gedenk-Vortrag verwendet werden soll. Charles Bonnets Bericht war ein würdiger Auftakt.

    Dietrich Wildung
    (Artikel der Mitgliederzeitschrift aMun)

     

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