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Museum Ägyptischer Kunst München Neuigkeiten & Berichte Thema "Objekt des Monats"

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Es gibt insgesamt 27 Berichte
  • 01. Dezember 2015 Objekt des Monats

    Die Stele des Kaschischa

    Die Sitte von Privatleuten, sich am wichtigsten Kultort des Auferstehungsgottes Osiris, in Abydos, eine Stele aufzustellen oder ein Scheingrab zu errichten, wird vom Mittleren Reich ins Neue Reich übernommen. Auf der großen bemalten Kalksteinstele steht der Stelenstifter Rai rechts oben vor Osiris. Die Beischrift „Lobpreis geben dem Osiris, die Erde küssen für den Herrn der geheiligten Erde (= des Friedhofs)"« wird im Text auf der linken Stelenseite abgewandelt in „Lobpreis dir, du heiliger Gott". Osiris ist zweimal dargestellt, Rücken an Rücken unter einem Baldachin auf einem Sockel mit abgeschrägter Vorderkante sitzend. Der Baldachin ist als Schriftzeichen für Hebsed zu lesen, das Regierungsjubiläumsfest des Königs, der Sockel kann als hieroglyphische Schreibung für Maat, »Weltordnung«, stehen. Rai, im obersten Bildfeld vor Osiris betend und opfernd, ist im zweiten Register selbst Empfänger von Opfern, vor dem seine Söhne und Töchter aufmarschieren, deren vorletzte ihren kleinen Sohn, also einen Enkel des Rai, an der Hand hält. Meri-Hor, der im linken Teil dieses Bildstreifens Opfer erhält, opfert im untersten Register zusammen mit seinen Geschwistern vor seinem Vater Kaschischa-Rai. Ihm ist auch der dreizeilige Text der Stele in den Mund gelegt, ein Gebet an Osiris, Upuaut, Anubis und alle Götter von Abydos. Das Opfer vor den Vorfahren ist ebenso wie der konventionelle Stil der Stele, der alle Überschneidungen vermeidet und die Einzelfiguren wie die Hieroglyphenzeichen einer Inschrift nebeneinander setzt, eine traditionalistische Fortführung des Stils des Mittleren Reiches. Gebet und Opfer vor Osiris, bei dem Mensch und Gott einander Auge in Auge gegenüberstehen, sind ein Novum des Neuen Reiches, ein Indiz für ein neues, unmittelbares Verhältnis zwischen Mensch und Gott.

    Kalkstein
    H. 86 cm, Br. 60 cm
    Aus Abydos
    Neues Reich, 18. Dynastie, um 14.20 v. Chr.
    ÄS 52
    Erworben aus der Sammlung Ferdinand Michel
  • 01. September 2015 Objekt des Monats - Ein Armreif der Königin Amanishakheto

    Zwei kreisförmig gebogene Goldbleche sind durch ein Scharnier aneinandergefügt, das durch eine auf einer Lotosblüte stehenden, halbplastisch gearbeiteten Frauenfigur verdeckt ist. Zwei kreuzförmig angeordnete ausgebreitete Flügelpaare weisen sie als Göttin aus; ihre Kopfbedeckung – die Doppelkrone über einer Geierhaube – identifizieren sie als Mut, die Gemahlin des Gottes Amun.

    Das Goldblech ist durch parallel laufende, aufgelötete Stege aus Golddraht in einzelne Ornamentstreifen gegliedert, die abwechselnd mit kleinen Rauten und Kreisen gefüllt sind, die ihrerseits ebenfalls aus aufgelöteten Golddrähten gebildet und mit Glasfluß in verschiedenen Blautönen gefüllt sind. Granulierte Bänder umziehen mit winzigen Goldkügelchen den oberen und unteren Rand und rahmen die rechteckigen, wie Fenster ausgesparten Felder in der mit einem Federmuster bedeckten Mittelstreifen, das zusätzlich Elemente mit rotem Glasfluß aufweist. In diese freien Flächen sind gleichfalls halbplastisch gearbeitete Götterbüsten eingesetzt.

    Der am Unter- oder Oberarm getragene Reif wurde ursprünglich durch ein Verbindungsstück aus Leder oder Stoff zusammengehalten; er war also in seiner Größe verstellbar und umschloß nur einen Teil des Armes.Dieses Schmuckstück gehört zum Grabschatz der Königin Amanishakheto, der 1834 von dem Italiener Giuseppe Ferlini in der Pyramide dieser Herrscherin in Meroe gefunden wurde. Ein Teil des Schatzes wurde 1839 von Ludwig I. angekauft, der zweite Teil ging später an das Ägyptische Museum in Berlin.

    Gold, Glasfluß
    H. 4,6 cm; Br. der Teilstücke je 8,5 cm
    Um die Zeitenwende
    Ant. 2455

    (Das Objekt ist im Raum „Nubien und Sudan" ausgestellt.)
  • 13. Juli 2015 Quartalsprogramm Juli - August - September

    Dokumente

  • 01. Juli 2015 Objekt des Monats - Die Sitzfigur des Cheti

  • 09. Januar 2015 Objekt des Monats Januar: Salbgefäß in Gestalt einer Meerkatze

    Ein "Neujahrsgeschenk" für verdiente Hofbeamte
  • 01. November 2014 Objekt des Monats November: Die Hathor-Kapelle in Naga

    Ausnahmsweise kein Originalobjekt: Die Hathor-Kapelle im Sudan-Raum des Museums hat als Modell dennoch die Ausstrahlung eines authentischen Werks der Architektur.
    Mit der Technologie des 3D-Streifenlicht-Scannens hat die Berliner Spezialfirma TRIGONART die Kapelle im Grabungsgelände des Münchner Naga-Projekts millimetergenau dokumentiert, und aus vielen Millionen Meßpunkten hat eine CNC-Fräsmaschine in einem mehrtägigen Prozeß das Modell gefertigt.

    In der Hathorkapelle, dem am besten erhaltenen Architekturdenkmal des Königsreichs von Meroë, manifestiert sich die Vernetzung der meroitischen Kultur mit ihrem historischen Umfeld. Um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. haben lokale Architekten afrikanische, ägyptische und römische Formen und Bauornamente zu einer eigenständigen Architektursprache verschmolzen.

    Die Kapelle ist das südlichste Baudenkmal der Antike, in dem sich hellenistischer Einfluß artikuliert, vergleichbar der im Museum neben der Kapelle ausgestellten Isis-Statue aus Naga, die als „African Beauty" in pharaonischer Form in römischer Tracht dargestellt ist.

    Eine 3D-Animation der Kapelle finden Sie hier. (Flash-Plugin des Browsers erforderlich)
  • 01. Oktober 2014 Objekt des Monats Oktober: Figur eines Nilgottes

    Diese zweigeschlechtliche Darstellung ist typisch für Personifikationen der Fruchtbarkeit, die der Nilgott Hapi verkörpert.
    Die zweidimensionale, durchbrochene Arbeit zeigt eine nach rechts schreitende Figur mit ausladenden Hüften, üppigen Oberschenkeln und deutlichem Bauchansatz sowie lang herunterhängenden Brüsten, wie sie auch in der Darstellung von Ammen üblich ist (die linke Brust ist unter der Achsel angegeben); bekleidet mit zwei um die Hüften gegürteten, schmalen Stoffstreifen. Auf den Händen bzw. Unterarmen trägt sie eine Opferplatte mit zwei großen Wassergefäßen, sogenannte Hes-Vasen, über die jeweils eine große Lotosblüte gelegt ist; drei weitere Lotosblüten bilden den Kopfputz.

    Diese zweigeschlechtliche Darstellung ist typisch für Personifikationen der Fruchtbarkeit, die der Nilgott Hapi verkörpert. Als einzige der ägyptischen Gottheiten hält er selbst eine Opferplatte in den Händen, nicht ihm wird geopfert, vielmehr bringt er selbst den Reichtum der Natur dar. Neben den Wassergefäßen, die das lebensspendende Nass enthalten, können dies die unterschiedlichsten Pflanzen und Tiere sein.

    Vom Alten Reich bis in die römische Zeit hinein, also über einen Zeitraum von über 2500 Jahren, gehören lange Reihen dieser Nilgottheiten zum festen Bestand der Tempeldekoration. Sie bilden den untersten Streifen der Bildfelder, die die Tempelwand bedecken und sind meist auf der Außenwand zu finden. Wie die unter den Füßen und über dem Kopf erhaltenen Metallstreifen bei dieser zweidimensionalen Figur zeigen, gehörte sie ursprünglich zu einem größeren Ensemble, das vermutlich die Dekoration eines hölzernen Götterschreines bildete.
  • 01. September 2014 Objekt des Monats September: It’s not as easy as it may have seemed to be

    Seltsames tut sich im Ägyptischen Museum. Da haben sich kleine Tonfiguren in die Vitrinen geschlichen, stehen in Gruppen vor Särgen und Stelen, sitzen in lebhafter Diskussion unter den Papyri, reihen sich ein in die Uschebtis und Bronzefiguren, beugen sich über Gefäße.
    Die Museumsbesucher erkennen sich selbst in diesen munteren Wesen, die vom Museum Besitz ergriffen haben und sich mit schöner Selbstverständlichkeit unter die alten Ägypter mischen.

    Die Herkunft dieser lebhaften Gäste klärt sich im großen Sonderausstellungsraum von „Nofretete – tête-à-tête". Da hat der junge ägyptische Künstler Bassem Yousri ein ganzes Museum en miniature aufgebaut. Hunderte von Tonfiguren drängen in das Gebäude, strömen über Treppen und Rampen bis hinauf aufs Dach. Ihre Eroberung des Kunsttempels nimmt auch bedrohliche Züge an; Sockel werden umgestürzt, Bilder von der Wand gerissen – eine beklemmende Reaktion auf die Randerscheinungen des „Arabischen Frühlings".

    Bassem Yousri stellt mit dieser unkonventionellen, einfallsreichen Arbeit die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Massenkonsum. Seine punktuellen Interventionen in den Vitrinen sind erfrischende Kommentare zur Lebendigkeit der Begegnung zwischen Antike und Gegenwart; seine große Installation wirft einen kritischen Blick auf die Pervertierung des Museums zur Eventbühne und thematisiert die Stigmatisierung vorislamischer Kunst als Teufelswerk.

    Neben dieser Installation von Bassem Yousri zeigen auch viele andere Werke der Sonderausstellung die Kreativität, den Ideenreichtum, die Autonomie junger Künstler aus den arabischen Ländern, die unabhängig von den Ritualen und Mechanismen des westlichen Kunstbetriebs ihre eigenen Wege gehen.
  • 01. August 2014 Objekt des Monats August: Nida Sinokrot, Ka, 2009

    Inmitten spätantiker Bauplastik, frühchristlicher Stelen und koptischer Stoffe schockiert die Besucher eine martialische Maschine.
    Tonnenschwere Baggerschaufeln verwandeln sich in ein Armpaar, das zum Himmel weist. Der palästinensische Künstler Nida Sinokrot nennt seine Arbeit „KA" und bezieht sich damit auf die altägyptische Hieroglyphe ka, ein nach oben geöffnetes Armpaar, das Zeichen für die Seele des Menschen, die das Irdische überwindet und zum ewigen Leben führt.

    Der Kontext der frühchristlichen Bilder des Ägyptischen Museums unterstreicht diese Lesung des zum Auferstehungssymbol gewordenen Baggers: Mit erhobenen Armen steigen die Verstorbenen aus ihren Gräbern, hinauf zum ewigen Licht.

    (Ausgestellt im Raum „Nach den Pharaonen")
  • 01. Juli 2014 Objekt des Monats Juli: Paula Modersohn-Becker, Selbstportrait, 1906

    Unter den Künstlern der Moderne, die sich mit Altägypten auseinandergesetzt haben, nimmt Paula Modersohn Becker eine Sonderstellung ein.
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